Porsche Consulting treibt „Nudge Management“ voran

Nudge ManagementLocker miteinander reden: Ein Schlüssel für mehr Ideen im Büro. Foto: Roeder

IdeenwerkBW-Schwerpunkt Herausforderung Innovation (1): Das Stuttgarter Beratungsunternehmen Porsche Consulting will die Arbeitsatmosphäre und die Kreativität  in Büros mit so genanntem Nudge Management verbessern.

Die Zustände in deutschen Büros sind besorgniserregend. Nur 37 Prozent aller Angestellten sind mit der Arbeitsatmosphäre zufrieden, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage von Porsche Consulting unter tausend Personen herausfand. Gleichzeitig ist die Welt extrem im Wandel. Dem müssen sich Unternehmen anpassen. Sie müssen also schneller und innovativer werden. „Wir glauben, dass dieser Wandel nur gelingt, dies zu meistern, wenn wirklich alle in einem Unternehmen mithelfen und ihre Kompetenzen auch wirklich einbringen können“, sagt  Wolfgang Freibichler, Partner beim Beratungsunternehmen Porsche Consulting mit Stammsitz Bietigheim. Er ist überzeugt: Alle Führungskräfte müssen jetzt als Vorbild vorangehen.

Oft sind es einfache Maßnahmen, die ein besseres Klima und dadurch nicht nur höhere Effizienz erzielen, sondern auch die dringend benötigte Innovationskraft stärken. Porsche Consulting nennt die eigene Vorgehensweise „Nudge Management“, also den Einsatz von ‚Nudging‘ (Anstupsen) als Management-Instrument.

Und befindet sich damit in guter Gesellschaft mit dem Verhaltensökonom Richard Thaler. Der in Chicago lehrende Professor erhielt für seine Erkenntnisse zu Nudging im vergangenen Jahr den Wirtschafts-Nobelpreis. Thaler hat herausgefunden, dass Menschen sich durch kleine Veränderungen der Rahmenbedingungen stark beeinflussen lassen. Das wissen auch die Stuttgarter. Anders als bei Thaler geht es den Beratern allerdings nicht vorrangig darum, Konsumenten in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Neues Schlagwort: New Work mit Nudge Management

Als Unternehmensberatung untersucht Porsche Consulting, inwieweit sich die Nudging Erkenntnisse nutzen lassen, um ein Umfeld zu schaffen, in dem es für Mitarbeiter möglich wird, alles einzubringen, was tatsächlich in ihnen steckt. „Wir beschäftigen uns mit Nudge Management schon seit mehreren Jahren. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass der Nobelpreis unseren Ansatz weltweit bekannter macht“, freut sich Freibichler.

Drei Arten von „Anstupsen“ haben die Berater definiert: Digitale, physische und soziale Anstöße.

Simpel und sehr wirkungsvoll als digitaler Anstoß ist es, optische und akustische Benachrichtigungen über neu ankommende Emails abzustellen. Ein physischer Stupser kann sein, dass kurze Besprechungen im Stehen stattfinden. Denn Sitzen ist das Rauchen unserer Zeit. Ein beliebter sozialer Impuls ist eine Besprechung als Spaziergang an der frischen Luft. „Hinter jedem Nudge steht eine wissenschaftliche Erkenntnis“, sagt Freibichler und ergänzt: „Es gibt viele spannende Ergebnisse, die von Unternehmen noch ungenutzt sind und doch das ermöglichen, was wir unter neuer Arbeitsatmosphäre oder New Work verstehen.“

 Versuchslabor am Flughafen Stuttgart

Warum aber funktioniert Nudge Management? „Weil Arbeit mit dieser Methode so organisiert wird, wie Menschen eigentlich ticken, wie das Gehirn funktioniert“, sagt Freibichler.

