AD-Case: Smartphone-Airbag made in Aalen

Smartphone-AirbagPeter Mayer (links) und Philip Frenzel wollen mit ihrer Erfindung groß durchstarten. Foto: AD-Case

Die Studenten Philip Frenzel und Patrick Mayer haben eine  Smartphone-Airbag entwickelt und damit einen Volltreffer gelandet. Die Idee der beiden Tüftler aus Aalen stellt derzeit die Technikwelt auf den Kopf.

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und es ist passiert. Das geliebte Smartphone liegt auf dem Boden und der Bildschirm gleicht einem Spinnennetz aus Glas- und Plastiksplittern. Eine Situation, wie sie unzählige Handy-Besitzer nur zu gut kennen. Geht es allerdings nach Philip Frenzel und Peter Mayer, gehört dieses Szenario bald der Vergangenheit an – denn sie haben einen Smartphone-Airbag entwickelt.

Die beiden Aalener Tüftler haben eine innovative Smartphone-Schutzhülle entwickelt, die dank vier heraus schnappender Plastikkrallen ähnlich wie ein Auto-Airbag funktioniert. AD-Case heißt die Erfindung der beiden Mittzwanziger, welche gemeinsam das Startup „Frenzel + Mayer Solutions“ gegründet haben. Auf die Idee für den Smartphone-Airbag kam der 25-jährige Frenzel vor vier Jahren, als sein iPhone nach einem Sturz trotz Hülle nicht nur Risse im Display bekam, sondern komplett schrottreif war. Sein Erfindergeist war geweckt und der Student begann sich Gedanken über eine „intelligente“ Schutzhülle zu machen.

Erfindergeist und Durchhaltevermögen

Zunächst experimentierte Frenzel im heimischen Bastelkeller mit Luftkissen aus Schaumstoff herum und verwarf etliche Entwürfe. „Da war Durchhaltevermögen angesagt“, beschreibt er die Anfänge des Projekts. Vor zweieinhalb Jahren reifte dann die finale Idee und das Startup zog in die Räumlichkeiten des Innovationszentrums an der Hochschule Aalen. Während des Entwicklungsprozesses fanden die beiden Gründer mehr oder weniger über einen Zufall zusammen – ihre Partnerinnen sind Cousinen. In Aalen studierte Mayer Industrial Management, während Frenzel gerade seinen Master in Mechatronik macht. Momentan stecken die beiden Erfinder in der Beta-Phase des Projekts Smartphone-Airbag: Mithilfe eines 3D-Druckers entwickeln sie weitere Prototypen, die aktuell von Freunden und Familienangehörigen mit Blick auf Verfeinerungen getestet werden.

Das Video zeigt den Smartphone-Airbag in Aktion:

Powerbank und Smartphone-Airbag zugleich

Doch wie genau funktioniert die AD-Case? Die Abkürzung AD (engl.: Active Damping) steht für „aktive Dämpfung“ und das Grundprinzip der Erfindung. „Die Hülle misst die Erdgravitation“, erklärt Frenzel und erkennt dadurch, wenn das Gerät Richtung Fußboden segelt. Die Sensorik entriegelt die vier Dämpferfüßchen, welche aufklappen und das Smartphone beim Bodenkontakt abfedern. Handy und Hülle sollen Stürze aus bis zu zwei Metern Höhe ohne Schaden überstehen. Danach lassen sich die Füßchen einzeln per Hand wieder in die 4,9 Millimeter breite Hülle eindrücken. Darin ist zudem ein Akku integriert, der das ausgeschaltete Smartphone bei Bedarf mit bis zu 20 Prozent mehr Laufzeit versorgt. Auch das neue kabellose Laden (Wireless Charging) der neuen Smartphone-Generation mit induktiver Energieübertragung wird unterstützt. Die Hülle selbst lässt sich zusätzlich mit einem iPhone-Ladekabel verbinden.

Die Gespräche mit Investoren laufen

Nach jetzigem Stand ist die Hülle nur mit Smartphones der Marke Apple (iPhone 6, 6S, 7, 8 und X) kompatibel. „Wenn die Hülle vom Kunden angenommen wird, weiten wir die Produktpalette aus“, sagt Frenzel. Ab Ende Juli will das Duo über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanzielle Mittel für die Serienproduktion aus Kunststoffspritzguss sammeln. Derzeit führen die beiden Schwaben bereits Gespräche mit möglichen Lieferanten und Investoren. Dabei profitiert das Startup davon, dass Frenzels Bachelorarbeit über das Projekt mit dem diesjährigen Mechatronik-Preis der Deutschen Gesellschaft für Mechatronik ausgezeichnet wurde.

Seitdem einige Technikportale darüber berichtet haben, können sich die beiden Erfinder kaum noch vor Presseanfragen retten. „Eine positive Überraschung und einen guten Rückhalt vorab“ – so ordnet Frenzel den aufkommenden Hype ein. Ob sich denn schon Apple bei dem schwäbischen Zwei-Mann-Startup gemeldet habe? Dazu will der Mechatroniker von der Ostalb erst einmal nichts sagen.

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