Ceriecon: Finale für Startups aus sieben EU-Ländern

CerieconPitch & Play Time hieß im Stuttgarter Theaterhaus das Startupfinale des EU-Programms Cerilecon. Foto: Lichtgut/Piechowski

Im Theaterhaus Stuttgart hat das erste Finale des EU-Innovationsprojekts Ceriecon stattgefunden. Startups mit meist studentischen Teams aus sieben zentraleuropäischen EU-Ländern konkurrierten in den Kategorien Soziales und Kommerz.

Theaterhaus und Startups? Das sind nicht unbedingt zwei Begriffe, die zusammenzugehören scheinen. Und sei es auch nur, weil in dem Kulturtempel ein öffentlich zugängliches WLAN noch nicht Standard ist. Doch im Rahmen eines neuen europäischen Wettbewerbs haben am Freitag dort Startups aus sieben Ländern ihre Bühne gefunden. Stuttgart ist Teil des zentraleuropäischen Innovationsnetzwerks Ceriecon, das den Gründergeist vor allem von Studenten fördern soll.

Die  Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS)  ist zusammen mit der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) mit der Kreativbranche ins Rennen gegangen – ganz bewusst einmal nicht mit den von der heimischen Wirtschaft stark gestützten Technologieprojekten aus Industrie . Das Ziel der europäischen Kooperation ist auch ausdrücklich, soziale Entrepreneure zu unterstützen. In Stuttgart gab es deshalb zwei Wettbewerbskategorien: eines für gewinnorientierte Gründer und eine andere für Startups mit einer sozialen oder ökologischen Motivation.

Stuttgarter Teams werden von der HdM betreut

Eines der beiden Stuttgarter Teams, die alle aus dem HdM-Startup-Programm Sandbox stammen, beschäftigte sich mit der Frage, wie man Amateur-Sportvereinen ein Internetwerkzeug an die Hand geben kann, das es erlaubt, sich im Netz besser zu präsentieren – etwa Videos, Spielergebnisse und Tabellen besser einzubetten (Dein­klub).

„Das Bemerkenswerte daran ist, dass die beiden im Team keine Akademiker, sondern gelernte Medienfachwirte sind“, sagt die HdM-Startup-Betreuerin Magdalena Weinle. Diese Gruppe falle bei der bisherigen Star-up-Förderung oft durch den Rost. Das zweite Team namens Screenink Studio beschäftigte sich mit der Spieleentwicklung in virtueller Realität. Doch ins finale Duell schaffte es nach der Vorauswahl keines der beiden Stuttgarter Projekte.

Ceriecon unterscheidet die Kategorien Soziales und Kommerz

Im Finale konkurrierten in der Kategorie Soziales ein österreichisches Startup, das spezielle Spielplatzgeräte für Rollstuhlfahrer entwickelt, mit dem tschechischen Projekt eines speziellen Gesundheitsarmbands, das etwa bei älteren und pflegebedürftigen Menschen Alarm bei potenziellen Problemen schlägt. Das heimste letztlich auch den Sieg ein.

In der Abteilung Kommerz war der Kontrast groß. Ein Make-up-Armband aus Kroatien für professionelle Schminkspezialisten im Fernsehen und Theater konkurrierte mit einem polnischen Projekt für Minisatelliten für die Erdbeobachtung. Hier will man Hunderte Minisatelliten zur Umweltüberwachung ins All schicken – der erste Start wäre für 1,3 Millionen Euro zu haben. „Sie greifen nach dem Mond“, sagte ein Mitglied der international besetzten Jury. Es reichte für Platz eins. Der Präsentator aus Krakau hatte sich auf den US-Entrepreneur Elon Musk berufen, der mit großen Visionen erfolgreich war.

Gründergeist ist  so wichtig wie Technologie

Doch genau um solche Inspirationen geht es. Jede Startup-Gruppe ist einmal in einer der Partnerstädte zu Gast und nimmt einmal für eine Woche ein ausländisches Team auf. „Wir brauchen unterschiedliche Ansätze – aber wir müssen die verschiednen Ansätze miteinander verbinden“, sagte der HdM-Rektor Alexander Roos zum Finale. Baden-Württemberg sei zwar beim Thema Innovation laut einem EU-Ranking in Europa die Nummer eins, aber beim Thema unternehmerische Dynamik liegt man laut derselben Untersuchung nur auf Platz 42.

„Wir versuchen hier einen Ansatz, der von den Studenten ausgeht, nicht von der Forschung“, sagt Roos. Wir müssen viel schneller in Produkten denken. Vor jeder Gründung stehe erst einmal unternehmerisches Denken – und wer dieses gelernt habe, sei auch dann, wenn er selber kein Startup gründe, für etablierte Unternehmen ein begehrter Mitarbeiter.

Die europäische Startup-Initiative Ceriecon
Stuttgart war Austragungsort des ersten Finales der neuen EU-Initiative Ceriecon. Das Ziel dieses Projektes ist, regionale Innovationsökosysteme in Zentraleuropa zu stärken. Federführend ist in der aktuellen Teilnehmergruppe das österreichische Wissenschaftsministerium. Je eine Stadt oder Region und eine Hochschule spannen sich zusammen. Drei Jahre lang werden in einjährigen Runden jedes Mal mehr als 50 Startups in der Frühphase begleitet.
In Stuttgart werden zehn Startups im Rahmen des Projektes Sandbox an der Hochschule der Medien (HdM) ein Jahr lang betreut. Die in Stuttgart präsentierten Teams stammten aus Deutschland, Italien, Kroatien, Österreich, Polen, der Slowakei und der tschechischen Republik. Als Preis winkte den Siegern die kostenfreie Büronutzung für ein Jahr.

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