Das eigene neue Büro direkt am Flughafen der Landeshauptstadt ist eine Art Versuchslabor. Dort testen die feinsinnigen Avantgardisten seit geraumer Zeit, wie der Büroalltag bunter und angenehmer für alle werden kann. Teil der Verbesserungsvorschläge sind beispielsweise drei Tourenvorschläge für Spaziergänge rund um den Flughafen. Beschreibbare Wände sind ein Muss, höhenverstellbare Arbeitsplätze sowieso. Essen und Getränke in der gemeinsamen Küche werden gestellt. Dort oder auf der spektakulären Dachterrasse werden neuen Ideen ausgeheckt. Ähnliches kann jedes Unternehmen auf die eine oder andere Weise anbieten.

Vier C für ein besseres Miteinander

‚Communication, Collaboration, Concentration, Contemplation‘ – diese vier Arbeitsphasen haben die Berater als wesentliche Merkmale perfekter Arbeitstage identifiziert. Englisch klingen sie besser als die etwas holprige deutsche Variante Kommunikation, Zusammenarbeit, Konzentration und Nachdenken. Die Frage, die bei den Unternehmen mit Verbesserungsbedarf zu klären ist: Wieviel C brauche ich wovon? Daran schließt sich der generelle Appell ‚Kapieren statt Kopieren‘, um die jeweils für das eigene Unternehmen passenden Werkzeuge aus dem Angebotskasten der Porsche Consulting auszuwählen und nutzbringend anzuwenden.

Gerade das letzte C, das Nachdenken – damit ist nicht die philosophische Kontemplation gemeint – wird in Unternehmen häufig stiefmütterlich behandelt. Genau darin aber besteht die Kernaufgabe von Menschen, die in Büros oder in der Fabrik arbeiten.

Zeit zum Nachdenken ist essenziell

Eine der Fragen der Porsche Consulting Studie lautete: Wo kann man Lösungen finden, Entscheidungen treffen, kreative Ideen entwickeln? Als Antwort konnten die Befragten zwischen den drei Alternativen unterwegs, zuhause, im Büro auswählen: Das erschütternde mehrheitliche Ergebnis lautete: unterwegs.

„Das Ergebnis hat uns sehr beschäftigt. Obwohl die Menschen täglich so viel Zeit im Büro verbringen, fehlen ihnen dort Ruhe und Raum zum Nachdenken“, so Freibichler. Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich eine Stunde Zeit pro Tag zum Nachdenken.

Deshalb fragten die Berater unter anderem auch: Was würde Ihnen persönlich helfen, damit Sie generell besser arbeiten können? Insbesondere Führungskräfte (80 Prozent) wünschen sich weniger oder kürzere Besprechungen.

Wie nun können Chefs eine innovative Arbeitsatmosphäre schaffen, so dass sie New Work, das moderne Klima am Arbeitsplatz, unterstützt und Mitarbeiter ihre Kompetenz voll entfalten können? Dieser Frage widmet sich die neue Studie von Porsche Consulting, die bald publiziert sein wird.

Porsche Consulting – eine Tochter des Autoherstellers
Die Porsche Consulting GmbH mit Hauptsitz in Bietigheim ist eine Tochtergesellschaft des Sportwagenherstellers und berät in fünf Fokusbranchen. Die Managementberatung entstand im Jahr 1994 im Zuge der Kaizen-Initiative. Verfechter dieser Methode war der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Porsche AG, Wendelin Wiedeking.
Mit Kaizen, dem japanischen Prozess einer kontinuierlich besseren Unternehmensführung, war es Porsche seinerzeit gelungen, sich angesichts des drohenden Ruins äußerst erfolgreich neu aufzustellen.
Mit einem kleinen Büro startete Porsche Consulting im Mutterhaus in Zuffenhausen. Mittlerweile arbeiten rund 500 Mitarbeiter an den Standorten Stuttgart, Hamburg, München, Berlin, Mailand, Sao Paulo, Atlanta, im Silicon Valley und Shanghai.
Die Devise: In der Automobilindustrie erprobte Erkenntnisse auch in anderen Industriezweigen von der Strategie in die Praxis umsetzen. Heute steht nicht mehr „Lean“ – das Verschlanken – im Mittelpunkt, sondern die große Transformation, die durch Digitalisierung aller Industrien und ein enorm hohes Innovationstempo vorangetrieben wird.

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