Startups in Tübingen: Das Netz wird dichter

Startups in TübingenIm Schatten der Stiftskirche: Der regelmäßige Treff von Startup Tübingen. Foto: Meidert

Nicht nur die mit der bundesweit einmaligen MedTech Startup School geförderte Medizintechnik, auch  andere Geschäftsideen haben bei den Startups in Tübingen  ihren Platz.

In grellem Pink weist das Logo des Frozen Yogurt Ladens YO! in Tübingen den Weg mitten hinein in eine Gründerszene, die unscheinbar scheint und sich dann als ziemlich lebendig entpuppt. Nicht weit vom Neckar mit den malerischen Stocherkähnen der alten Studentenverbindungen, wo Österberg und Altstadt aufeinandertreffen, trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat die Gründerszene von Tübingen zum Startup Frühstück. Seit anderthalb Jahren mittlerweile. „Hier sind immer alle relevanten Leute zum Thema Gründen in Tübingen da“, sagt John Caffier von Startup Tübingen. Er ist zusammen mit Johannes Brehme, Mudi Sharityar und Christian Maas einer der Organisatoren des Frühstücks. Nicht jedes Mal sind sie alle vier da, aber zwei von ihnen schaffen es immer.

Bei unserem Ausflug zu den Startups in Tübingen  sind neben Caffier und Maas etwa 15 Gründungsinteressierte, Gründer, Jungunternehmer und Netzwerkpartner beim Gründerfrühstück da. „So wenig sind es sonst nicht, vermutlich schlägt die Urlaubszeit etwas rein“, meint Caffier. „Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir dieses Mal keine Erinnerungsmail mehr rumgeschickt haben.“

Die Startups in Tübingen haben schon ein Videoblog

Caffier selbst dürfte trotz seiner noch jungen 21 Jahre einer der umtriebigsten Gründer in Tübingen sein. Sein Unternehmen Jocapps entwickelt Apps wie Breisgaustraussen.de, die regionale Straußenwirtschaften im Breisgau übersichtlich auflistet. Aus seinen Erfahrungen damit ist das Angebot OnlineAppCreator geworden, welches das Erstellen von webbasierten Apps deutlich erleichtern soll. Auf dem Videoblog Chris & John  gibt er in bisher 13 Episoden zusammen mit Christian Maas den selbstironischen und etwas trashigen Dokumentator der Tübinger Startup Szene.

Auch myNFP, ein Internettool, das Frauen bei der Auswertung ihres Zyklus hilft, kommt aus Tübingen. Maas, der zweite der vier Macher hinter Startup Tübingen, hat sie entwickelt und kann davon mittlerweile gut leben, wie er selbst sagt. Bis in Kürze wird das bisher rein webbasierte Angebot auch als App erscheinen. „Dann können unsere Nutzerinnen ihre Zykluskontrolle nochmals deutlich bequemer immer dabei haben“, sagt Maas. Als Mann eine Webseite zur Zykluskontrolle? „Tja“, lacht Christian, „meine damalige Freundin wollte nicht mehr mit der Pille verhüten und fand es zu anstrengend, das Ganze per Hand aufzuzeichnen.“ Bis heute haben mehr als 90 000 Frauen das Angebot genutzt.

Die MedTech Startup School ist bundesweit einmalig

Institutionell hat die Unistadt mittlerweile noch mehr zu bieten: Neben dem sich im Ausbau befindlichen Co-Workingspace ist beim Thema Startups in Tübingen  vor allem die MedTech Startup School  zu nennen. Das Projekt der Universität, des Universitätsklinikums Tübingen und der Stiftung für Medizininnovationen ermöglicht Studierenden unterschiedlicher Disziplinen und Hochschulen die Entwicklung von Medizintechnikgeschäftsideen zur Frühphasenfinanzierung. Die Ideen für dieses 100-Tage-Programm kommen dabei entweder von den Teilnehmern selbst oder aber auch von Medizinern und Physiotherapeuten. Diese bringen ihre Ideen ein und begleiten die Teams inhaltlich, wollen oder können aber oft nicht alleine als Unternehmer tätig werden.

