Schaubühne – Deutsche Autos auf der CES 2019

Deutsche Autos auf der CESAuch Autos werden immer mehr durch die elektronische Brille betrachtet - jedenfalls auf der CES. Foto: CES

Die deutsche PS-Branche kehrt der traditionsreichen Autoshow in Detroit den Rücken. Stattdessen gibt es deutsche Autos auf der CES, der großen Consumer Electronics Show in Las Vegas.

Die  Messe in Detroit  war bisher für die deutsche Autobranche traditionell das wichtigste Schaufenster beim Start in das neue Jahr. Dieses Mal verzichten die meisten Manager auf die Reise in die im Januar eiskalte Motor City an der Grenze nach Kanada. Nur VW wird dort am 14. Januar den aufgefrischten US-Passat auf einer Pressekonferenz vorstellen. Audi, BMW und Daimler verzichten jedoch auf den großen Auftritt in der Heimat der US-Autobauer und auch der der deutsche Branchenverband VDA kehrt Detroit den Rücken. Stattdessen steht in diesem Jahr eine Stadt ganz im Süden der Vereinigten Staaten  im Mittelpunkt.

Schon in den vergangenen Jahren gab es immer mehr deutsche Autos auf der CES, der  Consumer Electronics Show in Las Vegas. Die Messe hat der Schau in Detroit immer mehr die Show gestohlen. Nun konzentrieren sich fast alle deutschen Anbieter voll auf die gigantische Fachmesse für Unterhaltungselektronik in Las Vegas, die vom kommenden Dienstag an für vier Tage rund 4500 Aussteller ihre neuesten Produkte und Entwürfe für die Technik der Zukunft vorstellen.

Besonders Daimler tritt in Las Vegas so massiv auf wie noch nie

Mit einer Verlegung des Termins wollen die Messemacher in Detroit wieder attraktiver werden. Vom nächsten Jahr an soll die Show in Motor City im Sommer starten, wenn das Wetter erträglicher ist. Doch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht keine Chance für eine Rückkehr zur alten Größe. „Ein anderer Termin wird wenig helfen. Detroit war gestern.

Die richtige Autoshow in Amerika heißt CES“, meint der Chef des Forschungsinstituts CAR an der Universität Duisburg-Essen. Heutzutage gebe es schon viele Informationen über neue Modelle bequem im Internet. „Reine Produktshows im klassischen Sinn sind langweilig geworden“, urteilt Dudenhöffer. Glänzende Autos in Reih und Glied, Blech und Mechanik – das sei überholt, meint der Wissenschaftler. Das Auto von morgen dagegen – das seien Smartphones, Software und Elektronik, also die Welt der CES in Las Vegas.

Deutsche Autos auf der CES – das bedeutet in diesem Jahr insbesondere Daimler. Der Stuttgarter Autokonzern kündigt die Weltpremiere des neuen kompakten Mercedes-Benz CLA an, zeigt erstmals auf einer US-Messe den batteriebetriebenen Geländewagen EQC und die Fahrzeugstudie Vision Urbanetic, ein digital vernetzter autonom fahrender Transporter mit Elektroantrieb, bei dem die gesamte Technik im Chassis untergebracht ist, auf dem sehr unterschiedliche Aufbauten befestigt werden können- so wird aus dem Gefährt in kurzer Zeit wahlweise ein Kleinbus oder ein Transporter.

Das Vehikel soll im Idealfall rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr eingesetzt werden. Ohne Fahrer sollen die Kosten deutlich sinken. Die Weltpremiere dieses Zukunftsmobils fand im September in Kopenhagen statt. In Las Vegas soll es nun erstmals auf die Straße kommen. Erstmals präsentiert sich auch die Lkw-Sparte Mercedes-Benz Trucks auf der CES und will vorstellen, welche nächsten Schritte  auf dem Weg zum autonomen Fahren in Sicht sind.

Deutsche Autos auf der CES – das heißt auch Zulieferer

Aber nicht nur die deutschen Autobauer, sondern auch die Zulieferer werben um Aufmerksamkeit auf der Elektronikmesse im Wüstenstaat Nevada. Bosch, ZF und Schaeffler wollen zeigen, wie sie sich die Mobilität der Zukunft vorstellen. Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn schwärmt von einem „weltweit einzigartigen Parket aus Hardware, Software und Mobilitätsdiensten“, das der Stuttgarter Zuliefer-Konzern zeigen will. Heyn meint damit fahrerlose Mini-Busse mit Elektroantrieb, die per Smartphone-App bestellt werden können. Bosch will nicht nur die Komponenten für die Automatisierung, Vernetzung und Elektrifizierung liefern, sondern ein ganzes Bündel von Serviceleistungen rund um die Mobilität anbieten.

Dazu gehören Buchung und Abrechnung, Ladeservice und das Infotainment. Noch ist das fahrerlose Shuttle von Bosch Zukunftsmusik, ebenso wie der autonom fahrende Van von Daimler, der wahlweise Menschen befördert oder Güter transportiert. „Das vollautonome Fahren wird erst in acht bis zehn Jahren eine größere Bedeutung bekommen“, schätzt Stefan Bratzel, der Chef des Forschungsinstituts CAM an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Zwar gebe es Pilotversuche, doch Geld verdienen könne man damit in den nächsten Jahren nicht. Doch die Autohersteller und deren Zulieferer müssten sich positionieren und Präsenz bei Zukunftstechnik wie neuen Mobilitätsdiensten zeigen. Bei der Wertschöpfung würden in der Zukunft Software und neue Serviceleistungen immer wichtiger.

Die Unternehmen müssten in den kommenden Jahren einen schwierigen Spagat schaffen, sagt der Wissenschaftler, denn sie müssten in ihrem klassischen Geschäft weiter erfolgreich sein. Zugleich müssten sie jedoch neue Kompetenzen auf Zukunftsfeldern wie etwa Internetplattformen für Robotertaxis aufbauen und sich dort auch im Wettbewerb mit neuen Anbietern wie Google oder Apple behaupten.

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