Fazit fürs new.New Festival: Mehr Querdenken!

Fazit fürs new.New FestivalAm Stand der Südwestdeutschen Medienholding, zu der IdeenwerkBW gehört, konnte man sich in virtueller Realität bewegen. Foto: Lichtgut/Kovalenko.

Fazit fürs new.New Festival: Es ist ein erfrischender Impuls für die Innovation in Baden-Württemberg. Doch es sollte noch mutiger über die Technologieblase hinausblicken. Eine Analyse.

Baden-Württemberg ist im Aufbruch. Das ist der Eindruck, wenn man sieht, wie viele Veranstaltungen sich rund um Zukunftstechnologien etabliert haben. Was in den vergangenen drei Tagen auf dem sogenannten New-New-Festival in der sonst Sport und Konzerten vorbehaltenen Schleyerhalle in Stuttgart stattfand, ist einer der ehrgeizigeren Versuche, die Region beim Thema Startups und Innovationen international ins Rampenlicht zu rücken. Dass deshalb durchgehend auf Englisch parliert wurde, wenngleich oft mit schwäbischem Akzent, ist konsequent.

Das Ganze ist aus der privaten Innovationsinitiative Code_n entstanden, ein IT-Mittelständler namens GFT steht dahinter. Doch das Land Baden-Württemberg und  Stuttgart, das später als andere Städte im Land auf den Startup-Zug aufgesprungen ist, haben erkannt, dass es für die Wettbewerbsfähigkeit der Region einen neuen Auftritt braucht. Die Veranstalter hatten diesen Anspruch. Darum darf man sie daran messen. Diskussionen wie über die „Ethik Künstlicher Intelligenz“ oder auch der Showauftritt eines (weiblichen) humanoiden Roboters sollten der Technologie einen breiteren Horizont geben. Tröstlich war angesichts etwas hölzerner Auftritte der Menschmaschine, dass die Machtergreifung der Roboter wohl noch dauert. Und unter den internationalen Startups fanden sich faszinierende Beispiele, wie Hightech Alltagsprobleme löst.

Die Technologie-Elite unter sich

Dennoch hatte man, wie bei fast allen solchen Veranstaltungen, den Eindruck, dass hier die technologieverliebte Elite unter sich bleibt. Das liegt in der Natur der Sache: So kreativ das Design in der Halle war – ein solches Event soll sich rechnen. Etablierte Firmen suchen Ideen. Startups wollen Kunden und Investoren finden.

Doch die Digitalisierung krempelt die ganze Gesellschaft um. Bei denjenigen, die nicht zur Technologieelite gehören, löst das Ängste aus: um den Arbeitsplatz, die Privatsphäre und – wie die Rolle sozialer Medien zeigt – um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ein Wort sollten die Technologiefreaks aus dem Vokabular streichen: „Bedenkenträger“. Wer erlebt, dass selbst ältere Menschen, die man darauf hinführt, mit neuen Technologien umgehen lernen, der erkennt, dass derjenige, der von „Bedenkenträgern“ spricht, zu arrogant ist, die Folgen seiner Innovation zu bedenken.

Baden-Württemberg muss mehr bieten als fleißige Technologen

Ein Event, das im Kern der regionalen Wirtschaftsförderung dient, muss man nicht mit Erwartungen überfrachten. Querdenker wie der Robotervisionär Robin Hanson, der an Megastädte für Menschmaschinen glaubt, kamen zu Wort. Aber ein wenig Gesellschaftskritik ist heute fast schon Standard: Auf der großen IT-Messe Cebit hielt mit Jaron Lanier einer der heftigsten Facebook-Kritiker die Auftaktrede. Selbst die IHK der Region Stuttgart ließ den Ulmer Psychiater und Smartphone-Skeptiker Manfred Spitzer zu Beginn einer Innovationswoche auftreten. Ob das breitere Publikum das Festivalmotto „Intelligence X.0“ versteht? Warum soll bei einem Innovationsfevent nicht auch ein Digitalisierungsspezialist der Gewerkschaften auftreten? Oder provozierend gefragt: Wie kann es sein, dass ein Event, das direkt gegenüber dem Cannstatter Volksfest stattfindet, in dieser Nachbarschaft kein Potenzial entdeckt, um zu zeigen, dass Baden-Württemberg mehr zu bieten hat als nur fleißige Technologen?

Fazit fürs new.New Festival: Heraus aus der Blase

Fazit fürs new.New Festival:  Es ist eine Ironie, dass diejenigen, die der Gesellschaft Offenheit und Veränderung predigen, auch in ihrer Blase gefangen sind. Der Appell geht an die Politik, die internationale Innovationsevents im Südwesten etablieren will. Wer, wenn nicht sie, könnte auf einen nicht nur ökonomischen Horizont achten? Das Festival ist zwar ein Schub für die Region, doch Großspektakel wie in Texas oder Helsinki, die in Stuttgart mutig als Messlatte genannt wurden, sind deutlich attraktiver, weil sie insgesamt noch einen Tick bunter sind. Digitalisierung ist eben mehr als Wirtschaftsförderung. Es braucht dafür eines: noch mehr Querdenken!

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