Google vs. Datenschutz – fünf Streitfragen

DatenschutzWird der Mensch zu einer Ansammlung seiner Daten?; Screenshot: Berliner Kolloquium "Der Datenmensch"

 Haben Geheimdienste eigentlich einen Zugriff auf Facebook-Posts ? Sind  die Google-Dienste wirklich umsonst? Fünf Thesen zum Datenschutz – und die Stellungnahmen des Google-Sprechers Thoralf Schwanitz auf dem Kolloquium „Der Datenmensch“ in Berlin.

Wie steht es um Freiheit und Selbstbestimmung in der digitalen Welt? Mit dieser Frage haben sich rund 200 Teilnehmer des Berliner Kolloquiums beschäftigt, das von der Daimler- und Benz-Stiftung veranstaltet wurde. Was Google-Sprecher Thoralf Schwanitz zu sagen hatte – und wie Kritiker die Aussagen bewerten, ist hier zusammengefasst.

These 1: Daten sind das neue Öl!

Das sagen Kritiker:  „Da Big-Data-Anwendungen viel über uns wissen und unsere Gewohnheiten kennen, können sie uns viel Arbeit abnehmen“, sagt Alexander Roßnagel, Professor für Informationstechnik-Gestaltung an der Uni Kassel. Allein durch statistische Korrelationen könne man etwa bessere Behandlungsmethoden in der Medizin gewinnen. Andererseits könne derjenige, der die Daten hat, mit diesem Wissen auch manipulieren – etwa durch passgenaue Werbung. „Google finanziert sich beispielsweise über Werbung“, sagt Markus Beckedahl von netzpolitik.org.
Das sagt Google: Im Gegensatz zu Öl seien Daten überall verfügbar und eine unendliche Ressource, sagt Google-Sprecher Thoralf Schwanitz Sie seien leicht zu sammeln – und ebenso sei die Fähigkeit zentral, die Daten auch auszuwerten.

These 2: Google-Dienste sind nicht gratis, wir zahlen  mit Daten!

Das sagen Kritiker:  Die Dienste von Google sind kostenlos und sie können persönlich auf jeden zugeschnitten werden. So kennt Google Now die Gewohnheiten und Kalender seiner Nutzer und mahnt zum früheren Aufbruch, wenn auf dem Weg zur Arbeit Stau ist. Google verkauft die Daten auch an andere, die damit personalisierte Werbung kreieren. Das ist vielen aber egal: „Nutzer geben unmittelbaren Vorteilen den Vorzug vor eventuell langfristigen Nachteilen“, sagt Roßnagel. Auch der Privatsphären-Politik dürfe man nicht trauen, so Beckedahl. Schon allein seine Einstellungen für den Datenschutz anzupassen sei viel zu kompliziert. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Google trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, alle Daten seiner Nutzer speichert. Was Datenschützern Unbehagen bereitet: Denn keiner wisse, was die Konzerne in Zukunft mit diesem Wissen machen.
Das sagt Google:  „Ihre Daten gehören Ihnen“, sagt Schwanitz. Jeder Nutzer kann sein Konto schließen und Fotos und Filme herunterladen und anderswo speichern.  

These 3: Überwachung ist zum  Teil unseres Lebens geworden

Das sagen Kritiker: „Sensoren verbinden körperliche und digitale Welt“, sagt Roßnagel. So hänge die Sicherheit autonomer Autos davon ab, dass alle ihre Daten zur Verfügung stellen. „Wir werden zu freiwilliger Zustimmung gezwungen sein.“ Notfalls mittels gesetzlicher Vorgaben. Beckedahl zeigt, wie man sich zumindest vor dem Datenhunger großer Konzerne schützen kann: anonymes Surfen über den Tor-Browser, kostenpflichtige Maildienste wie Posteo nutzen, die die Privatsphäre schützen und Nachrichten verschlüsseln. Dazu kommt: Kein Smartphone nutzen, das Android als Betriebssystem haben. Ob die anderen wirklich besser sind, ist nicht belegt.  Das sagt Google Nutzer können auch mit dem Chrome-Browser anonym surfen, wenn sie das entsprechend einstellen. Die Metadaten hat Google aber dennoch.  

These 4: Jeder Facebook-Post ist den Geheimdiensten bekannt!

Das sagen Kritiker:  Beckedahl verweist auf die Snowden-Enthüllungen: „Wir haben weltweit unkontrollierte Geheimdienste – auch in den westlichen Demokratien.“ Auch wenn Google noch so nett sein wolle, sei dieser Konzern chancenlos gegen Geheimdienste. Auch hierzulande berge die wieder eingeführte Speicherpflicht für Vorratsdaten Gefahren: Anhand der Metadaten – wer wann mit wem gesprochen oder sich wo aufgehalten hat – kann man ein Bewegungsprofil des Nutzers aufstellen.
Das sagt Google:  Dazu schweigt Google-Sprecher Schwanitz.  

These 5: Datenschutz ist für Laien zu kompliziert!  

Das sagen Kritiker:  Menschen finden den Datenschutz in der Theorie wichtig, beschäftigen sich in der Praxis aber nicht damit, sagt Jeannette Hofmann vom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung. „Die Mehrheit entscheidet sich für die kostenlose Variante von Internetangeboten.“ Ein Problem sieht Hofmann in der sogenannten informierten Einwilligung, die Datenschutzgesetze vorsehen. Damit widerspricht sie den Verbraucherzentralen, die diese Einwilligung als eine wichtige Grundlage betrachten. „Die meisten Nutzer lesen Datenschutzbestimmungen nicht.“ Hier helfe auch die Zweckbindung von Daten nicht weiter, sagt Hofmann: Aktuell gehe darum, so viele Daten wie möglich zu sammeln. „Selbst die Anbieter wissen nicht, wofür sie die Daten eines Tages brauchen.“
Das sagt Google:  „Wem das nicht passt, der kann ja andere Anbieter nutzen“, sagt Google-Sprecher Schwanitz. Die Gefahr ist derzeit gering, dass Google dadurch allzu viele Nutzer verliert.       

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