BlickshiftDas Team von blickshift (Foto: blickshift)

Ende September findet in Karlsruhe das CODE_n new.New Festival statt – initiiert vom Stuttgarter IT-Dienstleister GFT Technologies. Die Interviews mit den Finalisten des Startup-Wettbewerbs gibt es hier. Heute: blickshift aus Stuttgart.

blickshift fokussiert sich auf Blickverlaufsanalysen für die Automobilbranche und ergatterte kürzlich einen der begehrten Plätze im Accelerator-Programm der „StartupAutobahn“ von Daimler, der Universität Stuttgart und Plug & Play aus dem Silicon Valley. Die Kernkompetenz des Startups liegt im vollautomatisierten Eye-Tracking. Unter den 385 Bewerbungen des diesjährigen CODE_n Startup-Wettbewerbs hat es das junge Unternehmen unter die Top 52 Finalisten geschafft und wird im September beim CODE_n new.New Festival im Cluster „Connected Mobility“ mit dabei sein, das Hewlett Packard Enterprise als Pate unterstützt. Mithilfe der gewonnenen Daten will das Team um Mitgründer Michael Raschke die Welt ein Stück komfortabler und sicherer machen. Wie? Das verrät er im Gespräch mit Anja Ebert von CODE_n.

Michael, wie würdest Du Dein Startup in einem Satz beschreiben?

Blickshift bietet neue Lösungen zur vollautomatisierten Analyse des menschlichen Blickverhaltens – bspw. von Autofahrern – an.

Ihr konzentriert euch also aktuell auf die Automobilbranche. Welches Problem löst Ihr denn konkret und was macht eure Geschäftsidee besonders?

Ja, ein klarer Fokus ist Gold wert – wir können die Technologie dann zu einem späteren Zeitpunkt auf zahlreiche Anwendungsbereiche erweitern. Stellen wir uns nun folgende Situation vor: Ein Autofahrer ist im Straßenverkehr unterwegs und erreicht eine dicht befahrene Kreuzung. Mit Hilfe unserer Software können Automobilfirmen Fahrassistenzsysteme entwickeln, um den Fahrer vor Gefahren zu warnen, die er selbst entweder zu spät oder gar nicht wahrnimmt. Für die vollautomatisierte Analyse des Blickverhaltens setzen wir hochaktuelle Erkenntnisse aus dem Forschungsgebiet der Visual Analytics ein.

Das klingt nach einem Big-Data-Ansatz, korrekt? Wer kauft Euer Produkt, welche Zielgruppe sprecht Ihr an?

Unsere Zielgruppe sind Firmen im Automobilbereich, also die Autobauer selbst, aber auch ihre Zulieferer und Institute, die auf diesem Gebiet forschen. Daneben werden wir unsere Produkte auch im Bereich der Marktforschung anbieten, die ja das klassische Einsatzgebiet der Eye-Tracking-Technologie darstellt.

Ihr habt Euch für den Firmentitel Blickshift entschieden – welche Idee steckt hinter diesem Namen?

Blickshift steht für unsere Kerninnovation, mit der unsere Kunden einen anderen Blick auf ihre Daten erhalten.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Ihr und wie finanziert Ihr das Unternehmen?

Wir sind aktuell zu dritt – zwei Informatiker und ein Physiker. Unser Startup wurde zu Beginn mit einem EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert. Aktuell unterstützt uns die Junge-Innovatoren-Förderung des Landes Baden-Württemberg. Mit dem Innovationscampus von CODE_n haben wir zudem nicht nur einen abwechslungsreichen sondern auch kostengünstigen Standort innerhalb eines idealen Netzwerks inmitten digitaler Pioniere gefunden.

Und warum habt Ihr Euch für diesen Standort entschieden?

Naja, streng genommen hat sich CODE_n für uns entschieden. (lacht) Wir haben uns im Sommer 2015 als Startup für die CODE_n SPACES beworben und hatten richtig Glück, ein Büro zu ergattern. Zum einen gefällt uns das Konzept: Gerade die Mischung aus Corporate-Innovations-Teams, Executives und Startups ist einmalig. Das führt zu extrem kurzen Weg zum Beispiel zu Entscheidern oder Mentoren – aber auch hinsichtlich spontaner Brainstormings mit anderen Gründern. Außerdem gibt es viele Netzwerk-Veranstaltungen, die von CODE_n organisiert werden. Diese können wir als Bühne ideal nutzen. Und natürlich das CODE_n-Team selbst. Wir haben von Anfang an so viel Unterstützung bei so vielen verschiedenen Dingen bekommen. Einfach super!

Als Doktoranden habt Ihr vor der Firmengründung am Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme der Universität Stuttgart gearbeitet. Was hat Euch letztlich dazu bewegt, eine Firma zu gründen?

Ganz klar: Als Unternehmen wollen wir spannende Lösungen und Methoden aus der Forschung in die „reale Welt“ bringen und so Innovationen mit Leben füllen und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Diese Motivation treibt uns täglich an.

Und wo geht es hin – wo seht Ihr Euch in fünf Jahren?

Das hängt stark davon ab, wie sich Eye-Tracking weiter verbreiten wird. Unser Geschäftsmodell hat zwei Stufen: Mit unserem „schwäbischen“ Unternehmen wollen wir hochinnovative Software schreiben. Auf dieser Basis aufbauend können wir dann auf Wachstum setzen. Unser primäres Ziel ist es, aufzuzeigen, wie innovativ und erfolgskritisch Eye-Tracking im Business-Umfeld sein kann. Schlussfolgernd erschließen wir so einen großen Absatzmarkt – auch über die Automobilbranche hinaus. Damit ergeben sich sehr viele, weitere spannende Geschäftsmodelle und Wachstumspotentiale für uns.

Was sind für euch die größten Herausforderungen, denen man sich als Gründer stellen muss?

Da gibt es sehr viele. Und da darf man sich als Gründer auch nichts vormachen. Gründer zu sein, das heißt, ganz am Anfang anzufangen. Dort wo es noch nichts gibt. Wie sagte Jochen Schweitzer in der Sendung „Höhle der Löwen“: Mit der Hand am Arm. Und so ist es tatsächlich. Das fängt bei kleinen aber doch weittragenden Entscheidungen wie der Logofarbe des Firmennamens an und geht über technische Fragen wie beispielsweise der Plattform, auf der das Produkt später laufen soll, über projektorganisatorische Fragen bis hin zur strategischen Ausrichtung.

Last but not least, was zeichnet aus Eurer Sicht eine Innovation aus?

Lass mich kurz darüber nachdenken. (Pause) Kurzum: Es existiert ein Problem und jemand findet speziell für dieses Problem eine Lösung. So bieten wir zum Beispiel eine sehr konkrete Lösung, um umfangreiche Daten des Blickverhaltens effizient zu analysieren. Dann gibt es aber auch die Innovation, die nicht direkt ein Problem löst, sondern einen komplett neuen Markt entstehen lässt: Das sind unserer Meinung nach perzeptionsbasierte Systeme, die mit Hilfe unserer Algorithmen entwickelt werden können.

Vielen Dank für die Einblicke, Michael!


 

Michael_Raschke_blickshift_PortraitDer Profilbogen

Mein Name ist Michael Raschke, Gründer von blickshift.

Ich bin aktuell 35 Jahre alt.

Der Morgen beginnt üblicherweise mit Tai Chi.

Inspirationen hole ich mir beim Netzwerken und in der Diskussion mit meinen Mitgründern.

Mein Arbeitstag hat in der Regel 9 Stunden.

Abschalten kann ich am besten beim Joggen und Gärtnern.

Gelernt habe ich, dass man Sachen einfach tun muss und Risiko zum Business dazugehört.

Ich bin Unternehmer, weil ich dadurch von A bis Z eine Idee umsetzen kann.

Meine Vision ist es, dass wir mit Blickshift das Autofahren komfortabler und sicherer gestalten.

Wenn ich nicht arbeite, findet man mich hier: Mit einem guten Science-Fiction-Buch in einem Liegestuhl.

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