Wenigermiete.de: Miete sparen per Mausklick

wenigermiete.de: Miete sparen per MausklickAuf Wenigermiete.de kann man per Mausklick die Miete senken, so das Konzept von Frederik Gärtner (l.) und Daniel Halmer. Foto: wenigermiete.de

Das neue Portal Wenigermiete.de hilft Mietern, die Mietpreisbremse durchzusetzen. Das Angebot ist nun in  Stuttgart am Start.  Doch nicht nur die  Haus- und Grundbesitzerverein, sondern auch der Mieterbund ist skeptisch.

Die Rechtsanwälte Frederik Gärtner  und Daniel Halmer haben ein Onlineportal gegründet, das Mietern helfen soll, die Mietpreisbremse durchzusetzen. Durchschnittlich 230 Euro monatlich zahlen Mieter zu viel. Das sagen die Gründer der Online-Plattform „wenigermiete.de“ – und wollen das ändern. Wohnraum in Stuttgart ist knapp und teuer. Die Mieten steigen, trotz der im November 2015 in Kraft getretenen Mietpreisbremse. Die Zahlen zeigen: Kaum ein Mieter fordert sein Recht gegenüber dem Vermieter ein.
Ein Berliner Startup will das ändern und expandiert sein Internetportal auf die Landeshauptstadt. Auf  Wenigermiete.de können Mieter mit ein paar Mausklicks ihre Miete senken, so das Konzept der Gründer Frederik Gärtner und Daniel Halmer. „Das Prinzip ist ganz einfach. Der Mieter füllt online ein Formular aus, in dem er Angaben zur Wohnung macht“, sagt Halmer. Den Rest übernimmt die Mietright GmbH, die hinter dem Onlineportal steckt: Der Mieter erhält eine E-Mail mit seinem Einsparpotenzial. Wenn er dann die GmbH mit der Durchsetzung der Mietpreisbremse beauftragt, erstellt diese ein sogenanntes Rügeschreiben an den Vermieter. Darin wird auf den Verstoß gegen § 556 d BGB hingewiesen – den Paragrafen, der seit Juni 2015 die Grundlage der Mietpreisbremse bildet. „Unser Ziel ist es immer, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen“, sagt Halmer.

Zur Not die Drohung mit dem Gericht

„Wenn der Vermieter allerdings gar nicht reagiert oder sich weigert, die Miete zu senken, obwohl er es gesetzlich müsste, gehen wir auch vor Gericht.“ Dabei geht es vor allem um die Herabsetzung der zukünftigen Miete. Zu viel gezahlte Miete kann erst von dem Tag an zurückgefordert werden, an dem das Rügeschreiben dem Vermieter zugegangen ist. Die Kosten für den Mieter sollen indes überschaubar bleiben – nur im Erfolgsfall erhebt die Mietright GmbH eine einmalige Gebühr in Höhe von einem Drittel der eingesparten Jahresmiete. „Wenn wir keinen Erfolg haben oder die Mietpreisbremse nicht greift, muss der Klient nichts zahlen“, versprechen die Gründer.
Ihre Klienten vor Gericht vertreten können die Geschäftsführer der Mietright GmbH nötigenfalls selbst: Gärtner und Halmer sind beide Rechtsanwälte. Als solche waren sie zwar ursprünglich nicht auf Mietrecht spezialisiert, aber: „Wir haben uns seit vergangenem Jahr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt“, sagt Halmer. „Damals wurde die Mietpreisbremse in der Presse ziemlich totgeschrieben.“ Das war Anlass für die beiden Juristen, sich das Konstrukt genauer anzusehen. Ihr Fazit: „In Wahrheit ist dieses Gesetz ein scharfes Schwert.“
Dass dennoch nur wenige Mieter davon Gebrauch machen, liegt laut Halmer vorrangig daran, dass viele sich ihrer Rechte nicht bewusst seien. Andere hätten Angst vor der Reaktion des Vermieters. Dabei seien Mieter in Deutschland gesetzlich sehr gut geschützt. „Eine Kündigung riskiert nur, wer eigenmächtig die Miete kürzt. Die bloße Durchsetzung der Mietpreisbremse genügt nicht als Grund“, erklärt Halmer.  Konkurrenz zu Mietervereinen treten möchten die Anwälte mit ihrem Angebot nicht, im Gegenteil. In Zukunft seien Kooperationen mit derartigen Vereinigungen denkbar, beispielsweise in Form vergünstigter Konditionen für die Mitglieder. Durchschnittliches Sparpotenzial: 230 Euro im Monat.

