Land kombiniert Crowdfunding und Kredite

Crowdfunding; L-Bank Startup-KrediteAuf www.mikrocrowd.de können nun Startups in der Frühphase Geld sammeln. Screenshot: IdeenwerkBW

Die neue  Internet-Plattform Mikrocrowd.de kombiniert Crowdfunding mit Förderkrediten und ist Teil der  Gründeroffensive von Baden-Württemberg. Bis zu 20000 Euro Startkapital können so auch für kleine Startups  in der Frühphase zusammenkommen.

Geld von ganz normalen Bürgern,  gekoppelt mit einem Kredit des landeseigenen Förderinstituts L-Bank – das ist das bundesweit einmalige  Konzept, das  kleinen Gründern im Land den Start erleichtern soll. Die L-Bank, die Förderbank des Landes Baden-Württemberg bietet jetzt eine Plattform  namens www.mikrocrowd.de an. Dort können Gründer im Internet zunächst bei Kleinanlegern  um Geld werben. Wenn sie das erfolgreich getan haben, erhalten sie  einen ergänzenden Förderkredit. Das Land kooperiert dabei mit der kommerziellen Plattform Startnext, die Erfahrungen mit dieser Crowdfunding genannten Form des Geldeinsammelns hat.
Innerhalb eines festgelegten Zeitlimits müssen die Gründer Interessenten finden, die Geld in ihr Vorhaben stecken.  Dies können auch kleine Beträge sein. Zudem muss eine je nach Projekt unterschiedliche   Mindestanzahl von Geldgebern beteiligt sein.  Entlohnt werden diese Geldgeber nicht mit einer Kapitalrendite, sondern  mit Rabatten oder anderen exklusiven Deals für die künftigen Produkte.  Sie agieren  also eigentlich nicht als Investoren, sondern als Erstkunden – und damit  als  Tester für die Marktfähigkeit der Idee.  Das macht  die rechtlichen Rahmenbedingungen einfacher, weil das Ganze nicht als Geldanlage gilt. „Sie werden dort einsteigen, wenn ihnen die entsprechenden Projekte am Herzen liegen“, sagte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut: „Es ist letztlich eine Vorfinanzierung der Produktion und des Produkts.“

Der Förderkredit entspricht dem Crowdfunding-Betrag

Die L-Bank vergibt dann einen  ergänzenden Förderkredit bis maximal 10 000 Euro und schießt dabei dem per Crowdfunding gesammelten Geld noch einmal denselben Betrag zu.  „Das Besondere ist, dass die gesammelten Gelder kein Eigenkapital sind, aber dass sie für die Vergabe des Kredits so behandelt werden“, sagte  Hoffmeister-Kraut bei der Vorstellung des Programms. Die Unternehmer müssen allerdings, da es sich um eine Landesförderung handelt, ihren Standort in Baden-Württemberg haben oder  ihn dorthin verlegen.
Dadurch dass etwa Gründerberater an der Auswahl der Startups für die Plattformen beteiligt seien, bedeute dies für die Geldgeber  ein Investieren mit Gütesiegel.  Jedes Startup werde  begleitend beraten.  „So ist gewährleistet, dass es die versprochenen  Produkte auch irgendwann einmal gibt“, sagte die Wirtschaftsministerin. Wenn die Mindestsumme im Crowdfunding nicht zusammenkomme, werde das Geld selbstverständlich zurückgezahlt.

Lückenschluss im Förderprogramm

Mit dem Programm will das Ministerium eine Lücke bei Geschäftsideen schließen, die bisher keine Chance auf einen regulären Bankkredit hatten. „An dieser Stelle versagt der Markt“, sagte die Ministerin: „Im  Jahr 2016 ist die Zahl solcher Kleingründungen um 12,8 Prozent zurückgegangen.“ Die Mikrokreditfinanzierung sei als ein erster Baustein gedacht: „Wir wollen die Gründer zu dem Punkt bringen, wo sie dann tatsächlich Erstinvestoren finden können.“  Das relativ geringe Finanzierungsvolumen dürfte sich eher für clevere, aber mit wenig Aufwand umsetzbare  Geschäftsideen  wie Apps eignen  als für Technologieentwicklung. Dort  benötigen oft  bereits die ersten Prototypen deutlich höhere  Finanzmittel. Die Ministerin charakterisierte das Projekt ausdrücklich auch als Beitrag  für ein besseres Image des Landes als Standort für kreative Startups.

Land plant Startup-Offensive

Das Projekt ist Teil einer umfassenderen Offensive der Landesregierung, die den regional zersplitterten Startup-Standort besser bekannt machen soll. Mitte Juli soll dafür ein großer  Startup-Gipfel in Stuttgart veranstaltet werden. Auch beim Thema Risikokapital, bei dem es um deutlich höhere Summen geht,  will das Land mit einem flexibler als bisher gestalteten Fonds neue Wege gehen.  Man hoffe, dieses neue Konzept noch vor der Sommerpause vorlegen zu können, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Gespräch mit unserer Zeitung.
„Es geht auch um die Akquise von privatem Kapital. Vor allem geht es darum, den Fonds so zu organisieren, dass die Mittel auch wirklich in Anspruch genommen werden können“, sagte Kretschmann. Dafür müssten noch einige Fragen geklärt und auch konkrete  Felder festgelegt werden: „Investitionen im Medizinbereich beispielsweise sind extrem riskant. Gleichzeitig ist dieser Bereich aber auch besonders wichtig.“
Mit einem Volumen von fünf Millionen Euro aus Landesmitteln, die insgesamt Kapital von rund 50 Millionen Euro mobilisieren sollen, ist der Fonds allerdings kleiner als die ursprünglichen Wünsche aus dem Wirtschaftsministerium.

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