Startups in Albstadt: Phönix aus der Asche

Startups in AlbstadtDas Startup CMC Kiesel GmbH bietet errweiterte Visualisierungsmöglichkeiten mithilfe von Virtueller Realität. Foto: CMC Kiesel.

Eine Stadt auf der Schwäbischen Alb nutzt den Strukturwandel: Startups in Albstadt finden Lebendigkeit und Austausch in einer gut ausgestatteten Technologiewerkstatt für junge Unternehmen.

„Uns ist wichtig, dass wir dort Fachkräfte hinbekommen.“ „Wenn das Umfeld und das Angebot stimmen, ist das für uns interessant.“ So klingen die spontanen Reaktionen beim Gründerfrühstück in der Technologiewerkstatt in Albstadt auf die ersten Gedanken zur neuen Technologiefabrik. Das kleine, aber feine Gründerzentrum, das im Teilort Tailfingen vor dreieinhalb Jahren gestartet ist, braucht einen Ableger.

Die Unternehmen in der Technologiewerkstatt entwickeln sich prächtig. „Unser Konzept der persönlichen Unterstützung von Start-ups funktioniert“, sagt Daniel Spitzbarth, Leiter der Technologiewerkstatt, völlig zu Recht. Deshalb soll auf die Technologiewerkstatt eine Technologiefabrik folgen.

Es gibt immer mehr Startups in Albstadt

Beim Gründerfrühstück geht es dieses Mal nicht darum zu hören, was andere Unternehmen so machen. Dieses Mal stellen Stadtverwaltung und Geschäftsführung Gedanken zur neuen Technologiefabrik vor. Vor allem Gestaltung, Funktionen und Angebote stehen im Fokus. Inhaltlich sind sich schnell alle einig, welche Richtung die richtige sein soll.

Die Zahl der Erfolg versprechenden Gründungen in Albstadt steigt und die Gründungen der letzten Jahre entwickeln sich gut. Zu erwarten war das nicht. „Albstadt war vom Strukturwandel in der Textilindustrie hart getroffen,“ erzählt der städtische Wirtschaftsförderer Andreas Hödl. Die Prognosen liefen auf dauerhaft sinkende Einwohnerzahlen und weiteren wirtschaftlichen Niedergang hinaus.

Die Einwohnerzahlen steigen wieder

Mittlerweile hat sich Albstadt nicht nur gefangen, sondern den Trend ins Gegenteil verkehrt. Die Einwohnerzahlen steigen wieder. Auch die Wirtschaft entwickelt sich positiv. „Während bis vor Kurzem nur die Firma Groz-Beckert die Herausbildung und Förderung naturwissenschaftlich-technischer Interessen von Kindern und Jugendlichen in der Region unterstützt und gefördert hat, sind die Unternehmen in und um Albstadt heute sehr viel aktiver“, sagt Helmut Posselt, der einer der treibenden Köpfe hinter dem NTS (Natur­wissenschaftlich-Technischer Stützpunkt) Albstadt.

Dieses Projekt, das von Regierungspräsidium, Lehrerseminar und Groz-Beckert initiiert wurde, mittlerweile aber wie die Technologiewerkstatt von einer ganzen Reihe von Unternehmen mitgetragen wird, vermittelt MINT-Kenntnisse und vor allem Ingenieurs- und Entdeckerbegeisterung an Schülerinnen und Schüler. Schon vom Grundschulalter an können diese in ihrer Freizeit und im Klassenverbund mit MINT-Fragestellungen arbeiten.

Naturwissenschaftliche Grundbildung als Fundament

„Die Technologiewerkstatt“, führt Spitzbarth aus, „stellt ihre Räume für diese naturwissenschaftliche und technische Grundbildung zur Verfügung. Damit bringen wir Leben ins Haus und ermöglichen frühe Begegnungen mit Unternehmertum.“ Diese Lebendigkeit und der Austausch im Haus, verbunden mit den modernen Räumlichkeiten und der guten Ausstattung, sind die Gründe, weshalb die jungen Unternehmen in die Technologiewerkstatt kommen.

Für Markus Kiesel, der mit der CMC-Kiesel GmbH und einem Team aus fünf Mitarbeitern Virtual-Reality-(VR)-Lösungen entwickelt, ist die Technologiewerkstatt ein idealer Standort. „Der Austausch mit anderen Unternehmen ist für uns ebenso wichtig wie die zahlreichen inhaltlichen Angebote“, betont Kiesel. Die Technologiewerkstatt hat er über Daniel Spitzbarth im Rahmen einer Messe kennengelernt. Und obwohl er nicht in Albstadt wohnt, erwies sich der Standort als der richtige. Das junge Unternehmen bietet neben der Realisierung von Messeauftritten mit VR-Unterstützung auch eine eigene VR-Lösung als Kombination aus Hard- und Software an.

