Der Abgang von Uber-Chef Kalanick

Abgang von Uber-Chef KalanickUber-Chef Travis Kalanick hat sich zu lange in der Rolle des Machos der Digitalbranche gefallen Foto: TechCrunch, CC0

Der Abgang von Uber-Chef Kalanick entlarvt die Arroganz der Digitalwelt. Aggressivität und Welteroberungsphantasien, die für die Startup-Kultur à la Silicon Valley typisch sind,  reichen nicht mehr für den nachhaltigen Erfolg.

Für die Rolle des bösen Buben hat sich Travis Kalanick schon lange geeignet. Mit nassforscher Aggressivität, oft unter Umgehung lokalen Gesetze, hat die von ihm gegründete und gnadenlos nach vorne gepeitschte Firma Uber versucht, ihre Fahrtendienst-App weltweit in immer mehr Märkte zu drücken. Durchaus mit Erfolg, auch wenn Profite bei diesem Spiel mit hohem Risiko immer noch Fehlanzeige sind. Uber ist ein Extrembeispiel – aber nicht untypisch bei der Macho-Kultur ist Uber ein Extrembeispiel. Doch der Abgang von Kalanick ist ein Menetekel für die oft arroganten Weltveränderer der Digitalbranche. Von Jeff Bezos von Amazon bis hin zu Mark Zuckerberg von Facebook haben sie ihre Welteroberungsphantasien immer wieder mit Ignoranz gegenüber den sozialen Aspekten ihres Geschäfts kombiniert. Das reicht vom Stress in den Warenlagern bis hin zu den so genannten „Fake News“. Die an der amerikanischen Westküste geborene Startup-Kultur hatte immer etwas Machohaftes: Nicht nur bei den Programmieren gibt es einen massiven Männerüberschuss, Frauen und Minderheiten sind quer durch die Branche unterrepräsentiert.

Aggressiver Expansionskult

Der oft bewunderte, dynamische Gründer-, Expansions- und Startup-Kult hat hinter der Fassade auch ein hässliches Gesicht. Arbeitsdruck, uferlose Arbeitszeiten, ein den menschlichen Lebensrhythmus manchmal überfordernder Tempowahn waren zu oft gepaart mit einer fehlenden Sensibilität für die als „Disruption“ beschönigte Zerstörungskraft des eigenen Geschäftsmodells. Uber hat zu Recht die verkrusteten Strukturen attackiert, die weltweit das Taxigewerbe kennzeichnen. Doch im eigenen Missionswahn schoss man über das Ziel hinaus. Die Diskriminierung und schlechte Behandlung von weiblichen Mitarbeitern, die Travis Kalanick jetzt den Kopf als Unternehmenschef gekostet hat, ist nur ein Mosaikstein in dieser nur scheinbar modernen Version des Kapitalismus. Auch beim Umgang mit den Fahrern wurde Uber in jüngster Zeit in den USA vor Gericht zu Zugeständnissen gezwungen. Von Deutschland über Frankreich bis hin zum liberalen Austin in Texas hat man verbrannte Erde hinterlassen. Folgerichtig sind diese Märkte dem Unternehmen nun teilweise verschlossen.

Noch fehlen die Gewinne

Uber ist nicht nur wegen der fehlenden Gewinne bisher kein Beispiel für ein nachhaltiges Erfolgsmodell. Die Frage, wer den Wettbewerb um die Mobilitätsdienstleistungen der Zukunft gewinnen wird, bleibt spannend. Eine Uber-App lässt sich kopieren. Aber wenn es auch wegen der Firmenkultur auf einmal nicht mehr genügend willige Fahrer gibt, die ihr eigenes Fahrzeug für dieses beschönigend „Ökonomie des Teilens“ („Sharing Economy“) genannte Modell zur Verfügung stellen, dann könnten am Ende die Autokonzerne als Sieger hervorgehen. Fahrzeuge bauen und Fahrzeugflotten selber verwalten können sie besser – und sie haben dafür auch das nötige Kapital.

Der Abgang von Uber-Chef Kalanick ist ein wichtiges Zeichen

Ubers Aggressivität scheint ein Auslaufmodell zu sein. Der Zimmervermittler Airbnb, der anfangs so nassforsch wie der Fahrtenanbieter aus San Francisco agierte, versucht inzwischen die Konfrontation mit Regulierern zu vermeiden. Marc Benioff, der Chef des Big-Data-Konzerns Salesforce, hat soziales Engagement zum Markenzeichen gemacht. Es hat Symbolcharakter, wenn auch Unternehmer vom Schlage eines Jeff Bezos und Mark Zuckerberg nach jahrelangem Zögern in jüngster Zeit die Philanthropie entdeckt haben und mehr von ihrem Vermögen der Gesellschaft zu Gute kommen lassen wollen. Natürlich ist das auch Marketing und Show. Aber es ist eine bessere Aufführung, als das Schmierendrama, das der Uber-Gründer zu lange geliefert hat. Der Abgang von Uber-Chef Kalanick ist für die zumindest zaghafte Entdeckung von gesellschaftlicher Verantwortung ein weithin sichtbares Symbol.

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