Coworking und Reisen passen zusammen

Coworking und ReisenDie Deutsche Bahn hat am Berliner Hauptbahnhof schon mit so genannten Pop-up-Arbeitsplätzen experimentiert. Foto: Deutsche Bahn

Moderne Arbeitsplätze sind ein wichtiger Bestandteil neuen Mobilität. Coworking und Reisen passen deshalb zusammen – das haben unter anderem die Deutsche Bahn und die Lufthansa entdeckt.

Bahnhöfe sind magische Orte der Trennung und des Wiedersehens, des Wartens, Kommens und Gehens. Kristallisationspunkte der Mobilität. Und wenn diese sich ändert, übernehmen auch Bahnhöfe neue Funktionen“, sagt Meike Niedbal. Sie ist Leiterin Smart Cities der Deutschen Bahn und entwickelt Ideen für den Bahnhof der Zukunft. Coworking ist eine dieser Ideen. Immer mehr Menschen wollen die Zeit nutzen, die sie auf einen Zug warten müssen, sich manchmal gar die Fahrt zu einem anderen Ort sparen, um schneller wieder zu Hause oder beim nächsten Termin sein zu können.

Dabei wollen sie an ihrem flexiblen Arbeitsort auf nichts verzichten: WLAN, Fax, Telefon, Konferenzräume, Projektoren – und natürlich Wasser, Kaffee und Kuchen. Erste-Klasse-Reisende der Bahn können einen Teil dieser Vorzüge schon genießen, auch wenn die DB Lounges nicht mit allem so ausgestattet sind, dass sie einen vollwertigen Arbeitsplatz ersetzen. Und: Um die Lounge überhaupt nutzen zu können, muss man einen gültigen Fahrausweis vorweisen.

Coworking und Reisen – das soll auch in die Bahnhöfe

Im Sommer vergangenen Jahres hat die DB ein Projekt gestartet, das die Bahn möglicherweise ausweiten und in die Stadt der Zukunft, die sogenannte Smart City, inte­grieren will. Am Berliner Hauptbahnhof hatte die Bahn für zwei Wochen einen Raum mit Coworking-Arbeitsplätzen ausgestattet, zusammen mit dem erfahrenen Anbieter solcher Büros WeWork. Neben der professionellen Ausstattung war dort die Besonderheit, dass auch Nicht-Bahnfahrer für Stunden „ihr“ Büro mieten konnten. Das Interesse sei groß gewesen. Man prüfe jetzt, an welchen Standorten und mit welchem Partner man das Angebot umsetzen wolle – denkbar sei, dass noch in diesem Jahr erste Coworking-Büros an deutschen Bahnhöfen ihre Türen öffnen werden, erklärt eine Bahnsprecherin.

Das Unternehmen selbst nutzt die Möglichkeiten schon aktiv. Unweit der Konzernzentrale am Potsdamer Platz in Berlin sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der „Digital Base“ in ein Gebäude umgezogen, das bis zu 350 Arbeitsplätze auf neun Etagen sowie Räume für Meetings und Veranstaltungen bietet. Gerade im Digitalisierungsbereich hat die Bahn viele neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt und will weiterwachsen. „An den DB-Standorten stehen kurzfristig nicht immer geeignete Büroflächen zur Verfügung. Coworking Spaces sind für die DB daher eine gute Möglichkeit, diesen Bedarf an Arbeitsplätzen flexibel zu decken“, ergänzt die Sprecherin.

Lufthansa sieht Trend zu Coworking und Reisen in Asien am größten

Natürlich kommt der Trend zu den mobilen Arbeitsplätzen aus den USA, inzwischen ist er aber weltweit auf dem Vormarsch. Die Dynamik sei in Asien am größten“, sagte Gleb Tritus, der seit Ende Januar den ersten Auslandsstandort des Lufthansa Innovation Hub (LIH) in Singapur leitet, bei der Eröffnung des Hubs in dem Stadtstaat. „Mehr denn je sind asiatische Startups, aber auch digitale Konzerne treibende Kraft eines fundamentalen Wandels entlang der Reisekette“, sagt Christian Langer, der die digitale Strategie bei der Lufthansa leitet.

Coworking Spaces sind meist offen gestaltete Büros, in denen sich Freiberufler ohne festen Arbeitsplatz, aber auch ganze Firmen tageweise oder dauerhaft einmieten. Der Coworking-Markt wächst stark. 2017 wurden rund fünf Prozent aller Büroflächen für diese Konzepte vermietet. Allein in Frankfurt waren es 50 000 Quadratmeter, bundesweit 200 000, Tendenz stark steigend. „Die Anmietung durch Anbieter und Betreiber von Coworking-Flächen hat sich binnen eines Jahres verfünffacht.

Dabei ist nicht nur bei Nutzern, sondern auch bei Eigentümern, Entwicklern und Investoren das Interesse an Coworking Spaces stark gestiegen, da sie als Synonym einer zukunftweisenden Büroumgebung mit Anziehungskraft für wettbewerbsfähige Nutzer von morgen gesehen werden“, stellt Wolfgang Speer fest, einer der Autoren der Studie, die der Gewerbeimmobilienspezialist Colliers im vergangenen Sommer durchgeführt hat. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Am Frankfurter Flughafen etwa kann man Einzelbüros mieten, aber fürs Coworking und Reisen auch größere Räume mit mehreren Arbeitsplätzen. Eher nüchtern ist die Atmosphäre.

Auch Arbeit und Kinderbetreuung kommen unter einen Hut

Im Frankfurter Ostend dagegen geht es bunt und spielerisch zu. 2016, als sie für ihr Konzept „CoWorkPlay“ Räume suchten, seien sie noch belächelt worden, erzählte eine der beiden Gründerinnen, Yvonne Schrodt, in einem Magazin. Doch es hat geklappt, Arbeit, Spaß und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen. Inzwischen gibt es in einem Einkaufszentrum in der Frankfurter Innenstadt einen Ableger. Freiberufler mit Kindern (oder mit Hunden) lieben die ungezwungene Atmosphäre.

Coworking bietet viele Alternativen. Auf jeden Fall ist es eine Absage an die traditionelle Arbeitswelt. Wie weit die Flexibilität geht, kann jedes Unternehmen, jeder Freiberufler, jeder Selbstständige für sich und seine Mannschaft selbst entscheiden. Die Lage spielt für das Thema Coworking und Reisen eine wichtige Rolle, ob Bahnhof, Flughafen oder Innenstadt, je nach Anforderung haben alle Treffpunkte ihre Vorteile.

Ein Personalberater aus Stuttgart etwa, der für internationale Firmen internationale Kandidaten sucht, bevorzugt die edlen Konferenzräume am Frankfurter Flughafen, dem Verkehrsdrehkreuz in Deutschland. Bei „CoWorkPlay“ finden all diejenigen ein „Zuhause“, die nicht im Homeoffice arbeiten wollen, sondern den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen brauchen oder auch über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg Anreize suchen.

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