Startup Autobahn Expo Day – der Ideen-Magnet

Startup Autobahn Expo DayDas Stuttgarter Start-up Truphysics brachte in der Arena2036 einem Roboter das Flaschenöffnen bei. Foto: Lichtgut/Willikonsky

Seit einem Jahr betreibt Daimler die Startup Autobahn, ein Kooperationsprogramm das Technologiegründer mit etablierten Firmen nicht nur aus der Autobranche zusammenbringt. Beim zweiten Startup Autobahn Expo Day hat sich das Projekt als „größte Technologieplattform Europas“ präsentiert.

Als „größte Innovationsplattform Europas“ bezeichnet der Initiator Daimler seine Startup Autobahn. In diesem straffen, mehrmonatigen Programm entwickeln Startups gemeinsam mit Partnern aus der etablierten Wirtschaft Innovationen weiter. Was vor einem Jahr begann, ist in der Zwischenzeit deutlich gewachsen. Jetzt hat die zweite Gruppe von Startups das mehrmonatige Programm durchlaufen. Sie präsentierte sich zum Startup Autobahn Expo Day in der Arena 2036, einem von der Autobranche in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart betriebenen Technologiezentrum. 28 Startups aus Deutschland und weiteren sieben Ländern waren dabei – deutlich mehr als die 13 Teilnehmer im ersten Programmdurchlauf.

Aus anfangs vier externen Partnern des Daimler-Programms sind neun geworden. Dazu gehören nicht nur Porsche und die Autozulieferer Benteler, Hella und ZF, sondern auch der Chemiekonzern BASF, die Deutsche Post DHL sowie die IT- und Elektronikspezialisten Hewlett Packard Enterprise, DXC Technology und Murata.

Beim Startup Autobahn  Expo Day zeigen sich keine Anfänger

Die Startups, die ins Programm aufgenommen werden, sind keine Anfänger mehr. Die jungen Unternehmen suchen bei der Startup Autobahn eher Technologiepartner als Investoren, auch wenn in der ersten, schon Anfang des Jahres abgeschlossenen Runde, immerhin fast drei Viertel der Teilnehmer Kapital einsammeln konnten. Ein Startup wurde sogar von Peugeot aufgekauft. Die teilnehmenden Unternehmen versprechen sich vor allem Dingen einen Einblick in brandaktuelle Technologietrends. Die Startups hingegen lernen die konkreten Probleme und Anforderungen der Kunden kennen.

Die Zahl der Pilotprojekte, bei denen teilweise auch Konkurrenten wir Daimler und Porsche mit demselben Startup zusammenarbeiten, ist von 15 in der ersten Runde auf mehr als 50 beim zweiten Durchlauf gestiegen.Kooperation sei der Schlüssel, sagte Saeed Amidi, Chef der Innovationsplattform Plug and Play aus dem Silicon Valley, die Partner für die Auswahl der Startups und das Programm ist: „Wir glauben daran, dass man Ideen teilen muss.“ Der Tüftler, der zwei Jahre lang im stillen Kämmerlein an seinen Ideen arbeitet, sei passé. Sascha Karimpour, der Stuttgart-Beauftragte von Plug and Play, sprach hier von einem deutlichen Schub binnen eines Jahres: „Als ich hierherkam, was es ein bisschen eine Startup-Wüste.“ Nun habe Stuttgart die Chance zum Hotspot für Mobilität in Europa.


Der Startup Autobahn Expo Day dient der Image-Politur

Den Startup Autobahn Expo Day und den ersten Geburtstag des Programms nutzte Daimler zum Polieren des eigenen Image. Hier ist die Zukunft das Thema. Altlasten gibt es nicht. „Wir müssen nicht alle Innovationen in unserer eigenen Firma entwickeln“, sagte Anke Kleinschmit, die Leiterin der Konzernforschung der Daimler AG. Sie zitierte Konzernchef Dieter Zetsche mit dem Bonmot, dass sich Daimler als Startup-Garage neu erfinden müsse.Die Startups im Programm werden bei der Vorauswahl passend zu den Bedürfnissen der Unternehmenspartner ausgesiebt. Es geht um Technologien, die mit den Bedürfnissen der Industriepartner kompatibel sind, nicht um Ideen, die deren Geschäftsmodell radikal infrage stellen. Die Zukunft der Produktion und die Vernetzung der Fahrzeuge waren zwei Themen der aktuellen Stuttgarter Präsentation. Weitere Schwerpunkte waren Virtuelle Realität und Sensoren sowie Künstliche Intelligenz und die Blockchain-Technologie. Dies ist eine aus dem Bereich der Finanztransaktionen stammende, besonders sichere Kommunikationstechnik. Als Schutz vor Hacker-Angriffen in vernetzten Fahrzeugen werde die Blockchain immer wichtiger, sagte der Porsche Digitalchef Thilo Koslowski.

