KREATIZEGründer Simon Tüchelmann (links) hat den Ehrgeiz, das Verb "kreatizen" einmal im Sprachgebrauch zu verankern. Foto: KREATIZE

Ende September findet in Karlsruhe das CODE_n new.New Festival statt – initiiert vom Stuttgarter IT-Dienstleister GFT Technologies.  Interviews mit den Finalisten des Startup-Wettbewerbs gibt es hier. Heute: KREATIZE aus Tübingen. 

KREATIZE ermöglicht Unternehmen mit Hilfe eines intelligenten Fertigungs-Netzwerks die perfekte Kombination aus Anbieter, Preis, Verfahren und Lieferzeit für Bauteile jeglicher Art zu finden. Vom Modell über die Bestellung bis zur Lieferung – alles online-basiert – in nur vier Schritten. Unter den 385 Bewerbungen des diesjährigen CODE_n Startup-Wettbewerbs hat es das Tübinger Unternehmen unter die Top 52 Finalisten geschafft und wird im September beim CODE_n new.New Festival im Cluster „Connected Mobility“ mit dabei sein, das Hewlett Packard Enterprise als Pate unterstützt. Simon Tüchelmann, Gründer von KREATIZE, ist überzeugt davon, die Art und Weise, wie Produkte bestellt und hergestellt werden, maßgeblich verbessern zu können. Wie? Das verrät er im Gespräch mit Anja Ebert von CODE_n.

Wie würdest Du Dein Startup in einem Satz – mit maximal zehn Wörtern – beschreiben?
KREATIZE ist die digitale Lösung um technische Bauteile in hoher Qualität, schnell und einfach zu realisieren.

Ihr habt ein großes Ziel vor Augen: Ihr möchtet Euren Kunden ermöglichen – durch ein 3D-CAD-Modell oder eine Zeichnung – einfach, schnell und sicher Sonderteile zu bestellen. Wie können wir uns das konkret vorstellen?
KREATIZE unterstützt Unternehmen mit seinem intelligenten Matching-Algorithmus. Auf Grundlage von CAD-Dateien (3D-Modell des technischen Bauteils) finden wir nicht nur das passende Fertigungsverfahren und den besten Werkstoff, sondern auch den besten Fertigungspartner für unsere Kunden – vollautomatisiert! Dabei lernt unser Algorithmus von Anfrage zu Anfrage. Er wird quasi immer intelligenter, so dass wir unseren Kunden noch bessere Produktionsoptionen und unseren Fertigungsanbietern noch hochwertigere Anfragen anbieten können – eine klassische Win-Win-Situation.

Und wie kann man sich den Ablauf vorstellen?
Der ist schnell und einfach.

  1. Das CAD-Modell wird auf unsere sicheren Server hochgeladen, mit dem Upload tritt automatisch unsere Geheimhaltungsvereinbarung in Kraft, so dass unsere Kunden keine Angst vor unrechtmäßiger Verwendung ihres Know-hows fürchten müssen.
  2. Anschließend kann der Kunde seine Suchkriterien (Lieferzeit und -ort, Materialpräferenzen, etc.) auswählen.
  3. Auf dieser Grundlage können wir dann die passenden Fertigungsverfahren und Fertigungspartner vorschlagen. Auf der Grundlage eines aussagekräftigen Profils aller KREATIZE-Fertigungspartner kann sich der Kunde über die Anbieter informieren und den aus seiner Sicht besten Produzenten auswählen.
  4. Wenn alles ausgewählt ist, kann der Kunde ganz einfach und sicher online bestellen, bezahlen sowie jederzeit den Status seines Auftrags verfolgen – oder bei Fragen einfach direkt Kontakt mit dem Produktionspartner aufnehmen.

Auch größere Projekte mit mehreren Bauteilen, unterschiedlichen Materialien, Fertigungsverfahren und Fertigungspartnern können ebenfalls problemlos über KREATIZE abgewickelt werden – ohne dabei den Überblick über das Projekt zu verlieren.

Und wer kauft Euer Produkt, welche Zielgruppe sprecht Ihr an?
Unsere Lösungen richten sich an zwei Zielgruppen: Zum einen unterstützen wir Unternehmen dabei, schneller und einfacher Prototypen für Bauteile sowie Kleinserien zu realisieren und damit die Produktentwicklung zu beschleunigen. Unsere Kunden kommen vorwiegend aus den Bereichen Automotive, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie aus dem Maschinenbau.
Zum anderen bieten wir Fertigungsdienstleistern eine globale Plattform, auf der sie neue Kundengruppen erschließen, ihre Fertigung besser auslasten und über digitale Tools wie Sofort-Online-Angebote, CRM oder Produktionsplanung effizienter und erfolgreicher agieren können.

