Lilium will das Tesla der Luftfahrt werden

LiliumLufttaxis vor der New Yorker Skyline - stellt sich Lilium die Zukunft vor. Abb: Lilium

Ein kleines Startup aus Bayern möchte den Personentransport revolutionieren. Für den US-Konzern Uber will Lilium elektrische Flugtaxis bauen und plant dazu eine Fabrik. Bis zum Abheben dürfen noch Jahre vergehen.

Fliegende Taxis sind spätestens seit dem Kultfilm „Das fünfte Element“ mit Schauspieler Bruce Willis am Steuer ein Begriff. Abseits von Science Fiction basteln aber heutzutage mindestens ein Dutzend Firmen an dieser Technologie und wenn das Startup Lilium in Gilching bei München nicht flunkert, hat es dabei die Nase vorn.
Auf einem Flugfeld im schwäbischen Mindelheim hat der Lilium Jet jedenfalls vor wenigen Tagen zum Jungfernflug abgehoben, senkrecht und elektrisch, was jeder per Video im Internet nachvollziehen kann. „Wir haben einige der schwierigsten technischen Herausforderungen der Luftfahrt gelöst, um zu diesem Punkt zu kommen“, sagt Lilium-Mitgründer Daniel Wiegand.

Erster unbemannter Testflug

Zusammen mit drei anderen Absolventen der Technischen Universität München hat der Luftfahrtingenieur 2015 Lilium gegründet und kann bereits zwei Jahre später ein Flugobjekt vorweisen. Noch war der Erstflug unbemannt und ferngesteuert. Aber der Tesla der Lüfte ist bereits problemlos vom Steig- in den Gleitflug übergegangen und hat einige Manöver in der Luft ausgeführt, die Hoffnung machen. Das findet auch Investor Frank Thelen, der einem TV-Publikum durch die Gründer-Show „Höhle der Löwen“ bekannt ist und bereits in erfolgreiche Projekte wie die App Mytaxi investiert hat.
Flugtaxis sind allerdings eine andere Größenordnung. „Lilium ist der Privatjet für Jedermann“, sagt Thelen. Eigentlich habe anfangs alles gegen die Idee gesprochen, weil bislang alle von Privatpersonen finanzierten Versuche, ein Flugzeug zu bauen, gescheitert sind. Aber nun habe mit dem Lilium Jet der erste vollelektrische Senkrechtstarter abgehoben.

Lilium hat hochfliegende Pläne

Die Pläne könnten hochfliegender kaum sein. Soeben hat der US-Fahrdienstanbieter Uber für 2020 erste Testflüge mit Flugtaxis angekündigt. Ein Lieferant dafür will Lilium sein. „Wir sind die einzigen die haben, was Uber will“, meint Thelen selbstbewusst. Man suche in Bayern bereits mit politischer Unterstützung einen Produktionsstandort, sagt der Bonner Investor. Zusammen mit dem Co-Gründer von Skype, Niklas Zennström, hat er bereits gut zehn Millionen Euro in Lilium gesteckt. Angepeilt werde eine Flugtaxi-Fabrik für mehrere tausend Elektrojets jährlich, was weitere Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe erfordere. Wegen dieser Dimension brauche es dazu andere Finanzpartner als ihn und Zennström.

Erster bemannter Flug für 2019 geplant

Den ersten bemannten Flug peilt Lilium für 2019 an. Ein Jahr später soll der Jet dann zur Weltausstellung Expo in Dubai erstmals öffentlich vorgeführt werden, weil es dort in puncto Zertifizierung und Zulassung unkomplizierter als hier zu Lande zugehe. 2023 will Uber dann im texanischen Dallas regulär Lufttaxis einführen. 2025 könnte es dann in Europa so weit sein, was aber nicht technologisch sondern behördlich bedingt ist, sagt Thelen. „Bei Flugtaxis haben diesmal wir Deutschen technologisch die Nase vorn“, meint er mit Blick auf moderne Errungenschaften wie soziale Netzwerke oder Internet-Suchmaschinen, wo das nicht so war.

Warnung vor überfülltem Luftraum

Luftfahrtexperten, die vor einem mit Drohnen für den Warentransport und Flugtaxis gefährlich überfüllten Luftraum hier zu Lande warnen, nennt der Bonner schlicht Bedenkenträger. „Wir haben genug Platz dort oben, viel mehr als unten auf den Straßen“, sagt er. Ansprechen soll der einmal fünfsitzige Elektrojet primär Berufspendler und fliegen als tägliches Transportmittel für jeden erschwinglich machen. Es gelte dem täglichen Stau in dicht besiedelten Gebieten zu entgehen und die Straßen mit einem schadstofffreien Verkehrsmittel zu entlasten.
An Privatpersonen verkaufen wolle man die Elektrojets zumindest anfangs nicht, weil der Taxi-Betrieb und eine möglichst große Breitenwirkung im Vordergrund stünden. Auch Erfinder Wiegand steht voll hinter seiner Idee. Mit dem bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnellen Jet sei man fünfmal fixer unterwegs als per Auto, sagt er. Historisch vergleichbar sei das mit dem Umstieg vom Fahrrad aufs Automobil.

Kostengünstige Technik

Sein technologischer Ansatz sei dabei auch sehr kostengünstig vor allem im Vergleich zu Konkurrenzideen, die auf rotorenbasierte Drohnentechnologie setzen. Der Lilium Jet verbrauche 90 Prozent weniger Energie als diese und nicht mehr Strom pro Kilometer als ein Elektroauto. Das Preisbeispiel auf der Internetseite von Lilium sei jedenfalls ernst gemeint. Dort wird eine herkömmliche Taxifahrt vom New Yorker JFK-Flughafen nach Manhattan mit einem Lilium-Taxiflug verglichen. Ersterer koste heute zwischen 56 und 73 Dollar bei rund 55 Minuten Fahrzeit. Für Lilium kalkuliert sein Schöpfer mit anfangs 36 Dollar, die rasch auf 13 Dollar fallen sollen und auf lange Sicht sogar nur noch sechs Dollar bei fünf Minuten Flugzeit, buchbar per App am Smartphone.

Welches Konzept verfolgt Lilium?
Der Name Lilium spielt auf den deutschen Luftfahrtpionier Otto Lilienthal an. Das gleichnamige Startup wurde 2015 von vier Studenten gegründet, um ein senkrecht startendes Ultraleichtflugzeug mit Elektroantrieb zu entwickeln. Der heutige Prototyp ist ein Zweisitzer mit 36 elektrischen Jet-Turbinen, die in schwenkbaren Flügelklappen sitzen und etwa so laut sind wie ein Porsche Turbo, also deutlich leiser als etwa ein Hubschrauber. Ein Lilium Jet soll einmal eine sechsstellige Summe kosten.
Zum Start werden die Klappen nach unten gerichtet. In der Luft bewegen sie sich zum Vorwärtsschub langsam in eine horizontale Position. Der Elektroflieger kann so bis zu 300 Stundenkilometer schnell werden und hat eine Reichweite von über 300 Kilometern. Das ist Drohnentechnologie überlegen. Einzelne Motoren oder Teile der Batterie können ausfallen, ohne dass das Flugtaxi abstürzt, versprechen die Erfinder. Zum Starten und Landen reicht ein offener Platz oder das Flachdach eines Gebäudes.

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