Grundeinkommen für Gründer – ein Modell?

Grundeinkommen für GründerIst das Förderkonzept in Baden-Württemberg Gründern genügend auf den Leib geschnitten? Foto: Pixabay/Alexas Fotos/CC0

Nordrhein-Westfalen will Gründern für ein Jahr 1000 Euro im Monat garantieren. Das unbürokratisch vergebene Grundeinkommen für Gründer soll Freiräume schaffen, um  Geschäftsideen zu entwickeln. Ist das ein Modell für Baden-Württemberg?

Das Land Nordrhein-Westfalen will Gründern künftig ein Jahr lang ein so genanntes Gründerstipendium von 1000 Euro im Monat gewähren. Mit dem Grundeinkommen für Gründer soll  die Einkommensunsicherheit in der Anfangsphase gemindert werden. Dafür stehen bis Ende 2022  26 Millionen Euro zur Verfügung. Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) rechnet damit, dass so rund 2000 Jungunternehmern  ermöglicht wird, ohne Existenzangst an ihrer Idee zu arbeiten.

„Der Förderansatz des Gründerstipendiums NRW ist deutlich breiter als derjenige anderer Stipendien zur Förderung des Lebensunterhalts“, sagt Pinkwart. Die Branche sei egal. Eine akademischer Hintergrund sei keine Voraussetzung und man wolle auch Gründungen aus bestehenden Beschäftigungsverhältnissen heraus erleichtern. Jeder Gründer habe eine Chance, „soweit  die Gründerperson und ihr innovatives Gründungskonzept eine unabhängige Jury von Gründungsexperten überzeugen“.

Erste Anfragen zum Grundeinkommen für Gründer im Land

Auch in Baden-Württemberg ist die Meldung auf Resonanz gestoßen.  Eine Anfrage, ob sich auch das Land für ein Grundeinkommen für Gründer erwärmen könnte, hat das baden-württembergische Wirtschaftsministerium sogar per Twitter erreicht. Die Antwort war auf diesem sozialen Kanal erst einmal knapp – und skeptisch. Man setze im Land auf „mehr Spitzen- als Breitenförderung, aber das ist eben unser Anspruch“. Außerdem gebe es  ein gutes Angebot von Innovations- und Beratungsgutscheinen.

Auf Nachfrage von IdeenwerkBW zeigt man sich im Ministerium aber offener. Das nordrhein-westfälische Konzept sei ein „interessanter Ansatz, den wir aufmerksam verfolgen werden“, heißt es in einer offiziellen Antwort. Ein Grundeinkommen für Gründer mittels Zuschuss sei sicher ein möglicher Förderweg: „Allerdings ist für eine Gründungsfinanzierung in etablierten Branchen in der Regel ein höherer Finanzrahmen notwendig.“ Und mehr Geldbedarf sei in der Technologiehochburg Baden-Württemberg nun einmal typisch. Im übrigen habe die Vergabe von Förderdarlehen durch die landeseigene Förderbank L-Bank im Jahr 2017 neue Bestmarken erreicht.

Baden-Württemberg verweist auf vielfältige, andere Angebote

Außerdem gebe es in Baden-Württemberg seit 1994 mit dem Programm „Junge Innovatoren“ des Wissenschaftsministeriums bereits ein vergleichbares Angebot zur Sicherung des Lebensunterhalts für Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Zudem wolle das Wirtschaftsministerium mit einem neuen Programm „Startup BW Pre-Seed“, das in Kürze starten werde,  bei der Finanzierung von Startups in der Frühphase ansetzen.

Beide genannten Programme unterscheiden sich aber deutlich vom offenen nordrhein-westfälischen Ansatz. Die Zielgruppe bei den „Jungen Innovatoren“ ist auf hochschulnahe Gründungen beschränkt, die einen hohen technologischen Standard erfüllen. In dem neuen Finanzierungsprogramm andererseits geht es um Startups, die immerhin so weit sind, dass sie Investorengelder brauchen und auch schon einen Co-Investor für eine Minderheitsbeteiligung gewinnen konnten.

Startup-Experten loben das Grundeinkommen für Gründer

Selbst Startup-Berater, die im Land von der bisherigen Förderstruktur profitieren, halten die Ideee aus  Nordrhein-Westfalen für eine überfällige Innovation. „Das ist endlich einmal ein Konzept, das sich an den Bedürfnissen der Gründer orientiert“, sagt Moritz Meidert, Chef der Konstanzer Gründerberatung Gründerschiff. Das bisherige Korsett, das Gründer als Gegenleistung für eine Förderung zu einer vordefinierten Beratung und Betreuung verpflichte sei oft zu eng und zu bürokratisch. Viel wichtiger sei es, dass ein Gründer sich Zeit nehmen könne, ohne gleich um seinen Lebensunterhalt zu fürchten oder seine Ersparnisse zu opfern. „Und wenn sie gleich nach dem Studium anfangen wollen, haben sie meist nicht einmal Ersparnisse,“ sagt Meidert.

Für solche Gründer nach dem Studium seien 1000 Euro im Monat für den Lebensunterhalt auch ausreichend. Für eine Gründung aus dem Beruf heraus, reiche das eher nicht. Meidert befürchtet nicht, dass die Betreuung dabei unter den Tisch fällt. Aber der Gründer könne freier entscheiden, was ihn das Richtige sei.

Menschen fördern – nicht nur Konzepte

Adrian Thoma vom Bundesverband Deutsche Startups in Baden-Württemberg lobt das Grundeinkommen für Gründer ebenfalls: „Das Gründerstipendium ist allein schon wegen seiner einfachen Formel ein echtes Highlight und würde auch in Baden-Württemberg Abnehmer finden.“ Es sei aber wichtig, dies in das bestehende Förderinstrumentarium, einzubetten. Die besten Auswahlgremien seien dabei die bestehenden Startup-Förderzentren: „Dann hätte man auch dafür gesorgt, dass komplementär, unbürokratisch und unternehmerisch gefördert wird.“

Auch für Johannes Ellenberg, Stuttgarter  Gründer und Buchautor zur Startup-Themen setzt das Programm den richtigen Akzent: „Bisher stellen viele Förderungen Zäune um bestimmte Zielgruppen auf und geben inhaltlich vor, was denn innovativ sein soll“, sagt er. Es sei eine Crux der bisherigen Förderphilosophie in Baden-Württemberg, dass man schon in einer frühen Phase über die Gründung selbst urteilen wolle.

„Es ist deshalb gut, dass beim Grundeinkommen für Gründer erst einmal Menschen und ihre Motivation bewertet werden“, sagt er.“ Selbst wenn ein Gründer nach einem Jahr scheitere, habe er viel gelernt: „Im übrigen gibt es Misserfolge ja auch  bei der bisherigen Förderung.“

Den IdeenwerkBW-Kommentar dazu gibt es hier.

Noch mehr Innovationen...

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER