Mittelständler punktet als Roboter-Entwickler

Roboter-EntwicklerDer Mittelständler Keusch aus Deizisau hat sich in den vergangenen Jahren zum Roboter-Spezialisten entwickelt. Foto: Keusch

Der Protoypenbauer Keusch in Deizisau wird zum Roboter-Entwickler. Und auch die Tatsache, dass bei dem Mittelständler Vater und Tochter an einem Strang ziehen, bringt den „Hidden Champion“ voran.

Das Unternehmen aus Deizisau bei Esslingen hat schon so manches hergestellt. Sein erstes Produkt war eine elastische Feder, um Eisenbahnschienen an den Schwellen zu verspannen. Jetzt wird gerade an einem Gerät zur Messung von Feinstaub getüftelt. Keusch entwickelt die Produkte und baut auch Prototypen. In Serie gehen sie dann aber bei den Kunden.


Der entscheidende Durchbruch für das 1981 von Siegfried Keusch in einer Plochinger Garage gegründete Unternehmen kam erst vor wenigen Jahren. „Traut ihr euch zu, einen Roboter zu entwickeln“, fragte damals ein Kunde. Keusch traute sich, seit 2016 gibt es den neuen Unternehmensbereich Robotertechnik. „2017 kam der erste offizielle Marktauftritt auf der Motek“, berichtet Siegfried Keusch, der im Unternehmen für alles rund um die Technik verantwortlich ist. Was man als Roboter-Entwickler auf der Stuttgarter Fachmesse für Automatisierungstechnik vorstellte, war aber keiner dieser riesigen stählernen Gesellen, wie sie etwa der Augsburger Roboterhersteller Kuka baut.

Der Roboter darf höchstens 10 000 Euro kosten


Das Unternehmen aus Deizisau präsentierte einen kleinen Leichtbauroboter, für den nicht nur technische sondern auch betriebswirtschaftliche Vorgaben galten: „Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, dass der Roboter nicht mehr als 10 000 Euro kosten darf“, erzählt Keusch, „und es sollte von der Qualität her trotzdem ‚Made in Germany‘ sein“. Besonders teuer durfte der Roboter schon deshalb nicht werden, weil die Technikschmiede als Kunden kleinere und mittlere Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen im Visier hat. Anders als früher und auch anders als noch heute bei manchen Geschäften, darf beim Verkauf der kleinen Helfer der Name Keusch auf dem Produkt stehen.

Keusch hat einst seinen Namen sparsam verwendet


Schon bei seinen früheren Arbeitgebern war der Unternehmensgründer stets in der Entwicklung tätig, „bis ich sagte, jetzt mach ich mich selbstständig, dann schwätzt mir keiner rein“. Dass das auch schiefgehen könnte, daran hat Keusch offenbar nie gedacht: „Der Wunsch, Unternehmer zu werden war stärker als alle Bedenken“. Und außerdem hatte der Gründer stets gute Verbindungen. Das Wort vom „ehrbaren Kaufmann“, das er gerne verwendet, war für ihn nie nur eine Redensart, sondern geradezu Geschäftsgrundlage: „Man hat mir immer vertraut“.


„Wir sind schon sehr hidden“, sagt Siegfried Keusch zur nicht gerade großen Bekanntheit des Unternehmens. Dazu, dass die Deizisauer eher im Verborgenen arbeiten trägt auch bei, was schon nach der Gründung als Ingenieurbüro galt: Keusch stand nie auf den Produkten und Komponenten, die das Unternehmen entwickelte. Hatte man einen Auftrag, gingen sogar die dafür erworbenen Patente in den Besitz des Kunden über. Früher wurden Elektrowerkzeuge ebenso entworfen wie Gartengeräte oder Büromöbel. Davon hat sich das Unternehme verabschiedet, man ist heute nicht nur Roboter-Entwickler, sondern konzipiert auch Beschläge oder Komponenten für die Montagetechnik.

Der Roboter-Entwickler nennt Festpreise


Dazu trägt wohl auch bei, dass Entwicklungen etwa von Prototypen für die Kunden „seit 25 Jahren zum Festpreis angeboten werden“, wie Siegfried Keusch sagt, „das ist in der Branche nicht üblich“. Der Einsatz computergesteuerter Maschinen, Zeichnungen am Bildschirm, der Aufbau eines eigenen Messlabors waren wichtige Schritte und manchmal sogar „eine Frage von Sein oder Nichtsein“, wie der Absolvent eines Maschinenbaustudiums an der Universität Stuttgart rückblickend feststellt.


Doch all das hätte wohl den Bestand des Unternehmens nicht gesichert – zumindest nicht in der Hand der Familie. Irgendwann hätte der Gründer aufgehört, der bis heute noch Geschäftsführer ist.


Doch er hatte Glück: „Für mich war immer klar, dass ich in die Firma gehe“, sagt Petra Keusch, „ich bin mit dem Unternehmen groß geworden“. Seit 1988 ist die Tochter mit von der Partie, als Geschäftsführerin kümmert sie sich „um alles, was nicht technisch ist.“ Und die Chemie zwischen Vater und Tochter stimmt offenbar auch. „Wir sind ein super Team“, meint Petra Keusch. Etwa die Hälfte der heute 20 Mitarbeiter arbeiten als Roboter-Entwickler, die übrigen entwickeln anderes – etwa für Flugzeugausrüster Prototypen für das Interieur von Flugzeugen. Mehr wird nicht verraten. Auch hier sagt Siegfried Keusch wieder einmal: „Wir sind schon sehr hidden“. Das gilt auch für den Umsatz, der im einstelligen Millionenbereich liegt.


„Langsam und gesund wachsen“, lautet das Motto bei Keusch. Das kann durchaus Vorteile haben: „Wir mussten noch nie jemand entlassen“, erzählt der Geschäftsführer, „in fünf Jahren werden wir wohl 30 Mitarbeiter haben“. Und auch finanziell geht es der Firma mit diesem Motto offenbar gut: „Wir brauchen keine Bank“, meint die Geschäftsführerin. Aus dem Bürofenster blickt man auf eine grüne Rasenfläche – Keusch hat auch noch etwas Platz für einen Ausbau.

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