Teamtechnik verbindet E-Mobilität und Solar

TeamtechnikTeamtechnik bietet beispielsweise Montage- und Prüfsysteme an. Foto: Teamtechnik

Teamtechnik aus Freiberg bei Ludwigsburg baut nicht nur für die Autoindustrie, sondern auch für die Solartechnik. Ein Kunde wurde zum Lieferanten fürs eigene Fotovoltaiksystem auf dem Dach.

Der Anlagenbauer Teamtechnik aus Freiberg bei Ludwigsburg ist zwar kein Konzern, aber trotzdem weltweit aktiv. Der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Roßkopf kann sogar berichten, dass die Geschäfte dabei nicht nur in eine Richtung gehen: „Mit den Anlagen, die wir nach China geliefert haben, wurden dort von unserem Kunden auch die Solarmodule produziert, die auf dem Dach unserer eigenen Gebäude installiert sind.“

Dass sich Roßkopf überhaupt für die Solartechnik interessiert, liegt an seinem Gespür für Megatrends: „Wir kamen nach China, als dort gerade ein Solarboom begann.“ Megatrends haben es dem geschäftsführenden Gesellschafter angetan. Größter Bereich des Unternehmens ist die Sparte Automotive. Mit Prüfständen und Montageanlagen für die Fahrzeugindustrie erzielt das Unternehmen fast zwei Drittel seines Umsatzes von rund 170 Millionen Euro. Die Anteile der einzelnen Bereiche können aber stark schwanken, je nachdem, in welchem Bereich gerade ein großer Auftrag hereinkommt.

Elektromobilität und Solartechnik passen zusammen

Mit den Anlagen von Teamtechnik können etwa Abstandssensoren gefertigt werden, das Unternehmen produziert aber auch Prüfstände für Elektroantriebe oder für Batteriemodule für Elektrofahrzeuge. Im Augenblick wird etwa eine Maschine für den Streetscooter der Post hergestellt. Auch in seinem größten Bereich glaubt der Unternehmenschef, einen Megatrend erwischt zu haben: Sollen Autos autonom über die Straßen rollen, brauchen sie jede Menge Sensoren.

Der Trend zu Elektrofahrzeugen ist nach Meinung von Roßkopf ebenfalls eindeutig. „Da führt kein Weg vorbei. Automotive und Solartechnik sind zwei der drei Säulen, die verhindern, dass wir nur von einer Branche abhängig sind“, meint Roßkopf. Und in beiden Sparten wird nicht nur für die Kunden produziert. Diese spielen auch im eigenen Unternehmen eine Rolle. Auf dem Dach einer neuen Halle für mehr als sieben Millionen Euro wurde auch ein Fotovoltaiksystem installiert. Die Energie der Sonne wird für den Verbrauch im Unternehmen genutzt – aber auch, um die eigenen Elektrofahrzeuge aufzutanken.

Solarzapfsäulen auf dem Firmengelände von Teamtechnik

Auf dem Firmengelände gibt es bis jetzt 14 Ladestationen, das Ziel sind 32 Stromzapfsäulen, an denen reiner Sonnenstrom getankt wird. Ein knappes Dutzend Elektrofahrzeuge hat Teamtechnik im Einsatz, Mitarbeiter, die sich selbst eines gekauft haben, bekommen den Strom umsonst. Und der Firmenchef versichert, mit seinem eigenen Auto beim Urlaub in Schweden keinerlei Tankprobleme gehabt zu haben.

Um den Sonnenstrom zu speichern, wurde auf dem Gelände auch eine riesige Batterie installiert: „Wir sind die einzige Firma in Baden-Württemberg, die ein solches durchgängiges System von der Solaranlage bis hin zu den Elektrofahrzeugen auf dem Firmengelände hat“, sagt Roßkopf. Natürlich wird das Unternehmen etwa für seine Maschinen, zumal in Spitzenzeiten, wohl immer Strom aus dem Netz brauchen. „Wenn wir aber die Bilanz für einen Monat ziehen, wollen wir mittelfristig so viel eigenen Strom erzeugen, wie wir auch verbrauchen.“

Kritik an der Zurückhaltung bei den Batteriezellen

Doch wohl gerade, weil er selbst so engagiert in Sachen Elektromobilität ist, ärgert ihn eines besonders: die Zurückhaltung der deutschen Autoindustrie bei der Fertigung von Batteriezellen. „Wir müssen unbedingt auch die Zellen selbst herstellen, sonst können wir eines Tages ohne die Chinesen kein Auto mehr produzieren.“ Dass ein chinesischer Konzern in der Nähe von Erfurt eine Fabrik für Batteriezellen plant, ist für ihn ein Hinweis auf Versäumnisse der inländischen Fahrzeugbauer.

Auch bei seiner „dritten Säule“ glaubt Roßkopf, dem richtigen Trend zu folgen: Im Bereich Medizintechnik, in dem Anlagen für die Herstellung von Kontaktlinsen oder Injektionsspritzen etwa für Diabetiker gefertigt werden, profitiert die Firma von der wachsenden Zahl älterer Menschen – aber auch vom Kostendruck im Gesundheitswesen. „Früher ging man zum Arzt, heute spritzt man sich selbst, der Trend geht weg von der stationären Behandlung.“

70 Prozent des Umsatzes im Ausland

Dass Roßkopf richtig liegen dürfte, zeigt die Entwicklung des 1976 von seinem Vater als Ingenieurbüro gegründeten Unternehmens: Vor zehn Jahren wurde mit 400 Mitarbeitern ein Umsatz von 75 Millionen Euro erzielt. Zu den 170 Millionen, die aktuell eingefahren werden, tragen inzwischen 1000 Mitarbeiter, davon 550 in Freiberg, bei. Etwa 70 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt, die wichtigsten Märkte sind China, Indien, das europäische Ausland und die USA. Etwa alle zwei Monate bricht der Chef zu einer Geschäftsreise nach Asien auf.

Dieses Jahr wird der Umsatz eventuell nicht steigen, was Roßkopf aber nicht schlimm findet: Das größte von einem Eigentümer geführte Unternehmen in dieser Branche – Automatisierungstechnik ist meist eine Angelegenheit von Konzernen – brauche nicht unbedingt Wachstum um jeden Preis, um erfolgreich zu sein, meint er: „Wachstum um des Wachstums willen ist nicht unsere Strategie.“ Ähnliches gilt für Zukäufe. Dass vor einigen Jahren ein Unternehmen aus Ludwigsburg wegen einer speziellen schnellen Technologie übernommen wurde, war und bleibt die Ausnahme.

„Wir wollen organisch wachsen.“ Produktionsstätten gibt es neben Freiberg und Ludwigsburg in China, Polen und den USA, weitere sind nicht geplant. Möglicherweise gehört zu dem Gespür für Megatrends eben auch ein Gespür dafür, wo man aktiv sein sollte – auch, schon wegen der Qualifi­kation der MitarJahren“, so meint Roßkopf, „Könnte unser Umsatz eventuell 250 Millionen Euro erreichen.“

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