Startup Wormanizer – Rosen mögen Pferdemist

WormanizerEine Packung Biodünger aus dem Hause Wormanizer (Foto: Albfertil)

Ein Startup in Korntal produziert Biodünger mit Hilfe von Regenwürmern. Für Nadine Antic ist es bereits die zweite Firmengründung seit Ende ihres Studiums. Mit Wormanizer will sie den Düngermarkt aufmischen.

Man stelle sich folgende Geschäftsidee vor: Die eigene Firma bekommt das Rohmaterial für ihr Produkt von anderen Firmen geschenkt oder sogar noch Geld dafür, dass sie es abnimmt. Anschließend wird es von einer Heerschar rückgratloser, nicht gewerkschaftlich organisierter und dazu noch unbezahlter  Mitarbeiter veredelt und zum Schluss verkauft man es als Lifestyle-Produkt an ein umweltbewusstes Klientel.

Was in dieser überspitzten Beschreibung klingt wie die eierlegende Wollmilchsau, hat ein Startup in Korntal tatsächlich geschafft: die Albfertil GmbH vertreibt seit Anfang Juli organischen Dünger, der von Regenwürmern aus Abfällen der Lebensmittelindustrie hergestellt wird. Der passende Produktname: Wormanizer.

Drei verschiedene Dünger-Sorten

„Mit dem provokativen Namen wollten wir zum einen das Produkt attraktiver gestalten und zum anderen mögliche Kunden für Umweltthemen sensibilisieren“, sagt die Geschäftsführerin Nadine Antic. Tatsächlich sieht eine Packung Biodünger aus dem Hause Wormanizer aus wie ein Becher teures Supermarkteis. Bunte Farben, ein stilisierter Wurm, der sich W-förmig windet, das ganze in drei verschiedenen Sorten: Dünger für Chillies, für Rosen und ein Universaldünger sind bislang für knapp acht Euro erhältlich.

Die verschiedenen Sorten sind zurückzuführen auf unterschiedliche Gehalte von Natrium, Phosphor und Stickstoff. Rosen beispielsweise brauchen mehr Stickstoff, deswegen ist im Rosendünger mehr Pferdemist drin. „Wir arbeiten mit externen Bodenkundlern zusammen für unsere Rezepturen“, erklärt Sven Hofstadler, der für den Vertrieb zuständig ist. „Aber unsere Rezepturen sind natürlich geheim.“

Nächstes Jahr 300 Tonnen Dünger

Der Dünger ist trocken, bröselig und geruchsneutral. Ein Teelöffel pro Monat soll einer Pflanze reichen, sagt Antic. Durch den hohen Nährstoffgehalt werde der Geschmack der Pflanzen gesteigert: „Chillies werden schärfer und Tomaten schmecken wieder nach Tomaten“, sagt Hofstadler.

Mit 60 000 Bechern geht das Unternehmen in diesem Jahr in den Verkauf. Im nächsten Jahr will man zur  Düngesaison voll durchstarten und bis zu 300 Tonnen Dünger verkaufen, dann auch für Outdoor-Pflanzen. Bisher erhältlich ist das Produkt auf der Homepage des Unternehmens, bei einem Bio-Internethändler sowie in einzelnen Hofläden.

Wormanizer ist ein Upcycling-Vorzeigeprojekt

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Die Gründer Nadine Antic, Sven Hofstadler und Anne Kathrin Antic (von links nach rechts) (Foto: Albfertil)

Möglich wurde das Upcycling-Vorzeigeprojekt zum einen durch Kreditgeber, im Startup-Jargon Business Angels genannt, in Höhe von 200 000 Euro. Viel wichtiger aber waren die bereits bestehenden Kontakte von Nadine Antic zu großen Unternehmen. Mit ihrer ersten Firma Globalflow berät die 31-Jährige Unternehmen, wie sie ihre Ressourcen effizienter einsetzen und Müll vermeiden können. Zu ihren Kunden gehören MAN, Melitta und Ritter Sport. Mit diesen Referenzen sei es einfacher gewesen, Investoren zu finden. Es ist das berühmte Henne-Ei-Problem bei Startups: Ohne Referenzen keine Investoren, ohne Investoren keine Referenzen. Globalflow gründete Antic im Jahr 2012, direkt nach ihrem Studium in Energie- und Recycling-Management in Nürtingen sowie dem Wirtschaftsingenieurwesen in Reutlingen. Während dieser Zeit musste sie lernen, dass Umweltschutz an sich kein Verkaufsargument ist: „Der Nutzen muss klar und wirtschaftlich darstellbar sein“, sagt sie.

Zwölf Mitarbeiter haben Globalflow und Albfertil mittlerweile gemeinsam, bald sollen weitere Leute eingestellt werden. Die eine Million Regenwürmer, genauer Eisenia Fetida,  zählt Antic nur inoffiziell zu ihren Mitarbeitern. Die sind in einem Steinbruch bei Darmsheim im Kreis Böblingen untergebracht und verarbeiten dort in drei verschiedenen Becken – eins pro Düngervariante –  kontrollierte und sterilisierte Abfälle aus der Lebensmittelindustrie. Natürlich haben Antic und Hofstadler schon die nächste Produktdiversifizierung geplant: Flüssig-Dünger. „Oder eben Wurmtee“, sagt Hofstadler.

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