OurCrowd will Investments in Startups demokratisieren

OurCrowdEines der angebotenen Co-Investments ist der Sensorenanbieter CropX, an dem auch Bosch beteiligt ist. Foto: CropX

Die Crowdfunding-Plattform OurCrowd will das Geldsammeln für Gründer revolutionieren: Investments in Startups auf Augenhöhe mit den Profis ist das Rezept. Auch Bosch ist dabei.

Crowdfunding oder Crowdinvesting –  also das Geldsammeln per Internet – gilt bisher als kreatives Finanzierungsinstrument, bei dem bunte Startup-Ideen eine Chance bekommen. Hier gehen junge Unternehmen auf spezialisierten Finanzierungsplattformen ins Netz und werben bei Kleininvestoren um Kapital. Manchmal winkt für die von vorne herein nur das gute Gefühl, bei der Geburt einer interessanten Idee geholfen zu haben, manchmal auch eine satte Rendite.

Doch die israelische Plattform OurCrowd macht Crowdfunding zu einem Investmentvehikel, mit dessen Hilfe  solvente Privatleute auf Augenhöhe mit Firmen und großen Risikokapitalgebern direkt bei Startups in der Frühphase einsteigen können. Sie hat bisher nach eigenen Angaben weltweit in diesem Bereich des Crowdfunding 85 Prozent aller Gelder eingesammelt. 130 Unternehmen,  Beteiligte aus 110 Ländern, 450 Millionen Euro Investitionskapital sind bisher die Bilanz. Attraktiv ist die Tatsache, dass normale Anleger über OurCrowd im selben Boot sitzen mit Weltkonzernen  und Investoren-Legenden wie dem Ex-Google-Chef Eric Schmidt oder der Pay-Pal-Erfinder Peter Thiel.

Man kann zurzeit zum Beispiel parallel zu Bosch in das israelisch-amerikanische Startup CropX investieren. Es hat Sensoren und Software entwickelt, die präzise die Bewässerung von Feldern kalkulieren und per Smartphone überwachen lassen. Dass der Co-Investor OurCrowd das Geld  über Crowdfunding einsammelt, sei „ein sehr interessantes Konzept“, sagt ein Bosch-Sprecher. Für das eigene Investment bedeute das keinen Unterschied. Partner für Bosch sei OurCrowd und nicht der einzelnde Crowdfunding-Investor.

Die Börse hat für den OurCrowd-Gründer ausgedient

Der OurCrowd-Gründer Jon Medved glaubt, dass diese Art von „demokratischem Risikokapital“ wie er es nennt, von immer größerer Bedeutung sein wird. „Ich kann halt meine Vergangenheit an der Universität Berkeley nicht ablegen“, sagt er scherzhaft in Anspielung auf die in San Francisco gelegene Hochburg linken Denkens in den USA.

Wer heute noch glaube, am Aktienmarkt vom Technologie-Boom profitieren zu können, für den hat Jon Medved  ernüchternde Grafiken parat. Seit der Jahrtausendwende, beginnend mit Google, haben Direktinvestoren, die schon vor dem Börsengang einer Technologiefirma eingestiegen sind, fast den gesamten Wertzuwachs abkassiert.

Ob LinkedIn, Facebook oder Twitter – der Gewinn für die Aktionäre betrug teilweise nur einen Bruchteil des  Wertzuwachses, den die früher eingestiegenen Privatinvestoren erlebten.

Die Demokratie bei OurCrowd ist relativ

Der Begriff Demokratie ist allerdings relativ. Da die Geldanlage risikoreich ist, definiert in den meisten Ländern die Finanzaufsicht Mindestkriterien für die Mitgliedschaft in diesem Investorenclub. In Deutschland ist das ein frei verfügbares Mindestvermögen von 500 000 Euro und genügend Erfahrung mit riskanten Finanzinstrumenten. Eine Immobilie in diesem Wert bedeutet kein Eintrittsticket, sie gilt nicht als liquide. Zurzeit sind etwa 20 000 Investoren auf der Plattform zugelassen.

