Steyg -Stuttgarter Lernfabrik für Startups

Steyg StuttgartManche Gänge im Steyg können die frühere Behörden- und Bankenatmosphäre nicht verleugnen. Foto: Steyg

Das Startup-Zentrum Steyg beim Hauptbahnhof zeigt, wie weit die  Szene in Stuttgart gekommen ist.  Man ist  nun auch Teil des Landesprogramms Startup BW Pre-Seed. 

Sperrholzplatten, Kaffeeecke,  Sprüche an der Wand, bunte Farben – das Steyg in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs hat das, was man heutzutage von einem Startup-Zentrum erwartet. Dass hier einmal das Gesundheitsamt und Banken logierten,  sieht man den langen Gängen, in denen sich eine Bürotüre an die andere reiht, aber schon noch an.

Adrian Thoma, Geschäftsführer des Mutterunternehmens, der Stuttgarter Startup-Beratung Pioniergeist,  klopft an eine der  Wände: „Die sind aus Holz, die lassen sich leicht verschieben“, sagt er. Die 2000 Quadratmeter ließen sich also flexibel an die weitere Entwicklung anpassen.

Auf zwei Stockwerken finden hier seit neun Monaten Startups  mit einem breiten Themenspektrum Platz. 20 Unternehmen sind es zurzeit, die von der Einzelgründung bis zum etablierten Jungunternehmen mit 30  Beschäftigten reichen.  Sie beschäftigten sich mit Hightech zum Aufspüren von Straßenschäden genauso wie mit  ethisch-ökologisch korrekten Frauentampons. Auch Innovationsteams etablierter Firmen haben Platz im Startup-Zentrum.  „Embrace Diversity“ – also „Mache dir Vielfalt zu eigen“ –  ist einer der Leitsprüche an der Wand. Zusammen mit den Code-n-Spaces in Stuttgart-Fasanenhof und den Startups im Wizemann nahe der Wilhelma ist Steyg das jüngste derartige Projekt in Stuttgart. Der Verzicht auf modischen Schnickschnack ist Programm.

Steyg funktioniert rein privatwirtschaftlich

Hinter dem Steyg steckt kein etabliertes Unternehmen, das zeigen will, wie cool es geworden ist. Und das Projekt hängt auch nicht an öffentlichen Fördertöpfen. „Das läuft alles rein privatwirtschaftlich“, sagt Thoma. Geld verdient man etwa mit den Mitgliedsbeiträgen, die jedes Mitglied der Steyg-Gemeinschaft zahlt. Eine Mitgliedschaft gibt es ab 89 Euro im Monat, für 40 Euro mehr pro Person ist ein Büroarbeitsplatz inklusive.

Doch es gibt auch Startups wie die innovativen Straßenzustandserfasser von Vialytics, an denen das Steyg-Mutterunternehmen Pioniergeist mit einem kleinen Minderheitsanteil  selbst beteiligt ist – und die es als Investor unmittelbar begleitet.

Neuer Partner für ein Frühförderprogramm

Aktuell ist man nun zum Partner für ein Förderprojekt des Landes Baden-Württemberg geworden, mit dem Startups in der Frühphase investorenreif gemacht werden sollen.  Im Rahmen des  2018 vom Landeswirtschaftsministerium aufgesetzten Projekts „Startup BW Pre-Seed“ wird man vom Sommer an Startups betreuen, die kurz vor der eigentlichen Gründung stehen.

In dieser sogenannten „Pre-Seed-Phase“ formiert sich das Gründungsteam. Das Geschäftsmodell und die ersten Prototypen werden entwickelt. Dort haben Startups in der Regel einen Finanzierungsbedarf von wenigen Hunderttausend Euro.  „Wir bekommen dafür keine Fördergelder, sondern beteiligen uns selbst an den Unternehmen“, sagt Thoma.  Damit soll eine in Baden-Württemberg bisher klaffende Lücke bei der Startup-Finanzierung gestopft werden, die zwischen der allerersten Finanzierung und dem Einstieg von Investoren klafft. Thoma erwartet, dass man etwa fünf bis zehn Startups begleiten wird. Die Dauer der Betreuung wird dabei individuell  davon abhängen, wie weit die Startups sind.

Anfangs mit Programm für etablierte Firmen gestartet

Die Startup-Beratung Pioniergeist ist 2016 ursprünglich mit dem Programm Activatr gestartet, bei der gemischte Teams aus Mitarbeitern etablierter Firmen und erfahrenen Gründern Geschäftsideen entwickeln. Steyg ist eine Ausgründung als eigenständiges Unternehmen.

Als weiteres Programm in Steyg gibt es seit Anfang des Jahres das Projekt Gründermotor, das studentische Startup-Teams bei den ersten Schritten ins Unternehmertum begleitet. Hier gewährt das Stuttgarter IT-Unternehmen Vector-Informatik finanzielle Unterstützung. Auch das Activatr-Programm findet heute im Steyg statt.

Wechselseitiges Lernen ist der Schlüssel

Entscheidend für die Aufnahme in das Startup-Zentrum sei die Frage, ob ein Gründerteam der richtige Mosaikstein für die Gemeinschaft ist, sagt Thoma. Gegenseitige Unterstützung, die Bereitschaft bei Events  Erfahrungen zu teilen und kollegiale Inspiration gehören dazu. „Wir wollen deutlich mehr sein als ein sogenanntes Co-Working-Büro,“ sagt Thoma.

In diesen sich immer mehr etablierenden Bürogemeinschaften pflegt man zwar einen gewissen Zusammenhalt, das Steyg will aber weitergehen.  Dass die Startups  gegenseitig voneinander lernen, sei das wichtigste Ziel, sagt Thoma. Dauerhaft niederlassen sollen sie sich nicht, sondern sie sollen das Steyg als Etappe sehen. Noch ist die Fläche erst zu 60 bis 70 Prozent ausgelastet. „Unser Ziel ist es, dass wir 150 bis 200 Plätze im Steyg besetzen“, sagt Thoma. Das wären bis zu doppelt so viele Mitglieder wie heute.

Was ist Startup BW Pre-Seed?
Das Stuttgarter Startup-Zentrum Steyg betreut im Rahmen dieses neuen Landesprogramms Gründer in der Frühphase. Das Land agiert hier gemeinsam mit privaten Startup-Experten als Investor und bereitet die Unternehmen für weiteres Wachstum vor.
Seit dem Start  im Dezember 2018 haben  20 Gründungsvorhaben  Finanzierungszusagen in Höhe von insgesamt rund 6,3 Millionen Euro erhalten. Davon stammen 5 Millionen Euro aus Landesmitteln und rund 1,3 Millionen Euro von privaten Ko-Investoren. Mehr als ein  Drittel der vorgesehenen 14 Millionen Euro Landesmittel sind vergeben.

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