Yahoo findet ein Ende mit Schrecken

YahooEine glückliche Figur hat Yahoo schon lange nicht mehr gemacht. Screenshot: Yahoo

Das Schicksal von Yahoo erinnert daran, dass im Online-Zeitalter die Dominanz eines Unternehmens nicht in Stein gemeißelt ist, auch wenn die Rivalen Facebook und Google zurzeit unanfechtbar erscheinen. Ein Nachruf.

Was für ein Abstieg! Früher galt Yahoo als hipper Web-Katalog und Foren-Anbieter und ein Mail-Account zählte zum Standard –  jetzt ist es  ein Resteposten, von dem der  übrig gebliebene Teil  in Altaba umbenannt werden soll. Vom einstigen Internetpionier  bleibt damit ein Investmentunternehmen übrig, das vor allem von seiner 15-prozentigen Beteiligung am  chinesischen Online-Riesen Alibaba profitiert.
Der Niedergang Yahoos spiegelte sich in den vergangenen Jahren im schnellen Abstieg seiner Chefin Marissa Mayer wider. Diese hatte bei Google einst die Entwicklung von populären Diensten wie Google Mail oder Google Maps verantwortet und galt bei ihrem Wechsel  2012 als Hoffnungsträgerin und IT-Frau der Stunde. Doch auch Mayer schaffte es nicht, den schlingernden Gemischtwarenladen Yahoo klar zu positionieren. Rivalen wie Google und Facebook sicherten sich nicht nur das Gros der Online-Werbeeinnahmen, sondern eroberten neue attraktive Geschäftsfelder. Bei Yahoo aber war nicht einmal klar, ob es vor allem ein Medien- oder Technologieunternehmen sein wollte.

Yahoo konnte keine Zukunftsfelder erschließen

Mayer versagte beim Versuch, strategische Zukunftsfelder zu  erschließen. Startup-Käufe blieben weitgehend wirkungslos, die Milliarden-Übernahme des Blogdienstes Tumblr entpuppte sich als Fehlkauf. Trotz einer Milliarde Yahoo-Nutzer stiegen zuletzt die Verluste, wurden Standorte geschlossen und Tausende Mitarbeiter mussten gehen. Das Webgeschäft wurde für ein paar Milliarden Euro an den US-Telekomkonzern Verizon verkauft.
Es ist eine desaströse Bilanz, die jetzt darin gipfelt, dass genau dieser Deal wegen Yahoos Datenskandalen noch scheitern oder der Preis noch nachträglich gedrückt werden könnte.  Denn bis vor wenigen Monaten hatte Yahoo verheimlicht, dass 2013 mehr als einer Milliarde und 2014 eine halbe Milliarde Nutzerkonten von Datendiebstahl betroffen waren. Mitarbeiter warfen Mayer daraufhin vor, zu wenig in die Sicherheit der Produkte investiert zu haben.
Damit hinterlässt Mayer   nicht nur eine Hypothek für den Verizon-Deal,  sondern vor allem für die Nutzer. Denn diese wissen  meist nicht, ob mit ihren Daten Schindluder getrieben wurde oder noch wird.  Das hat nicht nur das Vertrauen in Yahoo untergraben  – es hat auch der Glaubwürdigkeit  einer ganzen Branche geschadet.

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