Neu: Fonds für Risikokapital in Baden-Württemberg

Risikokapital in Baden-WürttembergGanz so waghalsig wie hier vor vielen Jahren am Fernsehtrum Stuttgart wird es beim neuen Fonds des Landes nicht zugehen. Foto: Rudel

Baden-Württemberg lanciert mit fünf Millionen Euro einen neuen Wagniskapitalfonds. Er wird von der Förderbank L-Bank betreut. Zusammen mit privatem Geld sind  dabei 100 Millionen Euro Risikokapital in Baden-Württemberg das Ziel.

Aus fünf Millionen Euro an Landesmitteln sollen am Ende, dank der Beteiligung privater Investoren, 50 Millionen  für den Fonds werden. Er soll in vielversprechende High-Tech Unternehmen aus dem Land in der Wachstumsphase investieren. Der neue Finanzierungstopf schließt damit beim Risikokapital in Baden-Württemberg die Lücke zwischen  der bisherigen Kapitalförderung in der  Frühphase und einem neuen Programm für mittelständische Unternehmen. „Kreditfinanzierungen sind bei diesen Startups oft wegen fehlender Sicherheiten nicht geeignet“, sagte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Der Fonds richtet sich mit einer Mindestbeteiligung von einer Million Euro ausschließlich an professionelle Anleger.

15 bis 20 Investments sind im Blick

15 bis 20 Investments mit einer für solche Investitionen üblichen Laufzeit von fünf Jahren sind das Ziel. Das Land hofft, dass diese Unternehmen zusammen mit weiteren privaten Beteiligungen außerhalb des Fonds von einem Finanzierungsvolumen von bis zu 100 Millionen Euro profitieren können.  Zum Vergleich: In einen 2014  lancierten, stärker auf die Startup Frühphase ausgerichteten Vorgängerfonds, steckte die grün-rote Vorgängerregierung vier Millionen Euro an Landesmitteln und strebte ein Volumen von 20 Millionen Euro an. Der Fonds nennt aktuell drei Investments, von denen eine Beteiligung im Frühjahr verkauft wurde.

Bisher ist für den neuen Fonds  mit 22 Millionen Euro  knapp die Hälfte des für vorgesehenen privaten Kapitals eingesammelt. Das Geld kommt weitgehend aus dem Land und stammt von schon bisher bekannten Investoren: Sie reichen von baden-württembergischen Versicherungen, etablierten Firmen über die Vermögensverwaltungen von Mittelständlern (Family Offices) bis hin zu erfolgreichen Gründern aus dem Land, die sich nun als Startup-Investoren betätigen. „Es haben sich auch schon Familienunternehmen aus anderen Bundesländern für den Fonds interessiert“, sagte L-Bank-Chef Axel Nawrath bei der Präsentation.

Die Ministerin spricht von einem ersten Baustein

Der neue Fonds für Risikokapital in Baden-Württemberg sei ein erster Baustein der Gründer-Initiative des Landes, die in der kommenden Woche im Rahmen eines Startup-Gipfels den Südwesten bei diesem Thema besser sichtbar machen wolle, sagte  Hoffmeister-Kraut; „Bisher kommen wir in der Wahrnehmung bei vielen Akteuren nicht vor. Dabei haben wir ein großes Potenzial und einen starken Mittelstand.“ Das Land enagiere sich hier, um für eine neue Risikokapitalkultur zu werben.

„Manche fragen: Warum dieser Hype?  Aber wir stecken in einem starken Umbruch und einem großen technologischen Wandel,“ sagte die Ministerin.  Man wolle die nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in Deutschland bestehende Lücke beim Wagniskapital wenigstens zum Teil schließen. Bisher habe man allerdings noch keine internationalen Investoren ins Boot geholt, räumte die Ministerin ein: „Dies ist ist ein erster Schritt, um die internationale Wahrnehmung zu schärfen. Wir wollen damit sozusagen erst einmal beweisen, wie gut unsere Startup-Szene ist.“ L-Bank-Chef Nawrath formulierte dies offensiver: „Dies ist ein Weckruf, dass die Gründungsszene hier zu Lande nicht so armselig ist, wie man es öffentlich  manchmal versucht zu deuten.“

Solider Unternehmensaufbau ist das Ziel – nicht schnelle Rendite

Fondsmanager Sebastian Müller von LEA Partners, einem externen Managementpartner der L-Bank,  betonte, dass bei der Konzeption des Fonds nicht allein um das höchstmögliche Volumen gegangen sei: „Wenn wir aggressive ausländische Investoren ins Boot holen würden, dann könnten wir das Fondsvolumen verdoppeln“.

Es gehe vielmehr um eine solide Finanzierungsbasis, um den Unternehmen Raum zur Entwicklung zu geben. „Wir wollen nicht, dass die Firmen früh ihre Eigenständigkeit verlieren“, sagte er. Eine zu frühe und zu starke Präsenz von allein renditegetriebenen, internationalen Anlegern sorge da nur für „Unruhe“. Mit dem Land und der L-Bank habe man hingegen solide Ankerinvestoren.

Auch das Thema Scheitern und Risikostreuung, das bei der anvisierten Zahl der Beteiligungen nicht ansatzweise das Spektrum großer, risikoaffiner Kapitalfonds erreicht, stelle sich hier anders:  Man achte auf hohe Erfolgsschancen. Und da die ins Auge gefassten Unternehmen teilweise schon viele Jahre etwa aus der Hochschule heraus Technologien entwickelt hätten, bestehe in jedem Fall eine erhebliche Wertsubstanz. Die Beteiligung gehe mit einer intensiven Betreuung Hand in Hand -was im übrigen auch ein Kriterium für die Auswahl der Investoren sei. „Wagniskapital heißt aber auch Wagnis“, sagte L-Bank-Chef Nawrath: „Es gehört dazu, dass es eines der Unternehmen vielleicht nicht schafft.“

Risikokapital in Baden-Württemberg: Hoffmeister-Kraut will mehr

Hoffmeister-Kraut kündigte an, bei den kommenden Haushaltsverhandlungen um eine Aufstockung der Landesmittel im Fonds zu kämpfen. Er habe trotz des Verprechens im Koalitionsvertrag, Baden-Württemberg zu einer der gründerfreundlichsten Regionen Europas zu machen,  noch nicht die Dimension, wie sie es ursprünglich ins Auge gefasst habe. „Ich hoffe, dass wir dafür Rückenwind bekommen. Ich kämpfe dafür.“ Sie will ganz klar mehr Risikokapital in Baden-Württemberg.

Baden-Württembergische Startups liegen laut dem Deutschen Startup Monitor des Deutschen Startup Verbands in Deutschland beim Anteil der Risikokapitalfinanzierung bisher zurück. Während in der Bundesrepublik  im Jahr 2016 insgesamt 18,8 Prozent der Startups solche Investoren fanden, waren es in der Startup-Region Stuttgart/Karlsruhe 13,2 Prozent. Dies bedeutete allerdings einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr – aber weiterhin einen klaren Rückstand gegenüber Berlin oder München. Diese Aussage stützt auch eine Studie der L-Bank aus dem vergangenen Jahr, die aber die Finanzierungsalternativen im Land betont. Wenn  Startups in Baden-Württemberg tatsächlich Risikokapital bekommen,  sind sie laut  Startup-Monitor dank der im Südwesten gut investierten Nachbarländer Schweiz und Frankreich mit einem Anteil von 47,1  Prozent  internationaler finanziert als Startups im Bundesdurchschnitt (30,2Prozent).

 

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