Digitalisierung bei Porsche – ein Überblick

Digitalisierung bei PorscheEin Panamera an der Blockchain-Datenkette - so will Porsche das abstrakte Thema verbildlichen. Foto: Porsche

Digitalisierung bei Porsche: Bei einer Präsentation in Filderstadt hat der Autohersteller demonstriert, wo  man Fortschritte der IT nutzen will – von der sicheren Datenkommunikation per Blockchain über die optimierte Produktion bis zum Vertrieb.

Blockchain – hier denkt man heute an so genannte Kryptowährungen wie Bitcoin, ein System, das sichere Finanztransaktionen erlaubt. Doch Porsche hat nach eigenen Angaben als erster Hersteller, das System im Fahrzeug, verbaut. Binnen weniger Monate wurde mithilfe eines Berliner Startups ein Porsche Panamera mit der Technologie bestückt.

Die Anwendungen reichen von der sicheren Ver- und Entriegelung des Fahrzeugs bis hin zur verlässlichen Kommunikation von autonomen Autos untereinander. Porsche demonstrierte am Donnerstag in Filderstadt die Weltpremiere für die  Blockchain  in einem Auto als Beispiel wie man in der  Digitalisierung mitmischen will.

„Wir werden unser IT-Budget auf 450 Millionen Euro im Jahr deutlich aufstocken“, sagte Lutz Meschke, Porsche-Vorstand für Finanzen und IT. Bisher waren es rund 250 Millionen. Der Zuwachs werde in neue Digitalisierungsbereiche gehen. Das werde auch Folgen für die interne Struktur von Porsche haben. Das Stichwort Schnelligkeit betonte auch Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Er verwies auf die Online-Kundenplattform „My Porsche“. Vor einem Jahr sei sie erst live gegangen, alle zwei Wochen gebe es ein Update.

Digitalisierung bei Porsche zusammen mit Startups

Entwickelt wurde der Blockchain-Panamera gemeinsam mit dem Berliner Startup Xain, das erst im Sommer des vergangenen Jahres einen Porsche Innovationswettbewerb zum Thema Blockchain gewonnen hatte. Das Auto benötigte einige nicht ganz einfache Anpassungen. Für Finanztransaktionen braucht es heute einen hohen Rechen- und Energieaufwand.

Damit ein Auto zum Teil eines Blockchain-Rechnernetzwerkes werden kann, muss der Algorithmus angepasst werden, um diesen Aufwand drastisch zu verringern.

Die Blockchain im Auto darf nicht so viel Energie verbrauchen

„Mit dem System können sie zum Beispiel Zugangsberechtigungen für das Fahrzeug an Dritte vergeben“, sagte der Xain-Mitgründer Felix Hahmann in Stuttgart: „Sie können etwa einem Paketboten für einen genau definierten Zeitraum die Berechtigung geben, den Kofferraum zu öffnen und ein Paket abzulegen.“

Per App kann man dann genau verfolgen, wann und von wem der Kofferraum geöffnet wurde. Und da bei der Blockchain kein zentraler Rechner nötig ist, geht die Berechtigungsprüfung sechsmal schneller als heute. Wann das serienreif sein wird, ist offen. Spätenstens im Jahhr 2021 will man in Rahmen einer neuen Gestaltung der Fahrzeug-IT so weit sein.

Tempo ist der Schlüssel

Das Projekt ist auch ein Beispiel dafür, wie der Autohersteller mit Startups zusammenarbeitet. Es geht hier nicht nur um neue Ideen, sondern auch um Tempo. Nur drei Monate habe es gedauert bis man zusammen mit interdisziplinären Teams von Porsche-Entwicklung Anwendungen entworfen und getestet habe. „Wir haben das mit sehr geringem bürokratischen Aufwand hinbekommen“, sagte Oliver Döring der Porsche-Projektleiter für die Finanzstrategie. Wichtig sei es gewesen, Fehler zuzulassen und aus ihnen zu lernen.

Akustische Analyse von Steckverbindungen

Porsche-Spezialisten für das Thema künstliche Intelligenz arbeiten an einem „Klang-Detektiv“, also einem Analysesystem, das anhand von Geräuschen erkennen kann, wie es einer Maschine gerade geht . Je nachdem was klappert oder rasselt, kann man so ohne Sensoren einbauen zu müssen, Defekte lokalisieren. „Getestet haben wir das erst einmal an unserer Kaffeemaschine“, sagte Matthias auf der Mauer vom Porsche Digitallab.

200 verschiedene Geräuschmuster erzeugt so ein Gerät bei der Produktion elf verschiedener Kaffeevarianten. Porsche will damit etwa akustisch überprüfen lassen, ob Steckverbindungen in den Fahrzeugen eingerastet sind – was man am satten Klick erkennt. Ein grünes Häkchen auf dem Display einer smarten Uhr könnte in Zukunft dem Produktionsmitarbeiter signalisieren, dass es passt.

Digitalisierung bei Porsche heißt VR im Vertrieb

Für den Verkauf der Fahrzeuge hingegen will Porsche vermehrt virtuelle Realität nutzen. So können künftige Käufer des künftigen Mission E, des ersten rein elektrisch betriebenen Sportwagens, sich schon heute multidimensional sich einen Eindruck von dem Fahrzeug verschaffen.

„Wir wollen hier schon frühzeitig für eine Kundenbindung sorgen“, sagte Deniz Keskin, der Leiter der Porsche Kommunikationsstrategie.

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