Weberle: Strumpfhosen aus dem Automaten

Strumpfhosen aus dem Automaten; WeberleVakuumverpackung für Strumpfhosen - so sieht es aus. Screenshot: IdeenwerkBW

Das Startup Weberle liefert Strumpfhosen aus dem Automaten. Zielgruppe sind vor allem Firmen mit Bekleidungsvorschiften für Mitarbeiterinnen. Am Werk sind hauptsächlich Männer.

Axel Weber ist Strumpfhosenexperte. Angefangen hat es für den gebürtigen Stuttgarter Ende der neunziger Jahre, bei seiner Ausbildung am Berliner Hotel Adlon am Brandenburger Tor. „Jeden Tag, als ich in der Kantine saß, habe ich beobachtet wir die Tür aufgeht und eine gestresste Kollegin, die gerade zum Room Service oder zum Termin musste, hineinruft: Meine Strumpfhose ist kaputt, hat jemand eine für mich?“, erzählt Weber.

Der Gipfel war für ihn allerdings eine Szene im Aufzug. Eine Kollegin stand neben Weber und versuchte, viel zu große, halterlose Strümpfe mit einem Einmachgummi aus der Hotelküche  zu fixieren – es war der einzige Strumpfhosenersatz, den sie von einer Freundin leihen konnte.

Strumpfhosen aus dem Automaten – mit Vakuum

Zehn Jahre später wurde im Jahr 2007 das Startup Weberle geboren. Die Idee, die auf diesen Erfahrungen fußte, ging an den Start: Ein Strumpfhosenautomat, gerade für Notfälle wie im Aufzug des Adlon. Eine Weile kämpfte Weber mit der praktischen Umsetzung, bis er seinen Schwiegervater, einen Koch, in der Küche beim Vakuumieren beobachtete. Die Vakuumverpackung für Strumpfhosen, die Weber für seine Automaten entwickelte, hat der 43-Jährige inzwischen patentieren lassen. Nur so werden Strumpfhosen aus dem Automaten möglich.

Die Automaten liefert er an Hotels, Fluglinien, Flughafenbetreiber – vor allem also an Betriebe, wo Strumpfhosen zur weiblichen Uniform gehören. Alle in Einheitsgröße, um es praktisch zu halten. Damit seien laut Weber 90Prozent der Kundinnen versorgt. Motto: „Wir machen deiner Karriere Beine“. Inzwischen stehen 74 Weberle-Automaten an 64  Standorten in Deutschland, Österriech und der Schweiz. 2018 soll auch Frankreich dazu kommen.

Männer bestimmen bei einem Frauenthema

Obwohl sein Zielpublikum weiblich ist, arbeiten in Webers Berliner Firma „im Großen und Ganzen Männer“. Auf der Frage, warum es so sei, sagt er: „Es geht um Automationssysteme. Es ist ein technisches Thema, und technische Themen sind Männerdomaine“. Auch in der Akquise, die über die Bestellung der Automaten und deren Inhalt entscheidet, habe Weber hauptsächlich mit männlichen Vertretern zu tun. Es sei schon manchmal schräg – zwei Männer, die sich über Strumpfhosenmuster unterhalten.

Weberle ist kein Einzellfall. Laut einer Studie des Mannheimer Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) von 2016, hatten Startup-Gründerteams lediglich einen Frauenanteil von rund 26 Prozent. Laut dem Deutschen Startup Monitor, steigt die Anzahl der Unternehmensgründerinnen zwar von Jahr zu Jahr, betrug aber 2016 nur 13,6 Prozent.

Die Startup-Szene ist immer noch überwiegend männlich. Quelle: Statista.

Obwohl die ungleichen Bekleidungsvorschriften für Männer und Frauen Webers Geschäftsmodell am Leben halten, sieht auch er die Problematik darin. „Frauen haben einen klaren Nachteil“, sagt er. „Ich als Mann verbrauche vier Paar Söckchen im Jahr. Eine Hotelmitarbeiterin oder Flugbegleiterin gibt dagegen jedes Jahr circa 120 Euro für Strumpfhosen aus.“ Er fände es angebracht, wenn Arbeitgeber, die Strumpfhosen fordern, dies komplett subventionierten.

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER