Agile Unternehmen: Wider starre Strukturen

Agile Unternehmen: Wider den starren StrukturenLasst viele Ideen blühen, das ist das Motto in immer mehr Unternehmen - auch bei Moovel, wo man den Smart ergrünen ließ. Foto: Moovel

Getrieben von Digitalisierung und Globalisierung bringt die Arbeitswelt neue Regeln hervor – agile Unternehmen entstehen. Ein Kongress des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat gezeigt, wie das Unternehmen angehen.

Damit Unternehmen in einem Wettbewerb, der sich rasant verändert und international vernetzt ist, mithalten können, müssen sie flink sein. Sie müssen sich anpassen und auf Veränderungen und Chancen rasch reagieren können. Starre Strukturen, Hierarchien, Konkurrenzdenken oder eigenbrötlerische Mitarbeiter stehen da bloß im Weg. Flexibilität, Kreativität, Mut, Selbstorganisation, Netzwerke und Zusammenarbeit rücken in den Mittelpunkt.

Kulturwandel geschieht nicht von heute auf morgen

Für das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) ist das Thema Agilität deshalb für Unternehmen einer der Schlüssel für die Zukunft. Deshalb hat es in Stuttgart zum Forum „Die Transformation zum agilen Unternehmen“ eingeladen, bei dem Startups wie etablierte Unternehmen über Strategien diskutiert haben und erfahren, wie andere vorgehen. Schnell wurde klar: Ein Organisations- und Kulturwandel braucht Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Und ist harte Arbeit.  Die Führungskräfte müssen Vorbilder sein und die Mitarbeiter mitziehen. Der Weg zum agilen Unternehmen bedeutet auch, dass die Zahl der Führungskräfte reduziert und Aufgaben neu verteilt werden. Nicht jeder Mitarbeiter kommt damit zurecht.

Zum Beispiel Thyssenkrupp. In dem Industriekonzern hat ein radikaler Umbruch eingesetzt, nachdem er in der Banken- und Finanzkrise in eine Schieflage geraten war. Es müsse unbedingt an der Lehmschicht gekratzt werden, lautete im Jahr 2011 die Devise. Wenn äußere Umstände ein Unternehmen derart brutal treffen, könne intern etwas nicht stimmen. Ein Organisations- und Kulturwandel wurde eingeläutet. Die Führungsspitze wurde ausgetauscht, Sparten wurden verkauft, die Marke erhielt ein neues Gesicht. In Workshops fragte man Mitarbeiter und Kunden: Wofür steht Thyssenkrupp und wofür soll es stehen?

Premal A. Desai, Vorstandsmitglied der Thyssenkrupp Steel Europe, ist dabei aber  in vielen Situationen anfangs auf Grenzen und Unverständnis gestoßen. Zum Beispiel, als er Mitarbeiter von Duisburg in das Betahaus in Berlin entsenden wollte. In dem Coworking-Space nutzen Freiberufler gemeinsam Büros und Schreibtische. Dort trifft sich auch die Berliner Startup-Szene. Die Duisburger sollen sogar gemeinsam in einer Wohngemeinschaft leben und sich im Betahaus inspirieren lassen. „Beinahe wäre das Projekt an fehlenden Genehmigungen des Unternehmens gescheitert“, sagte Desai. Eine WG? Das gab es im Beschaffungswesen noch nie. Die Arbeitsplätze im Betahaus sind heute überaus beliebt.

Agile Unternehmen handeln pramatisch

Ähnliche Erfahrungen macht Bernhard Steffens, Geschäftsführer des  IT-Partners für den Reisevertrieb im Internet und im Reisebüro, Traveltainment. Der Blick in die Zukunft zeigte ihm vor drei Jahren, dass sich unbedingt etwas ändern muss. „Wir hatten ein super Ergebnis. Doch wir waren nicht innovativ. Die Mitarbeiter hatten Angst, ihre Ideen zu äußern und die guten Mitarbeiter sind gegangen“, sagte Steffens.

Nachdem er seinen Mitarbeitern klar kommuniziert hat, wohin das  neue, agile Unternehmen sich entwickeln möchte und wie das gelingen soll, seien viele mitgezogen. „Ich brauche die richtigen Leute in den richtigen Projekten zu den richtigen Themen“, sagte Steffens. Auch seine Rolle hat sich verändert: Er sieht es heute als seine Aufgabe an, den Weg vorzuschlagen und dann seine Mitarbeiter eigenverantwortlich machen zu lassen. Dazu bilden sie zum Beispiel sogenannte agile Teams. „Die Mitarbeiter bestimmen selbst, wie und mit wem sie arbeiten“, sagte Steffens. Er rät Unternehmen, sich unbedingt externe Experten mit ins Boot zu holen. Und bloß keine Bücher über die Transformation zum agilen Unternehmen zu lesen. „Am besten lernt man etwas, indem man es tut“, sagte Steffens.

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