Haus- und Grundbesitzerverein: „windiges Geschäftsgebaren“

Beim Mieterverein Stuttgart allerdings stößt das auf wenig Gegenliebe. „Wir halten das nicht für seriös“, sagt  der Vorsitzende Rolf Haßmann. Den Online-Anwälten fehle die Ortskenntnis, auch den angegebenen Zahlen traue er nicht. Er kenne aus den vergangenen anderthalb Jahren aus Stuttgart nur drei oder vier Fälle, in denen die Mietpreisbremse gegriffen habe. Es gebe leider zu viele Ausnahmen von der Regelung.  Das gesamte Prozedere, das auf der Online-Plattform kostenpflichtig sei, bekämen  Mitglieder beim Mieterverein zudem kostenlos.
Kritik kommt auch vom Haus- und Grundbesitzerverein  Stuttgart. Geschäftsführer Ulrich Wecker hält das Ganze für  „windiges Geschäftsgebaren“ und wenig hilfreich. „Das ist ein Aufbauschen, wo es nichts gibt und der Versuch, Streit zu säen, um damit Geld zu verdienen.“ Wenn es Probleme gebe, würden diese zwischen den Mieter- und Vermieterverbänden geklärt. Ihm persönlich sei kein Fall bekannt, in dem in Stuttgart überhöhte Mieten verlangt würden, auch nicht aus der Rechtsberatung.
Mit ihrem Online-Portal Wenigermiete.de sind Halmer und Gärtner Ende 2016 in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln und München an den Start gegangen, seit Ende März gibt es die Plattform auch für Stuttgart. Bisher haben nach Auskunft der Gründer etwa 7000 Kunden ihre Daten zur Bewertung abgegeben.
Wie viele Aufträge daraus entstanden sind, möchte das Unternehmen derzeit nicht preisgeben. „Wir warten, bis die ersten repräsentativen Zahlen vorliegen“, kommentiert Halmer. Nur so viel: Bei 77 Prozent der Datensätze konnte ein Einsparpotenzial ermittelt werden. Etwa 230 Euro könne jeder Mieter demnach im Durchschnitt monatlich sparen.

Wenigermiete.de nutzt den Hebel des Gesetzes

Einige außergerichtliche Einigungen seien bereits erzielt worden, ein paar Fälle seien vor Gericht gelandet. Geschäftsführer Halmer über die Expansionspläne: „Jetzt wird skaliert“. Ob die beiden Gründer künftig von ihrer Idee leben können? „Das muss sich zeigen“, räumt Halmer ein. Doch er zeigt sich zuversichtlich.
Noch in diesem Jahr soll Wenigermiete.de auf mindestens 20 weitere Städte erweitert werden. Zunächst soll es in Frankfurt, Bonn, Münster und Jena verfügbar gemacht werden, weitere Gemeinden in Ballungsgebieten und an Studienstandorten sollen folgen. „Das Interesse in den ersten Monaten war enorm, jetzt heißt es skalieren“, sagt der Geschäftsführer.
Erweitern möchten Halmer und Gärtner auch ihr Portfolio: Bald sollen Mieter über die Plattform ebenfalls Kosten für Schönheitsreparaturen sowie einbehaltene Kaution zurückfordern können. Dort sieht Halmer häufig Probleme im Mieter-Vermieter-Verhältnis – und somit Potenzial für sein Unternehmen.

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