Das hört sich komplex an. Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Ihr aktuell?
Wir befinden uns derzeit in der Beta-Phase, in der wir mit zehn motivierten und talentierten Köpfen alles daran setzen, unser Produkt weiter zu entwickeln und zu verbessern. Darüber hinaus sind wir im Augenblick auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern in den Bereichen Software-Entwicklung, Graphik-/Web-Design und Business Development.

Der Algorithmus von KREATIZE lernt stetig dazu

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Ihr stellt also auch fleißig ein. Wo seht Ihr Euch denn in fünf Jahren?
In fünf Jahren wird unser intelligenter Matching-Algorithmus viel gelernt und Kunden sowie Fertigungsdienstleistern weltweit dabei geholfen haben, großartige Produkte zu verwirklichen. KREATIZE wird dann die One-Stop-Plattform fürs Supply-Chain-Management im Bereich von Sonderteilen (Custom Parts) sein, auf der Kunden und Lieferanten jederzeit sicher Informationen austauschen, Anfragen, Angebote und Bestellung platzieren und sich über die neusten Fertigungsverfahren und Materialien informieren und austauschen können.
Und wer weiß, vielleicht wird das Wort kreatizen eines Tages für die einfache Realisierung von technischen Bauteilen stehen, ähnlich wie bei googlen. (lacht)

Das nenne ich mal Motivation! Was hat Euch dazu inspiriert, die Firma zu gründen?
Seit fast vier Jahren führe ich ein Fertigungsdienstleistungsunternehmen im Bereich Stahlfeinguss. Dabei sind mir die enormen Transaktionskosten, die mit der Realisierung von individuellen, technischen Bauteilen verbunden sind, aufgefallen. Die Suche nach dem passenden Fertigungsverfahren, dem passenden Material und verlässlichen Fertigungsdienstleistern mit wettbewerbsfähigen Preisen ist sehr aufwendig und mühsam. Am Ende leidet entweder das Budget, der Termin oder das Endprodukt, weil man zu viele Kompromisse eingehen musste.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit, diese Transaktionskosten zu reduzieren, kam die Idee für den KREATIZE® Smart Project Realizer – einem intelligenten Algorithmus, der in der Lage ist, für ein spezifisches, technisches Bauteil eines Kunden, das passende Fertigungsverfahren und Material sowie den richtigen Fertigungsdienstleister zu bestimmen.

Welche Idee steckt denn hinter Eurem Namen?
KREATIZE ist ein Kunstwort und setzt sich aus zwei englischen Begriffen zusammen, die für uns von zentraler Bedeutung sind: create und realize. Unsere deutschen Wurzeln wollten wir bei der Namensgebung aber nicht ganz außer Acht lassen, deswegen haben wir aus dem C ein K gemacht – so einfach geht das als Jungunternehmer. (lacht)

Wo sitzt Ihr und warum habt Ihr Euch für diesen Standort entschieden?
Momentan haben wir zwei Standorte: Tübingen und Berlin. Berlin entwickeln wir unsere Software-Lösungen und von Tübingen aus betreuen wir unsere Kunden und Fertigungspartner. Wir sind richtig froh, diese beiden Standorte zu haben, denn die Kombination aus der dynamischen Berliner Startup-Szene sowie der Innovationskraft und Professionalität aus dem „Ländle“ möchten wir gerne als Teil unserer Firmenkultur etablieren.

Wir drücken Euch die Daumen, Simon. Vielen Dank für die spannenden Einblicke.

 


Simon Tüchelmann_Kreatize Der Profilbogen

Mein Name ist Simon Tüchelmann, Gründer von KREATIZE.

Ich bin aktuell 27 Jahre alt.

Der Morgen beginnt üblicherweise mit einem schwarzen Kaffee und vielen Ideen, die auf ihre Umsetzung warten.

Inspirationen hole ich mir beim Lesen von Büchern – vor allem über spannende Unternehmertypen und ihre Firmen.

Mein Arbeitstag hat in der Regel 10 bis 12 Stunden.

Abschalten kann ich am besten beim High-Intensity-Training oder Kitesurfen.

Gelernt habe ich definitiv noch nicht genug… 😉

Ich bin Unternehmer, weil man im eigenen Unternehmen schneller und besser Ideen verwirklichen kann.

Mein Traum ist es die Vision von KREATIZE umzusetzen, also Wertschöpfungsketten durch digitale Lösungen effizienter und nachhaltiger zu gestalten und damit bessere Produkte für Menschen und Umwelt zu kreieren.

Wenn ich nicht arbeite, findet man mich hier: An einem schönen Platz in der Sonne!

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