Was an Facebook nervt – im Vergleich zu Twitter

Facebook nervt; Twitter

Warum ist mir Twitter als Dienst sympathischer als Facebook, wenn ich es professionell nutze? Das soziale Netzwerk generiert zwar mehr Reichweite  – aber es bevormundet den Nutzer viel stärker als der Kurznachrichtendienst.  Facebook nervt.

Twitter hat es in jüngster Zeit nicht leicht. Im Vergleich zu dem unaufhaltsam expaniderenden Facebook scheint der Dienst in einer  Nische gefangen zu sein. Der neue Chef Jack Dorsey ist letztlich der alte: Er war bei der Gründung dabei, trat dann in den Hintergrund – und soll es nun wieder richten. Vorschläge gibt es viele, wie der Dienst sich aufpeppen ließe: Mehr Videoinhalte beispielsweise oder eine Aufhebung des klassischen Limits von 140 Zeichen für die Kurznachrichten. Als jemand, der im Zusammenhang mit diesem Blog sowohl Twitter als auch Facebook sehr intensiv zu nutzen begonnen hat, frage ich mich warum man eigentlich einen großen Vorteil des Kurznachrichtendienstes nicht hervorherbt: Wenn man ihn allein als Nachrichtentool nutzt und als Ziel eine schnellen, unverbindlichen Vernetzung mit Menschen hat, die ähnliche professionelle Interessen haben, ist er nicht zu schlagen. Das Missverständnis ist immer noch, dass man auf Twitter in 140 Zeichen gepresste, persönliche Botschaften und Sinnsprüche publiziert. Ehrlich gesagt, ödet das auf die Dauer eher an. Twitter ist ein Kurznachrichtendienst, der in einer raschen Übersicht schneller als jede Nachrichtenagentur Beobachtungen und Links (hoffentlich) kluger Leute transportiert. Die eigentliche Botschaft liegt erst beim Anklicken dahinter. Twitter liefert nur Hinweise.

Warum Facebook nervt – jedenfalls manchmal

Und das führt mich dazu, was an Facebook nervt, trotz seiner höheren Reichweite und Verbreitung: Das soziale Netzwerk erlaubt es zwar, rein professionelle Seiten zu erstellen. Aber in der Art und Weise wie diese „Pages“ in das Gesamtssystem eingebaut sind, wird deutlich, dass Facebook sich mit hoher Penetranz für den echten Menschen interessiert und meint, wir müssten uns möglichst als Personen miteinander verbinden. Das fängt mit der Klausel an, dass man sich mit dem echten Namen anmelden muss. Darin steckt natürlich das Interesse, dass Facebook immer und überall an unsere persönlichen Daten heranwill. Es ist kein Zufall, dass  Ärger über das soziale Netzwerk letzlich zu der problematischen, pauschalen Aufhebung des Safe-Harbor-Datenaustauschs der EU mit den USA geführt hat. Aber man hat bei der Nutzung von Facebook immer wieder den Eindruck bevormundet zu werden. So bald man den Namen einer Page ändern will, behält sich Facebook die Genehmigung vor.

Mit einer Page kann man persönliche Seiten nicht liken sondern man kann nur Links teilen. Es ist nicht möglich, bequem dieselben Inhalte auf beiden Kanälen, der Page und der persönlichen Seite gleichzeitig zu publizieren. Ich bin inzwischen dazu übergegangen, allen die mich auf  meiner (nicht mit Inhalten bespielten) persönlichen Facebook-Seite „frienden“ in einer persönlichen Nachricht das Liken meiner (aktiven) Page Geldner Neuland-Blog nahezulegen. Persönliche Seiten,  die unter dem Namen der betreibenden Person laufen, aber auf denen mich interessierende, professionelle Inhalte stehen kann ich als unpersönliche Page nicht folgen, sondern muss ein „Friend“ werden usw. Es geht hier  nicht um die Details. Vielleicht muss ich bei manchen  Facebook-Kniffen noch dazulernen. Es geht mir  um die vom sozialen Netzwerk penetrant verfolgte Philosophie der „Freundschaft“. Das ist  viel bohrender als die „Krake“ Google jemals werden kann.

Twitter lässt mehr Abstand zur Person

Und damit zurück zu Twitter: Selbstverständlich geht es  auch hier um monetarisierbare Daten. Und natürlich ist die totale Transparenz etwa zur Zahl der Follower und zu den Menschen, denen jedes Mitglied folgt, auch eine Information, die Rückschlüsse auf den Nutzer ziehen lässt. Aber wenn man will, kann man sich auf das professionelle Level zurückziehen und muss nicht als Person präsent sein. Follower sind keine Freunde, sie kommen und gehen – aber das heißt eben auch, dass sie schneller und internationaler auf einen aufmerksam werden. Eigentlich ein sympathischer Zug, der aber, wenn man die Gesamtzahlen zum Geschäft von Twitter und Facebook vergleicht, anscheinend nur einer Minderheit der Menschen interessiert. Solche relative Zurückhaltung erscheint im datenhungrigen Netz auch rein kommerziell nicht das lukrativste Modell zu sein.

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