Mehr Spirit – Kretschmann und Startups

Kretschmann und StartupsBeim Gründerfrühstück hatten Startups für den Ministerpräsidenten (rechts) ein paar Hausaufgaben. Foto: Lichtgut/Zweygarth

Kretschmann und Startups – der baden-württembergische Ministerpräsident hat sich in Stuttgart den Fragen von Gründern gestellt. Fazit: Hochschulen sind der Schlüssel. Und der Staat selber ist nur schwer beweglich.

Bekommt Bundeskanzlerin Angela Merkel bald einen Anruf von Winfried Kretschmann zum Thema Startup-Förderung? Als der baden-württembergische Ministerpräsident beim Gründerfrühstück von Get Started, der Startup-Initiative des IT-Branchenverbandes Bitkom und des Stuttgarter IT-Dienstleisters GFT, auf das Thema Bürokratie angesprochen wurde, erinnerte der Grüne an die verpasste Jamaika-Koalition.

„Wir hatten da maximale Bürokratiefreiheit für Startups in den ersten zwei Jahren schon vereinbart. Das war Konsens“, sagte Kretschmann. Aber ob das in den jetzigen Sondierungsverhandlungen zur Großen Koalition noch drinstehe? „Ich nehme das mal auf und werde das über meine Kanäle einspeisen.“

Kretschmann: Firmen im Land sind hungrig nach Kooperation

Kretschmann und Startups, das ist inzwischen fast Routine. Bevor der Ministerpräsident sich den Fragen der Gründer-Basis stellte,  stimmte er das Loblied auf Baden-Württemberg an: „Berlin hat den Hype – wir haben die Substanz“. Im Land würden  Gründer mit guten Ideen mehr als anderswo auf potente Firmen stoßen, die „hungrig nach einer Zusammenarbeit mit Startups seien“. Allerdings stand im Startup-Monitor 2017 des Bundesverbands Deutsche Startups für die Politik der Landesregierung nur eine Drei minus. Das war immerhin eine halbe Note besser als im Vorjahr.

Kretschmann zählte allerdings eine ganze Reihe von aktuellen Initiativen der Landesregierung auf. Auf einem Startup-Gipfel in Stuttgart habe man neun Gründerregionen im Land vernetzt. Sechs neue Beschleunigungsprogramme für Startups in einem frühen Stadium seien an verschiedenen Standorten im Land geplant. Zusätzlich wolle man aktuell für die heikle Frühphase von Gründungen ein Finanzierungsmodell aus Israel kopieren. Es gebe zudem einen neuen Risikokapitalfonds des Landes mit einem  Gesamtvolumen von  50 Millionen Euro, einschließlich des Kapitals privater Investoren.

Am Geld liegt es nach Meinung Kretschmanns jedenfalls nicht. Man wolle beispielsweise aus Landesmitteln 210 Millionen Euro in ein modernes Glasfasernetz investieren: „Aber auch der Bund muss da richtig drauflegen.“ Insgesamt investiere man eine  Milliarde in die ganze digitale Agenda. „Das ist etwa fünfmal so viel wie ursprünglich geplant!“

Neue Innovationsschwerpunkte an Hochschulen

Inbesondere auch die Hochschulen im Land seien  im Blick, sagte Kretschmann: „Auch das Silicon Valley hätte es ohne die Universität Stanford nicht gegeben.“ Nach dem in  Tübingen bereits gestarteten Projekt Cyber Valley, das der führende europäische Entwicklungsstandort für Künstliche Intelligenz werden soll und das schon Amazon und Facebook angelockt hat, sollen zwei weitere „Innovations-Valleys“ entstehen.

Sie würden angedockt an die Hochschulen in Heidelberg (Medizintechnik) und Stuttgart (Mobilität). „Wir haben 70 Hochschulen, da müssen wir etwas machen, damit es dort auch eine Ausgründungskultur gibt,“ sagte Kretschmann.

Startups wollen besseres Feedback bei der Förderung

Doch da hatten  die zwei Startup-Diskussionpartner auf dem Podium, die Ausgründungen aus der Universität Tübingen beziehungsweise Freiburg repräsentierten, ganz praktische Vorschläge. Das Landesprogramm „Junge Innovatoren“, das solche Gründungen fördere, sei schwer zu bekommen, sagten sie unisono. Das liege daran, dass nur sehr wenige Teams gefördert werden können, hatte zuvor schon aus dem Publikum Edith Schmitt, die  Leiterin der Technologie-Transfer-Initiative (TTI) der Universität Stuttgart bemängelt.

„Ich weiß als Startup-Teilnehmer nicht, wer in der Jury sitzt“, sagte Sebastian Wagner, Gründer von Geospin aus Freiburg, einem Startup, das präzise Geodaten etwa für Carsharing-Betreiber liefert.  Er habe nichts gegen Professoren darin, aber vielleicht sollten auch Praktiker repräsentiert sein? Doch genauso gleichlautend  beklagten beide das fehlende Feedback zu den Gründen der Entscheidung.

„Man bekommt nur einen Brief, dass man abgelehnt wurde“, sagte Caroline Dabels, Gründerin von AmbiGate aus Tübingen, ein Spezialist für Bewegungssensorik, der etwa Produkte zur Gesundheitsförderung anbietet: „Es ist völlig intransparent, was man vielleicht besser machen könnte“. Das Bundesverkehrsministerium eines Alexander Dobrindt (CSU) habe dies bei einem Förderprogramm zum Thema Innovation deutlich unbürokratischer  und transparenter hinbekommen, sagte Wagner.

Kretschmann und Startups: Dem Staat fehlt noch der Spirit

Auch so  etwas gehört nach Ansicht der Gründer zum gründerfreundlichen Spirit, den Kretschmann sich nach eigener Aussage vom Silicon Valley und Israel abschauen will. Doch als er von einem Gründer aus dem Publikum darauf angesprochen wurde, wie der auch vom Ministerpräsidenten  propagierte, offenere Umgang mit dem Scheitern auch an den Schulen des Landes etabliert werden könne, sah Kretschmann über die Etablierung des Faches Wirtschaft hinaus zunächst keinen Handlungsbedarf. „Das ist eine Generationenfrage. Das kommt mit den jüngeren Lehrern an die Schulen.“

„Könnten nicht einfach auch einmal staatliche Institutionen Startup-Produkte ausprobieren?“, fragte die AmbiGate-Gründerin Dabels. „Ja, es stimmt, wir arbeiten viel zu wenig mit Startups zusammen. Bis das aber mal in der Verwaltung klappt, bin ich nicht mehr im Amt,“ antwortete der Ministerpräsident. Verwaltungsstrukturen seien eben extrem konservativ. „Bevor wir darüber auch nur reden können, müssen wir uns erstmal überhaupt selber digitalisieren.“ Kretschmann und Startups – das sind immer noch auch Vertreter unterschiedlicher Welten.

Noch mehr Innovationen...

Ein Gedanke zu “Mehr Spirit – Kretschmann und Startups”

  1. Martin Allmendinger sagt:

    „Ich weiß als Startup-Teilnehmer nicht, wer in der Jury sitzt“

    „Man bekommt nur einen Brief, dass man abgelehnt wurde“

    Bitter, dass sich seit 2013 bzgl. dem Programm Junge Innovatoren nicht viel verändert hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*


*

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER