FuckUp Nights Stuttgart – die sechste

FuckUp Nights Stuttgart; AllmendingerBild: Martin Allmendinger, der an der Uni Hohenheim vor kurzem an einer Studie zur Haltung der Deutschen zu gescheiterten Gründern mitgearbeitet hat, zeigt Courage. Foto: FuckUp Nights Stuttgart

Da in der Stuttgarter Zeitung auf diesen in der Samstagsausgabe erschienenen Text unseres Volontärs Berkan Çakır über die neueste Ausgabe der FuckUp Nights Stuttgart noch nicht online verlinkt wurde, gibt es den hier  „exklusiv“ im Netz.  

Martin Allmendinger kennt das gute Gefühl, wenn einem endlich die Geschäftsidee einfällt. Mit zwei Kollegen wollte er eine elektronische Verhandlungssoftware an Großunternehmen  verkaufen. Die Freunde fanden es toll, die Familie war begeistert, sogar ein kleines Startkapital war vorhanden – eigentlich konnte nichts mehr schief gehen, und doch lief alles anders. „Optimismus ist gut“, sagt Allmendinger heute, „Aber eine Geschäftsidee allein reicht noch lange nicht aus.“Der 29-Jährige Wirtschaftswissenschaftler macht kein Geheimnis daraus, dass er mit der Idee gescheitert ist. Vor 40 Zuschauern steht er als einer von drei “Speakern“ auf einer Bühne im Esslinger Comma, und erzählt, wie viel man als Jungunternehmer falsch machen kann. Von einer gescheiterten Foto-Plattform spricht ein zweiter Teilnehmer, ein dritter stellt eine Studie über das Scheitern im Job vor.  Das sei keine Selbstverständlichkeit sich da hinzustellen und es erfordere viel Mut, meint Kathleen Fritzsche, welche die regelmäßigen „FuckUp  Nights“ moderiert: „Unternehmer reden ungern übers Scheitern. In unserer Gesellschaft werden Fehler nicht toleriert.

Die FuckUp Nights Stuttgart haben kathartische Wirkung

Fritzsche glaubt an eine kathartische Wirkung der Veranstaltung: „Den Leuten tut es gut, zu sehen, dass es nicht so schlimm ist, zu scheitern.“ Das schaffe eine andere Einstellung, vielleicht sogar eine Kultur, die Fehler toleriert. Das Konzept der ursprünglich aus Mexiko stammenden FuckUp Night ist so erfolgreich, dass es  inzwischen in mehr als hundert Städten rund um den Globus verbreitet ist. Das Credo der Veranstaltung lautet: Vermeide die Fehler, die andere schon gemacht haben. Auf die kurzen Vorträge der Sprecher folgt eine konstruktive Frage-Antwort-Runde, in der die Zuschauer die Möglichkeit haben mehr über die ehemaligen Projekte zu erfahren.Allmendinger muss  nicht lange überlegen, um den größten Fehler zu finden: „Wir haben keine Marktanalyse durchgeführt.“ Die Verhandlungssoftware war ein Prototyp: „Wir sind davon ausgegangen, dass die Leute ein Programm, das faire   Ergebnisse für alle Parteien aushandelt,  kaufen würden. Aber letzten Endes wollte niemand das Programm. Der persönliche Kontakt spielt bei Verhandlungen eine wichtige Rolle, aber das hatten wir nicht bedacht.“Inzwischen ist Allmendinger schlauer.  Seine negative Erfahrung hat er umgemünzt und  berät nun  Unternehmen zur Digitalisierung. Das ist viel persönlicher als eine Software, und kommt sehr gut an: „Nach meiner Promotion wollen wir die Beratungsfirma ausbauen“, sagt er.

 

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