Magnetfelder für freischwebende Logistik

Einige Startups stellten beim zweiten „Expo Day“ Innovationen vor, die etwa Logistik- und Produktionsprozesse umkrempeln. Fluid Logistics aus Frankfurt hat ein System entwickelt, bei dem Magnetfelder unter dem Fabrikboden es erlauben, Paletten und Gegenstände beliebig zu verschieben. Das erlaubt es beispielsweise in einem Lager, Dutzende Paletten gleichzeitig zu bewegen und auf Zwischengänge zu verzichten. R3 Communications aus Berlin zeigte eine Drahtlos-Technologie, die auf die Kommunikation mit Maschinen ausgerichtet ist – etwa in der vernetzten Fabrik der Zukunft. Truphysics aus Stuttgart erlaubt es Roboter virtuell einzulernen, ohne dass sie umständlich vor Ort eingestellt und trainiert werden müssen.

Aber auch ganz praktische Lebenshilfe etwa bei der hochpräzisen Navigation war auf dem Programm. Das britische Startup What3Words hat den ganzen Globus virtuell in 57 Billionen kleine Quadrate zerlegt. Die von Google Maps bekannten, komplizierten Ortsangaben in langen Zahlenreihen zu Längen- und Breitengrad übersetzt das System in vom Algorithmus willkürlich definierte, sinnfreie, aber vom Menschen leicht zu merkende Drei-Wort-Kombinationen. „Geputzte.Betonte.Klug“ oder „Bemessen.Zielt.Reifen“ führt dann beispielsweise bei einer großen Halle exakt zur den richtigen Türen. „Wir sind kein Startup, das noch Hilfe bei der Entwicklung benötigt. Aber die Startup Autobahn hat uns beim Knüpfen von Kontakten in die Unternehmen enorm viel gebracht“, sagt Kommunikationschefin Claire Jones.

Kommentar: Leuchtturm für die Region
Für manche Daimler-Manager muss die Teilnahme am Startup Autobahn Expo Day fast wie ein Erholungsurlaub wirken. Innovation pur präsentierte sich hier. Kein Wort von Dieselmotoren, Abgasen oder ähnlich unangenehmen Themen. Bei der Startup Autobahn ist die internationale Reichweite und Ausstrahlung zu finden, die man bei anderen Programmen in Baden-Württemberg vermisst. Die stetig wachsende Zahl der Startups, der Industriepartner und der Pilotprojekte zeigt, dass Daimler auf dem richtigen Weg ist. Ein Konzern, der sich auch beim Aufwand für das Schluss-Spektakel nicht lumpen ließ, kann da aber zugegebenermaßen freier und globaler agieren als die regionale Politik.

Konkurrent Porsche ist bereits im Boot – und erfüllt damit den von Anfang an propagierten Grundsatz der offenen Innovation mit Leben. Der Slogan von der „größten Technologieplattform Europas“ ist noch ein Marketingspruch. Aber Stuttgart hat beim Thema innovative Mobilität viel Potenzial. Das Programm sucht aber passgenaue Startups, nicht unbedingt Querdenker.

Die Unternehmen, die hier investieren, schielen zwar nicht auf die unmittelbare Verwertbarkeit der Innovationen. Sie kaufen auch die Startups nicht unbedingt gleich weg vom Markt. Aber sie entfernen sich nicht allzuweit von bestehenden Geschäftsmodellen. Die Technologie der Startups ist dazu komplementär, manchmal in sehr speziellen Nischen. Die Startup Autobahn kann deshalb nur ein – allerdings wichtiger – Baustein sein, um die Gründerkultur in Baden-Württemberg auf ein neues Niveau zu heben

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