Lukas Radwan, einer der Organisatoren der MedTech Startup School, ist beim Startup Frühstück ebenfalls dabei. Mit ihm ist auch Kevin Liebholz gekommen, der in Karlsruhe bereits eine Gründung gestartet hatte und jetzt während seinem Studium in International Business Administration in Tübingen im Rahmen der Startup School in einem Team zum Thema „Plasmapflaster“ arbeitet. „Bei dem Angebot, das die Startup School darstellt, konnte ich als passionierter Gründer nicht widerstehen“, sagt Liebholz.

Korbinian Skorupa, der in Tuttlingen Medizintechnik studiert und gemeinsam mit Liebholz im „Pflasterteam“ ist, äußert sich ähnlich: „Die Organisatoren waren mit einer Roadshow bei uns an der Uni. So kann ich meine vorlesungsfreie Zeit besonders lehrreich und spannend gestalten.“ Radwan ist sich der Qualität seines Projekts bewusst. „Wir sind einer der wenigen Frühphasenakzeleratoren in Deutschland und der einzige mit Fokus auf Medizintechnik.“ Ihm ist wichtig, das Projekt nicht als Monolith zu betrachten. „Die Anbindung an Uni und Uniklinik ist genauso entscheidend wie die Vielzahl unserer Mentoren und Partner.“ Nur im Netzwerk lasse sich ein solches Vorhaben realisieren, sagt er.

Trotz alter Rivalität – die Kontakte zu Reutlingen funktionieren

In einem völlig anderen Bereich ist dagegen Frank Duerr von der Acameo GbR tätig. Die Agentur für Kommunikation und Gestaltung hat sich neben Design- und Kommunikationsthemen vor allem auch dem Internet und Websystemen verschrieben. Seit gut zehn Jahren ist Acameo bereits am Markt. Und versprüht trotzdem auch selbst noch viel Gründergeist. So hat das Team mit dem Cuuub  ein eigenes Webshopsystem entwickelt, das in Kürze als 3D-Webshop ausgerollt wird: „Kunden können dann durch den Webshop laufen wie durch einen echten Laden.“

Die Szene der Startups in Tübingen lebt also. Und zwar nicht wie die legendäre Neckarinsel umgeben vom Neckar für sich alleine. Denn trotz der ja durchaus bekannten Rivalität zwischen Reutlingen und Tübingen sind mehrere Reutlinger auch zum Startup Frühstück gekommen. Denn Rivalitäten existieren für Jochen Rieger von Startup Neckar-Alb und Coworker aus Reutlingen und Naomune Haii, der ab September an der Hochschule Reutlingen das Thema Gründen weiter voranbringen möchte, nicht. Sie wollen sich auch hier vernetzen.

Eine interaktive Karte mit den Startup-Standorten in Baden-Württemberg gibt es hier.

 

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Gastautor Moritz Meidert
Meidert  ist „Kapitän“ des bundesweit tätigen Gründerservice-Unternehmens Gründerschiff mit Sitz in Konstanz. Nach dem Studium in Konstanz und Friedrichs­hafen hat er nach einer gescheiterten Unternehmensgründung, mehreren weiteren Gründungen sowie einiger Erfahrung als Gründungsberater im Jahr  2014  das Gründerschiff gestartet. Das Gründerschiff begleitet mit  ­regionalen, sogenannten  Gründerschiff-Lotsen neben Unternehmens­gründern auch kleine und mittlere Unternehmen bei Innovationsprojekten sowie  Vorhaben, die den Gründergeist der eigenen ­Mitarbeiter fördern sollen. ­Außerdem bestehen Koope­rationen mit ­Hochschulen, Kommunen und Landkreisen. Ziel ist es dabei, Angebote für  Gründer im Land   besser zu verbreiten. Das Gründerschiff macht nach eigenen Angaben mehr als  8000 Angebote im Jahr für Gründer in Baden-Württemberg. Man deckt.   Regionen abseits der Metropolen ab. Bisher  hat Meidert über Ravensburg, Lörrach und Sigmaringen geschrieben.

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