Danach ist der Mindesteinsatz in dem Investorenclub allerdings relativ moderat: Schon ab 10 000 Dollar ist man dabei. Wie auf jedem Crowdfunding-Portal gilt fürs Geldsammeln ein Zeitlimit und auf einem grafischen Balken auf der (natürlich passwortgeschützten) Internetseite kann man täglich verfolgen, wie viel Geld noch fehlt. Die Spannung, ob genügend Kapital zusammenkommt,  hält sich aber in Grenzen: Lediglich bei einem Startup sei jemals die Zielmarke nicht fristgerecht erreicht worden, sagt Medved.

OurCrowd weitet den exklusiven Startup-Investorenclub aus

OurCrowd sieht sich als Vehikel, um den heute exklusiven Investorenclub beim Thema Startups deutlich auszuweiten. In der Tat profitiert nur eine winzige Gruppe von Anlegern unmittelbar vom weltweiten Boom bei Technologie-Startups. Zwar gibt es auch in Baden-Württemberg Investorenzirkel. Doch die sind exklusiv und agieren meist sehr diskret. Und wer hier mitmacht, muss nicht nur mehr Kapital als bei Our Crowd, sondern auch Zeit und Expertise mitbringen.

Our Crowd will  für jeden wohlhabenden Bürger weltweit zugänglich sein. Im Gegensatz zur Beteiligung an einem Risikokapitalfonds kann man sich hier à la carte sein ganz persönliches Portfolio zusammenstellen – ein bisschen wie beim Aktienkauf an der Börse.  Die Vorauswahl und die Kooperation mit anderen institutionellen Investoren sollen die Gewähr bieten, dass nur seriöse Ideen eine Chance bekommen. Erst investiert OurCrowd das Geld, das er von institutionellen Partnern eingesammelt hat – dann wird das ganze für die „Crowd“ (wörtlich: Menge) geöffnet.

Allerdings bleibt es eine Geldanlage mit höherer Verlustgefahr als an der Börse. Die vermeintlich niedrige Mindestanlage  von 10 000 Dollar ist nur die halbe Realität: Wer in Startups investieren will, sollte seine Risiken möglichst breit streuen. Und da landet man am Ende dann doch schnell bei einem insgesamt sechsstelligen Betrag.

Kommentar: Wer profitiert vom Technologie-Boom?
Der wichtigste Aspekt beim Geschäftsmodell von OurCrowd ist nicht das System, wie hier übers Internet Geld eingesammelt wird. Das Crowdfunding-Konzept ist seit Jahren auch in Deutschland etabliert. Es ist ein Nischengeschäft, aber eines, das spannende Startup-Ideen ermöglicht.
Nein, das Konzept der israelischen Investoren wirft ein Schlaglicht auf ein fundamentales Problem des High-Tech-Booms: Die Gewinne daraus verteilen sich auch an den Finanzmärkten auf immer weniger Profiteure. Schon der Begriff Aktionärs-Demokratie ist eher eine Illusion – zu wenige Menschen insbesondere in Deutschland besitzten Aktien. Doch selbst Aktionäre sind hier vom Wertzuwachs zunehmend abgehängt.
Es ist ein großes Wort, das Geschäftsmodell, das OurCrowd praktiziert, nun gleich „demokratisch“ zu nennen. Im reichen Südwesten gäbe es sicher eine gewisse Gruppe, die hier sofort einsteigen könnte. Startup-Investmenst bleiben aber eine Geldanlage mit sehr hohem Risiko. Und es ist gut, dass der Gesetzgeber hier nicht alle Schleusen öffnet.
Dennoch ist die Frage, wie man mehr Menschen vom Reichtum profitieren lassen kann, den die Technologieentwicklung produziert, nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem.

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