Spielwaren-Startups bringen Innovation zum Anfassen

Spielwaren-StartupsDas Waiblinger Startup Joboo will Kinder mit Stapelsteinen in Bewegung bringen. Foto: Joboo

Kinder-Skihelme mit der Maus und Janoschs Tigerente, Kunstwerke aus bunten Klebepunkten und pädagogisch wertvolle Stapelsteine: Drei Spielwaren-Startups aus Baden-Württemberg haben ihre Innovationen auf der Spielwarenmesse präsentiert.

Die Geschäftsidee kam Joachim Plesch beim Einkaufen mit seiner älteren Tochter Nina: „Sie wollte unbedingt Skistöcke mit der Eisprinzessin von Disney drauf – aber die waren doppelt so teuer wie die anderen“, erinnert sich der 40-jährige Konstanzer. Auf der Suche nach Alternativen fiel ihm auf, dass es nur wenige Lizenzartikel bei Wintersportware gab. Skihelme etwa seien verglichen mit Fahrradhelmen nur selten mit Motiven aus bekannten Buch-, Film- oder Fernsehproduktionen bedruckt gewesen. Das wollten Plesch und seine Frau Lina ändern.

Sie wandten sich an den Westdeutschen Rundfunk und Bavaria Media. Die Lizenzen für die Maus aus der gleichnamigen TV-Sendung und für Janoschs Tigerente zu bekommen sei leichter als gedacht gewesen. So verging von der Idee über das Produktdesign bis zum fertigen Produkt nur etwa ein Jahr. Im Dezember stand ein Grundsortiment bestehend aus drei Kinder-Skihelmen für 80 bis 90 Euro – neben der Maus mit Aufsteckohren und der Tigerente auch die Eigenmarke Panther –, je eine Motiv-Strickmütze und eine Handvoll Schals. Die Helme lassen die Pleschs bei einem italienischen Hersteller fertigen, der auch größere Kunden aus der Branche beliefert. Die Schals und Mützen werden in Deutschland produziert. „Wir halten die höchsten Sicherheits- und Ökostandards ein“, sagt Betriebs- und Volkswirt Plesch.

Das sind natürlich auch Argumente eines Spielwaren-Startups, welche die Handelspartner überzeugen sollen: Mit dem Buchgroßhändler KNV und dem Mausladen in Köln bestehen bereits Partnerschaften, auch Amazon und die eigene Homepage sind Absatzkanäle. An Ideen zur Sortimentserweiterung mangelt es nicht: „Wir denken über eine Sommerkollektion mit Badesachen und Strandboards und über Regenhosen nach“, erläutert Plesch. „Unser Ziel ist es, eine Nische im Bereich Outdoor-Sachen für Kinder zu besetzen.“Der Vater von zwei Töchtern ist im Hauptberuf Geschäftsführer eines mittelständischen Maschinenbauers im Bodenseeraum. Doch sein Startup Gorfion, benannt nach einem Berg zwischen Österreich und Liechtenstein, sei mehr als nur ein Hobby. Das Geschäft des Spielwaren-Startups haben sie bewusst aus eigener Tasche finanziert – und unabhängig von Investoren im eigenen Tempo gestartet. Nun soll Pleschs Frau Lina die operative Leitung übernehmen.

Comic-Gemälde aus Klebepunkten – Idee eines Spielwaren-Startups

Bei der Stuttgarter Dot on GmbH sind zwei Frauen am Ruder: Julia Habermaier, Expertin für Text und Konzeption, und Tanja Haller, Grafikdesignerin. Zusammen mit einer mittlerweile ausgestiegenen Geschäftspartnerin haben sie seit 2010 Kalender entwickelt, die mit bunten Klebepunkten sowohl praktisch sinnvoll als auch künstlerisch wertvoll verziert werden. Die Besitzer erkennen auf den ersten Blick, was ansteht: Geburtstag, Arzttermin oder Sportstunde. Mittlerweile entstehen aus den Papierpunkten, die es in 58 Farben und Sets für 15 bis 35 Euro gibt, auch kleine Kunstwerke und Comic-Gemälde. „Die Bilder kommen erstaunlicherweise auch bei Bastelmuffel gut an, weil man dabei nichts falsch machen kann“, sagt Habermaier.

Bastler könnten sich stundenlang mit dem Kleben der Punkte beschäftigen, was auf viele eine entspannende Wirkung habe. Am Messestand hängen Bilder von Tieren, Fabelwesen, Comicfiguren, Sehenswürdigkeiten und Menschen – „das ist zum Beispiel meine Mutter“, sagt Habermaier und zeigt auf ein Bild. Kunden könnten eigene Fotos online hochladen und sich ein entsprechendes Klebepuzzle dazu bestellen.

Die beiden Gründerinnen sind 2018 in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ bereits mit prominenten Investoren in Kontakt gekommen. Daraus resultierten eine Vertriebskooperation und ein Darlehen, das es ihnen ermöglichte, ihre alten Jobs aufzugeben. „Das hat uns einen Schub verliehen, wir können uns deswegen aber nicht zurücklehnen – eher im Gegenteil“, verrät Habermaier. 70-Stunden-Wochen seien derzeit keine Seltenheit, berichtet sie aus ihrem Gründer-Alltag. Am Vortag hat sie gemeinsam mit einer Mitarbeiterin den Stand auf der Kreativmesse „Do it yourself“ in Frankfurt erst ab- und nur wenige Stunden später auf der Spielwarenmesse in Nürnberg wieder aufgebaut. Dort wollte sie Spielwarenhändler als Partner gewinnen, um ihr Vertriebsnetz ausbauen. Dazu gehört neben Bastelläden und dem Online-Portal My Toys auch ein eigener Webshop.

Stapelstein soll Bewegung bei Kindern fördern

Im Gegensatz zu den erfahrenen Spielwaren-Startups steht Stephan Schenk noch am Anfang. Der 24-jährige Waiblinger hat den Stapelstein erfunden und versucht ihn mit seiner Firma Joboo vor allem an Schulen und Kindergärten zu etablieren. Das nahezu unkaputtbare Produkt soll „Bewegung in den Alltag von Kindern“ bringen, erklärt Schenk. Der Schlüssel sei die Multifunktionalität: Kleine Kinder würden die Steine stapeln, schieben, rollen, sortieren oder werfen, ältere könnten darauf balancieren oder sogar spielerisch Mathematik lernen, indem sie die vier Farben jeweils einer Grundrechenart zuordnen.

Die Geschäftsidee hatte Schenk vor vier Jahren, doch vor der Gründung schloss er erst sein Studium zum Produktgestalter in Schwäbisch Gmünd ab. Seit 2017 sind die Stapelsteine auf dem Markt. Ein Stein wiegt nur 180 Gramm, kann aber bis zu 180 Kilogramm tragen. Der Kunststoff EPP ähnelt Tupperware. Schenk beschreibt das Material als „lebensmittelecht, 100 Prozent ‚made in Germany‘, 100 Prozent recycelbar und frei von Weichmachern“. Das hat seinen Preis: Ein 12er-Set kostet 297 Euro. Das sei gerechtfertigt, sagt der Gründer, obgleich er weiß, dass es noch einiger Anstrengung bedarf, Kunden von der Idee des „bewegten Lernens“ zu überzeugen.

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