In der Technologiewerkstatt ist der Platz begrenzt

Auch Jens Stier, Gründer und Geschäftsführer der engomo GmbH, ist gerne in der Technologiewerkstatt. „Aber“, bedauert er, „der Platz ist begrenzt. Eigentlich wollen wir in diesem Jahr gerne auf zehn Mitarbeiter wachsen. Hier in der Technologiewerkstatt kriegen wir die nicht mehr unter.“ Er ist wie fast alle Unternehmen, die schon ein paar Jahre da sind, auf der Suche nach Alternativen. Näher an der Hochschule in Albstadt gibt es noch freie und bezahlbare Gewerbeflächen. Dort, so Stier, will er dann mit mehr Platz starten, damit die Fläche nicht so schnell wieder zu klein wird.

Wenn das Produkt von engomo, ein Baukasten für die Erstellung mobiler Apps unter Verwendung von Prozessdaten im Unternehmen, läuft gut. „Meist testen die Unternehmen eine Anwendung und merken dann, was sie noch mobiler, schneller und mitarbeiterfreundlicher gestalten können“, erzählt Stier.

Neben der CMC-Kiesel und engomo beherbergt die Technologiewerkstatt noch zahlreiche weitere Unternehmen aus den Bereichen Apps, Sicherheitstechnik, Digitalisierung und Blockchain. So also sieht die Zukunft von Startups in Albstadt aus, das es offenbar schafft, sich aus der Krise der Textilindustrie heraus zu einem kleinen, aber feinen Hightechstandort zu entwickeln.

Startups in Albstadt profitieren von regionalen Business Angels

Dass sich aus der Technologiewerkstatt und der Einbindung der regionalen Unternehmen mit den Startup Angels Alb-Bodensee  auch bereits eine sehr aktive Business-Angel-Vereinigung entwickelt hat, gibt den Start-ups noch mehr Schub. „Das hat sich aus Gesprächen mit Daniel und einigen Unternehmern ergeben“, erinnert sich Thomas Hoffmeister, Vorsitzender der Startup Angels, „und dann ging es plötzlich sehr schnell.“ Heute sind etwa 30 Unternehmer und Investoren bei den Startup Angels aktiv.

Auch die Kooperation mit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen trägt zum Albstadter Ökosystem bei. „Das Gründerthema wird besser in der Lehre verankert“, erzählt Andreas ter-Woort, an der Hochschule zuständig für Innovation und Transfer. Er ist nicht der Einzige, der sich mit dem Thema Gründen beschäftigt. Mehrere Projekte und Vorhaben zielen darauf ab, mehr interessante Gründungen zu generieren. „Wir sind noch nicht am Ziel“, betonen Hödl und Spitzbarth unisono. Nach der Technologiewerkstatt und der Technologiefabrik sollen weitere Entwicklungen folgen. Es klingt, als ob der Aufstieg von Startups in Albstadt weitergehen wird.

Eine interaktive Karte mit den Startup-Standorten in Baden-Württemberg gibt es hier.

Der Gastautor Moritz Meidert

Moritz Meidert ist „Kapitän“ des bundesweit tätigen Gründerservice-Unternehmens Gründerschiff. Foto: privat

Meidert ist „Kapitän“ des bundesweit tätigen Gründerservice-Unternehmens Gründerschiff mit Sitz in Konstanz. Nach dem Studium in Konstanz und Friedrichs­hafen hat er nach einer gescheiterten Unternehmensgründung, mehreren weiteren Gründungen sowie einiger Erfahrung als Gründungs­berater 2014 das Gründerschiff gestartet.

Das Gründerschiff begleitet mit ­regionalen Gründerschiff-Lotsen neben Unternehmens­gründern auch kleine und mittlere Unternehmen bei Innovations­projekten sowie Vorhaben, die den Gründergeist der eigenen ­Mitarbeiter fördern sollen. ­Außerdem bestehen Koope­rationen mit ­Hochschulen, Kommunen und Landkreisen.

Ziel ist es, Angebote für ­Gründer im Land besser zu verbreiten. Das Gründerschiff macht nach eigenen ­Angaben mehr als 8000 Angebote im Jahr für Gründer und deckt Regionen abseits der Metropolen ab.

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