Mobility-Startups aus Israel zieht es nach Stuttgart

Mobility-Startups aus IsraelAutos aus Israel - das gab es in der Tat einmal. Etwa dieses sportliche Vehikel. Foto: Autocars

In Ludwigsburg haben sich Mobility-Startups aus  Israel präsentiert – eine Premiere in der Region. Stuttgart gilt in Israel inzwischen als eine der wichtigsten Adressen für Kooperationen.

Israel und Autos? Das ist eine in  den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts kläglich zu Ende gegangene Geschichte. Wiebke Fischer, in München stationierte israelische Handelsbeauftragte, machte im Innovationszentrum Urban Harbor in Ludwigsburg auch nur noch einen Schlenker in diese Ende der fünfziger Jahre begonnene Geschichte mit so obskuren Modellen wie Carmel und Sabra. Die litten der Legende nach auch darunter, dass die dem DDR-Trabant ähnliche Karosserie aus Kunststoff angeblich den Kamelen zu gut schmeckte.

Doch seit etwa eineinhalb Jahrzehnten hat sich der Wind gedreht – wofür auch die Präsentationsveranstaltung in Ludwigsburg steht. Israel baut zwar schon lange keine Autos mehr, aber die technologischen Kompetenzen vor allem im IT- und Sicherheitsbereich passen perfekt zur Zukunft des Automobils, etwa beim autonomen Fahren. Im digitalen Zeitalter ist genau die Expertise und die Kreativität gefragt, die in Tel Aviv gedeiht, einem der größten Startup-Zentren der Welt.

Mobility-Startups aus Israel brauchen deutsche Partner

Erstmals haben sich israelische Unternehmen in einer eigenen Präsentationsveranstaltung vor einem Publikum aus der  der regionalen Automobilbranche, Zulieferern und Innovationsberatern gezeigt.  Mit einem Alter von deutlich unter zehn Jahren passten sie alle noch in die Kategorie Startup. Drei  typische Themen waren bei den Mobility-Startups aus Israel vertreten.

Allen voran die digitale Sicherheit, die im Zeitalter des vollelektronischen und vernetzten Autos immer wichtiger wird. Zweitens das Auto als Erlebnisraum, wo die Aufenthaltsqualität immer wichtiger wird – etwa Lärmdämmung und  Akustik. Und drittens die Elektromobilität, wo die Autoindustrie neues Knowhow braucht.  „Für die israelischen Unternehmen ist vor allem das Thema Skalierung interessant“, sagt Janka Krings-Klebe von der mitveranstaltenden Ludwigsburger Innovationsberatung Co-Shift.  In einem Land, das  gerade einmal so groß ist wie Hessen, braucht es große, internationale Partner, um den Weltmarkt erobern zu können.

Elektromotoren mit weniger Volt

Das Startup EVR Motors, zeigte dabei, dass  Israel dabei nicht auf IT-Technologie reduziert werden kann. Hier will man mit einer innovativen Motorenwicklung die  hohe Spannung von mehreren hundert Volt die es heute für Elektromotoren in E-Autos braucht, drastisch auf 48 Volt reduzieren. Das würde viele Probleme lösen: Es bedeutet weniger Gewicht, weniger Brandgefahr und auch noch eine leicht erhöhte Effizienz.

„Das schaffen wir, obwohl Elektromotoren schon heute als sehr effizient gelten“, sagte dessen Vertreter Ophir Mayer. Was erfahrene Ingenieure für unmöglich halten, wird in der israelischen Startup-Kultur  neu gedacht. Auf gewisse Weise ist es für die Israeli sogar von Vorteil, keine eigene Autobranche zu haben“, sagt Joachim Heinz von Co-Shift.

IT-Sicherheit – ans Auto angepasst

Rainer Witzgall, der für das Startup Karamba Security ein Hacker-Abwehrsystem präsentierte, zeigte ein durchaus ungewöhnliches Konzept: Eine selbstheilende Software, die selbst dann, wenn destruktiver Code ins System geraten ist der IT erlaubt, sich selbst wieder herzustellen. Zudem programmiert man  Abschottungsmechanismen, die es in einer ersten Abwehrlinie verhindern, dass Schadsoftware überhaupt eindringt.

Das alles funktioniere aber bei den besonderen Gegebenheiten des Autos anders als beim heimischen PC. Die Programme sind keine Standardsoftware, sondern stammen von Herstellen und Zulieferern. Und auch heute noch ist die Rechenkapazität in den Fahrzeugen begrenzt, sodass das Abwehrprogramm nicht zu viele Computerressourcen verbrauchen darf. Unausgesprochen schwingt hier mit, dass Israel allein schon aus strategischen Interessen höchstes Interesse daran hat beim Thema IT-Sicherheit Weltspitze zu sein.

Geräusche im Fahrzeug? Ein Innovationsthema

Das dritte Feld, das von einem Starup namens Silentium repräsentierte Feld der Autoakustik, hat es nun bereits zweimal aus Israel in die Startup Autobahn geschafft. Dies ist ein ursprünglich von Daimler lanciertes Stuttgarter Projekt, an dem inzwischens auch Porsche und andere Unternehmen nicht nur aus der Region teilnehmen. Dort werden systematisch Startups zu Pilotprojekten mit etablierten Firmen zusammengebracht. In der ersten Runde war ein Startup namens Noveto mit einer hochpräzisen Lautsprechertechnologie dabei.

Silentium, ebenfalls Teilnehmer der Startup Autobahn, hat ein System entwickelt, mit dem Man mithilfe des bereits im Auto verbauten Lautsprechersystems und cleverer Software dafür sorgen kann, dass die Autoinsassen sozusagen in ihrer eigenen akustischen Blase sitzen. Störende Geräusche werden weitgehend ausgeblendet, man kann seine Geräuschkulisse sozusagen individuell steuern und gestalten. Man könne als Alleinstellungsmerkmal auch Windgeräusche blockieren. Das sei zwar erst jenseits der 140 Stundenkilometer relevant, sagte  der Startup-Vertreter Ziv Hermon:  „Aber in Deutschland können Sie das ja gebrauchen.“

Startup Autobahn als Magnet

Daniel Dilger, seit einigen Wochen  Israel-Beauftragter der Startup-Autobahn, sieht  Stuttgart als Mekka für israelische Startups, wenn es darum geht, Pilotprojekte im Autobau anzupacken.  Einerseits verlagerten zwar  deutsche Konzerne wie Daimler im vergangenen Jahr und VW erst vor wenigen Wochen Forschungslabors nach Israel. Doch wenn es um Pilotprojekt gehe, spiele die Musik immer noch dort, wo die Autos auch produziert werden. „Hier sind die Entscheidungsträger“, sagt Dilger. Hier könne Stuttgart auch dem Silicon Valley und Tel Aviv Paroli bieten.

Nicht unbedingt gleich als Standort für die Firmen. Wenn es aber darum gehe aus Technologiekonzepten massentaugliche Produkte zu machen, sei die Region enorm attraktiv. Ein Dutzend Mobility-Startups aus Israel waren seit 2016 im Rahmen der Startup Autobahn bereits in Stuttgart. Einen kulturellen Ratschlag hat Dilger: „Israelische Startups machen enormen Druck.“ Aufgeben sei keine Option. „Selbst nach einer Absage bekommen sie immer noch eine E-Mail oder einen Anruf, ob man es nicht doch noch probieren wolle?“

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