Gindumac digitalisiert den Gebrauchtmaschinenmarkt

Gindumac; GebrauchtmaschinenFräsmaschinen wie diese gehören zum Angebot. Foto: Gindumac

Das Startup Gindumac erschließt von  Ludwigsburg aus einen Markt, den man zunächst nicht mit der Digitalisierung in Verbindung bringt.  Der Vertrieb für Gebrauchtmaschinen ist komplex. Nun macht man ihn intelligent.

Gebrauchte Maschinen kaufen und mit einer eigener Online-Plattform weltweit vertreiben ist das Geschäftsmodell von Gindumac, Vor zehn Monaten ist das Duo Benedikt Ruf und Janek Andre an den Start gegangen. Im April haben sie das Konzept auf eine innovative digitale Plattform gehoben. Der Gedanke zum Startup für Gebrauchtmaschinen reifte über fünf Jahre. Doch bisher hatten Ruf und Andre, die sich während ihres Studiums an der Hochschule Pforzheim über den Weg gelaufen waren, beruflich andere Verpflichtungen.
Schon seit mehreren Jahren sammeln und analysieren die beiden Betriebswirtschaftler und Marketingexperten Daten in der Fertigungsindustrie.  „Wenn man bedenkt, was im Konsumgüterbereich in Sachen Digitaltechnologie schon passiert, sahen wir in der Fertigungsindustrie großes Potenzial“, sagt Benedikt Ruf.
Das gab den Ausschlag für die Neugründung im Bereich gebrauchter Werkzeugmaschinen. Die Region Baden-Württemberg mit ihrer Automobilindustrie und den dort ansässigen Zulieferern ist dafür prädestiniert. Dafür braucht es einen Qualitätsmanager vor Ort, der die Maschinen dokumentiert und sich mit Fertigungsunternehmen vernetzt. Manuel Bonnet  hat deshalb Ludwigsburg als Basis. Im ehemaligen  Areal des Maschinenbauers Getrag hat er, wie er es ausdrückt,  „ein sehr schönes Ambiente für ein Startup, das sich in der Industrie tummelt“. Man komme herein „und schon riecht man die Maschinen“.

Gindumac stößt in eine Marktlücke

Andre und Ruf wollten etwas Eigenes aufbauen. Bei ihrer Suche nach einem lohnenden Geschäftsmodell, das am industriellen Markt erfolgreich sein könnte, stießen sie mehr oder minder durch Zufall auf den Handel mit gebrauchten Produktionsmaschinen. Die beiden Studienkollegen, die bereits verschiedentlich zusammenarbeiteten, tauschten sich aus, suchten mithilfe ihres digitalen Knowhows nach dem potenziellen Marktpotenzial. Ihr Geschäftsmodell sollte eine Lücke schließen.
Ihr Fazit: Es handelt sich um einen sehr fragmentierten Markt, der weitestgehend analog und offline, abläuft und darüber hinaus auch sehr intransparent ist. Gleichzeitig ergaben ihre Nachforschungen ein potenziell sehr hohes Umsatzvolumen, weil weltweit eine gewaltige Nachfrage besteht. Der Markt habe viel Wachstumspotenzial, sagt Ruf. Effizient, transparent, schnell und mit vernünftiger Marge wollen sie am Markt agieren. Das funktioniere nur mit entsprechender Datenintelligenz, sagt der Geschäftsmann, ohne weitere Einzelheiten preisgeben zu wollen.

Asiaten sparen sich die Reise nach Europa

Gindumac will alles aus einer Hand bieten – weltweit. Das G an erster Stelle im Namen des Startup steht für „global“. Und genau das ist neu. Digitale Ansätze sind vorhanden im Markt, zusätzlich gibt es Auktionshäuser und durchaus auch Modelle, die dem von Gindumac ähneln.
Fundamental anders beim Startup von Ruf und Andre ist aber, dass Gindumac voll auf Digitaltechnologie setzt. Rund um die Gebrauchtmaschinen, die akribisch nach festgelegten Qualitätskriterien katalogisiert und in die Datenbank gestellt werden, wurde ein Angebot konzipiert, das Transport, Verpackung, Versicherung einschließt.
Das erspart produzierenden Unternehmen die aufwendige Suche nach Käufern für ihre gebrauchten Anlagen. Die Maschinen kauft Gindumac und kümmert sich anschließend um die  ganze Kette zwischen Verkäufer und Käufer. Dem künftigen Nutzer wird, so gewünscht, die gekaufte Maschine vor Ort auch installiert.
Das spart zum Beispiel Asiaten eine Reise nach Europa, um dort verschiedene Maschinen zu begutachten. Deutschland ist für das Startup ein sehr wichtiger Beschaffungsmarkt. Die von Gindumac erworbenen Maschinen gehen, je nachdem wie alt sie sind, in osteuropäische und asiatische Märkte, sagt der Qualitätsmanager Manuel Bonnet. „Unsere Maschinen haben alle einen festen Preis statt wie sonst üblich einen Preis auf Anfrage“, sagt Firmenchef Ruf.
Gemeinsam mit zwei weiteren Gesellschaftern aus Kaiserslautern gründeten Andre und Ruf die Gindumac GmbH. Offizieller Unternehmenssitz ist  Kaiserslautern. Das digitale Hirn des jungen Unternehmens sitzt aber außerhalb von Deutschland in Barcelona. In dieser dynamischen Metropole finde man in kurzer Zeit Talente aus aller Welt. Außerdem sei man binnen zwei Stunden überall in Europa.

Unternehmensprofil Gindumac
Gegründet wurde die Gindumac GmbH im Juli 2016. Dahinter verbergen sich die Worte ‚Global Industrial Machinery Cluster‘. Dass es sich dabei um gebrauchte Werkzeugmaschinen handelt, verrät der Name nicht. Da zwei Gesellschafter in Kaiserslautern ansässig sind, wurde dies als Firmensitz gewählt. Im Anspruch ist das Unternehmen mit seinen bisher vier Gesellschaftern aber europäisch.
Die beiden Geschäftsführer Janek Andre (31 Jahre alt) und Benedikt Ruf (31 Jahre alt) lernten sich beim Studium der Betriebswirtschaft und Internationales Marketing an der Hochschule Pforzheim kennen. Das Startup tritt an mit dem Ziel, intelligenten Handel aus einer Hand weltweit zu betreiben.
Für Gindumac arbeiten momentan 22 Personen. Tendenz steigend. Der Großteil der Mitarbeiter sitzt in Barcelona, Spanien. Am Standort Ludwigsburg agiert der Schwabe Manuel Bonnet  als Qualitätsmanager für Süddeutschland und die Schweiz. Auch hier wird aufgestockt werden. Seit Anfang April präsentiert Gindumac sein volles Angebot  online.

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