Wie Baden-Württemberg und Israel sich ergänzen

Baden-Württemberg und IsraelDer baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann in Tel Aviv im Frühjahr 2017 Foto: Landesregierung Baden-Württemberg

IdeenwerkBW-Schwerpunkt Baden-Württemberg und Israel (2): Beim Thema Hightech und Startups gibt es immer mehr  Verflechtungen. Die Landesregierung in Stuttgart will sich jetzt unter anderem ein Frühförderungssystem als Vorbild nehmen.

Bosch hat in israelische Landwirtschaftsstartups investiert, Daimler hat im November ein Forschungszentrum in Tel Aviv eröffnet und auch Stihl hat sich an einem Startup von dort beteiligt. Aber auch israelische Technologiefirmen entdecken verstärkt Baden-Württemberg.  Für israelische Gründer wird die deutsche Autoindustrie immer wichtiger, etwa bei den Themen Sicherheit   und  autonomes Fahren. Hier gibt es auch intensive Kontakte in den Südwesten etwa über die Startup Autobahn von Daimler.

Die Innovationskulturen ergänzen sich fast perfekt. Jedes Land hat exakt, was dem anderen fehlt. Die offizielle Statistik der Außenhandelsbeziehungen bildet diesen Trend nicht richtig ab, weil Austausch von Knowhow und der Wert von IT hier unterbelichtet sind.

Firmen im Südwesten suchen nach IT-Expertise, Schnelligkeit und Beweglichkeit, die israelische Startups ausmachen. Israelische Startups lockt hingegen der Markt – und die Fähigkeit der Deutschen, IT-Innovation mit Industrieprodukten zu verbinden. Der israelische Wirtschaftswissenschaftler Guy Katz hat das empirisch belegt: „Ein Israeli hat viele Ideen, die manchmal zu weit gehen – der Deutsche ist derjenige, der sagt: Moment mal – wir müssen das strukturieren.“

Baden-Württemberg und Israel: ein  Inkubator als Inspiration

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hat sich bei einer Israelreise von einem israelischen Fördersystem inspirieren lassen, das Startups in einer frühen Phase unterstützt, wenn es noch schwer ist private Investoren zu gewinnen, andererseits die eigenen Mittel oft ausgezehrt sind.

Dort können vom Staat lizenzierte Startup-Schmieden, so genannte Inkubatoren, ohne Zins und Sicherheiten Fördergelder vergeben – sofern sie sich mit 15 Prozent ebenfalls beteiligen. Haben die Gründer Erfolg, zahlen diese das Geld zurück. Auch in Baden-Württemberg sollen wie beim Vorbild öffentliche und private Inkubatoren zu Partnern des Programms werden.  14 Millionen Euro will das Land dafür lockermachen. Der Start soll im kommenden Jahr sein.

Neue israelische Beauftragte fürs Land

Israel seinerseits hat eine neue Beauftragte für Baden-Württemberg installiert, die im Innovationssektor verstärkt Kontakte knüpfen soll. „In Israel beginnt man zu entdecken, dass es für Startup-Ideen nicht nur Berlin gibt,“ sagt Maren Steege, die seit Mai aktiv ist. Zwei deutsch-israelische Acceleratoren sind bereits am Start. In Mannheim sollen gemischte deutsch-israelische Innovationsteams nach Startup-Manier technologische Probleme von baden-württembergischen Mittelständlern lösen. In Freiburg geht es um ökologische Themen.

Die technologiezentrierten und häufig auf Unternehmenskunden ausgerichteten Startups  aus Israel passen besser zu Baden-Württemberg als zu Berlin. Nun müsse man junge Israeli nur noch davon überzeugen, dass es man im Land auch jenseits der Arbeit gut leben könne, sagt Steege. So wie man es von Tel Aviv gewöhnt ist.

Auch die Zusammenarbeit mit Hochschulen genau an der Schnittstelle wo aus Forschungsideen Start-up-Projekte werden, soll intensiviert werden. Genau hier hat Israel besondere Expertise und sieht in Baden-Württemberg den geeigneten Partner: „Auch dort liest man Statistiken und weiß, dass im Südwesten die Forschungsausgaben besonders hoch sind,“ sagt Steege.

Auch Startups aus dem Land zieht es nach Israel

Für die Startups im Land ist Israel inzwischen ein fast so großer Magnet wie die USA. Diesen Eindruck hat die Baden-Württemberg-Beauftragte Steege vom „Gründergrillen“ in Stuttgart, einem lockeren Treff der Szene mitgebracht, wo sie spontan eine Kurzpräsentation hielt. „Das ging von Startups in der Frühphase, die Kontakte nach Israel für die eigene Inspiration wünschen bis hin zu ganz konkreten Vorstellungen von einer Partnerschaft.“

Es gehe dabei nicht gleich um formale Verträge , sondern um gemeinsame Projekte, bei denen man sich etwa die Kosten teile. Bisher sei das für Baden-Württemberg noch untypisch: „Das widerspricht dem hiesigen Sicherheitsdenken. Da gibt es bei einer Zusammenarbeit von Baden-Württemberg und Israel noch sehr viel Potenzial.“

Der erste Teil der Serie erschien am 8.12.

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