Wie Künstliche Intelligenz im Alltag ankommt

Künstliche Intelligenz im AlltagDas rote Auge des intelligenten Supercomputers HAL 9000 in Stanley Kubricks Film "2001 -Odysee imn Weltraum". Foto: xxxx

Künstliche Intelligenz im Alltag – das fällt inzwischen kaum mehr auf. Statt unheimlich intelligenten Robotern sind die klugen Systeme der Zukunft sind eher Spezialisten als umfassende Konkurrenz für den Menschen.

Das Thema künstliche Intelligenz hat auch die jetzt zu Ende gehende IT-Messe Cebit. Vor einem Jahr hatte der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) seine Mitglieder bei seiner alljährlich in Hannover vorgestellten Umfrage zu den wichtigsten technischen Trends nach diesem Stichwort noch nicht einmal gefragt. Bei der aktuellen Umfrage hat sich das Thema mit 55,7 Prozent der Antworten wie aus dem Nichts auf den ersten Platz katapultiert – noch vor dem gerade für deutsche Ingenieure so zentralen Stichwort der digitalen Industrie 4.0. Doch das liegt weniger daran, dass diese Computertechnologie im vergangenen Jahr gewaltige technologische Revolutionen erlebt hat. Es spiegelt vielmehr die Tatsache, dass eine Fähigkeit, die immer noch mit dem eigenwilligen Supercomputer HAL aus dem vor einem halben Jahrhundert entstandenen Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ in Verbindung gebracht wird, im Alltag angekommen ist.

Die Revolution kommt als Evolution daher. Bereits bekannte Anwendungen werden immer perfekter – allerdings damit für den Nutzer am Ende weniger wahrnehmbar. Künstliche Intelligenz, das sind heute nicht mehr vor allem Supercomputer nach dem Muster des  IBM Watson. Künstliche Intelligenz umfasst letztlich alle Systeme, die nicht nur vorprogrammierte Routinen abarbeiten, sondern die gleichzeitig auch in der Lage sind, aus vorhandenen Daten Schlüsse zu ziehen. Häufig, aber nicht zwingend bedeutet das, dass der Computer aus Erfahrungen lernen kann. Das kann auch nur heißen, für einen Kunden die richtige Zahnversicherung zu finden, wie auf dem Hannoveraner Stand von IBM zu besichtigen ist. „Wenn heute irgendwo künstliche Intelligenz drinsteckt, merken Sie das doch gar nicht mehr“, sagt Ingolf Wittmann, Technischer Direkter von IBM.

So schlau muss Künstliche Intelligenz im Alltag gar nicht sein

Auch beim Walldorfer IT-Konzern SAP spricht man davon, dass künstliche Intelligenz heute in jeder Software steckt. „Das vergangene Jahr hat aus unserer Sicht den Durchbruch bei den Nutzern gebracht“, sagt auch Oliver Oursin vom US-amerikanischen Cloudanbieter Salesforce. „Heute müssen wir künstliche Intelligenz nicht mehr von uns aus anbieten – die Kunden kommen mit immer komplexeren Fragen auf uns zu.“

Alle Anbieter von IBM bis SAP diskutieren auf der Cebit eher Anwendungsbeispiele als die Technologie. Ein Beispiel ist die seit Jahren propagierte „vorausschauende Wartung“. Von der Prognose, wann eine Maschine voraussichtlich wartungsbedürftig ist, entwickelt sich das Ganze hin zur Steuerung eines gesamten Prozesses: von der Bestellung eine Ersatzteils über die Auswahl des richtigen Technikers bis hin zum Vorschlag eines besseren Wartungsvertrages.

Die Spracherkennung ist nur die Spitze des Eisbergs

Bei den immer präsenteren Sprachassistenten wie Alexa von Amazon oder Siri von Apple ist künstliche Intelligenz, die Spracherkennung erst möglich macht, vergleichsweise sichtbar. Aber es verlaufe heute kaum noch eine Bestellung oder ein Kundengespräch, ohne dass im Hintergrund ein intelligentes System aktiv sei, sagt Salesforce-Experte Oursin.

Ein Trend für Künstliche Intelligenz im Alltag ist erkennbar: Die Technologie setzt sich dort durch, wo sie ergänzend zum Menschen eingesetzt wird. „Ein System mit künstlicher Intelligenz wird Ihnen Empfehlungen geben – aber die letzte Entscheidung fällt der Mensch“, sagt Wittmann. Ein Beispiel ist etwa die Auswertung von medizinischen Daten. Ein intelligenter Computer kann heute ein Röntgenbild so gut wie, wenn ich nicht sogar besser interpretieren als ein Mensch. Doch Diagnosen und Behandlungspläne kann er nicht erstellen.

Künstliche Intelligenz  im Alltag braucht Menschen als Partner

„Ich glaube, dass immer mehr Menschen erkennen, dass die Befürchtung, künstliche Intelligenz könne den Menschen ersetzen, unbegründet ist“, sagt Oursin. Letztlich passiere nichts anderes als bei anderen Wellen der Computerisierung und Automatisierung in der Vergangenheit. Über längere Sicht habe das sogar mehr Arbeitsplätze in Deutschland bedeutet.

Ähnlich wie bei den sogenannten kollaborativen Robotern funktioniert künstliche Intelligenz vor allem in einer Symbiose von Mensch und Computer. Die oft mit dem Begriff Intelligenz in Verbindung gebrachten Maschinen, die zum eigenständigen Lernen und Entscheiden fähig sind, brauche es im Alltag gar nicht immer, sagt Ingolf Wittmann von IBM. „Wenn es um das Thema Sicherheit geht, wollen Sie doch gar nicht, dass ein System Entscheidungen fällt, die Sie nicht kontrollieren.“ Oliver Oursin sieht das ebenso: „Nur zusammen mit dem Menschen wird die künstliche Intelligenz schlau.“

Dabei sei immer noch eher die Hardware ein bremsender Faktor als die theoretischen mathematischen Konzepte, die hinter der künstlichen Intelligenz stehen, sagt Wittmann. Für noch komplexere Antworten brauche es immer noch mehr Rechenpower. IBM entwickelt zurzeit deshalb einen sogenannten Quantencomputer, der auf der ­Manipulation von Elektronen beruht. ­Bestimmte Rechenoperationen können dort noch effizienter ausgeführt werden.

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