Verbesserungsvorschläge für Startups – die Bilanz

Verbesserungsvorschläge für StartupsAuf dem Startup Gipfel BW wollte das Land im Juli die Vernetzung im Südwesten fördern. Foto: Lichtgut/Zweygarth

Nach dem Startup Gipfel BW im Juli haben IdeenwerkBW und die Uni Stuttgart-Hohenheim eine Baden-Württemberg-Umfrage unter Gründern publiziert. Hier nun die  Aufarbeitung der Verbesserungsvorschläge für Startups.

Einige Trends, etwa die deutliche Kritik am Gründer-Förderdschungel,  spiegelte schon der erste Blick auf die knapp 200 verwertbaren Antworten  im Juli wider. Die genauere Analyse, die im Rahmen des Hohenheim Entrepreneurship Research Briefs veröffentlicht wurde, zeigt nun, welche konkreten Verbesserungsvorschläge die Startups haben.

Die Vielzahl der Vorschläge von Startup-Unternehmern zur Weiterentwicklung der Gründungsförderung macht deutlich, dass es noch viele Stellschrauben gibt, um mehr Unternehmertum zu forcieren“, schreiben Andreas Kuckertz, Professor für das Fachgebiet für Unternehmensgründungen und Unternehmertum, und seine Mitarbeiterin Alicia Prochotta  in ihrem Fazit.

Verbesserungsvorschläge für Startups sind sehr differenziert

Kreativ ist beispielsweise die Idee, das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommen speziell für Gründer zu adaptieren. „Die Bezuschussung von Gehältern würde es Startups und jungen Unternehmen erleichtern, Mitarbeiter einzustellen und sich gegen gut bezahlende (etablierte) Unternehmen zu behaupten“, so referiert die Studie eine weitere nicht ins bisherige Förder-Raster fallende Idee.  Die Koppelung von Gründerförderung an Umsätze ist eine weiterer Gedanke. Auch eine Veränderung der Haftungsregelungen brachten die Befragten ins Spiel, damit nach einer gescheiterten Gründung nicht das ganze Privatvermögen auf dem Spiel geht.

Den Gründern geht es dabei gar nicht darum, dass der Staat nun eine Rundum-Sorglos-Absicherung bieten soll. Nicht eine quantitativ fehlende Förderung ist ihr Problem, sondern die Tatsache, dass viel zu viele Mitspieler an viel zu vielen Stellen Angebote machen. „Die Förderlandschaft in Baden-Württemberg gilt aus Sicht der Unternehmer als ,zerfleddert‘ und als ökonomisch wenig sinnvoll“, heißt es in der Studie. „Wenn etliche Startup-Unternehmer, die naturgemäß ihr Umfeld gut kennen, bereits existierende Förderprogramme anmahnen, so signalisiert das Handlungsbedarf in der Kommunikation dieser Programme“, schreibt Kuckertz im Fazit diplomatisch.

Mehr Transparenz der Förderung steht ganz oben

Die Startups wollen einen transparentes und einfach zugängliches Fördersystem, das eine zentrale Basis hat – und das unter anderem auch Technologiegründungen außerhalb der Hochschulen mehr Chancen bietet. „Das heißt konkret: Weniger Förderprojekte, weniger öffentliche Stellen, die bei der Startup-Förderung ,mitwursteln‘, dafür aber mehr private Gründungsförderung und Unterstützung“. Dabei sei auch der grundsätzliche Geist der Gründerförderung entscheidend:  „Diese wird oft als risikoscheu und konservativ gesehen“.

Genau an diesem Punkt scheint ein häufig festzustellendes Missverständnis beim Thema Gründerförderung zu liegen. Die Landesregierung und die zahlreichen regionalen und branchenspezifischen Förderer im Land blicken manchmal ratlos und etwas enttäuscht auf solche Urteile. In der Tat steckt man im Südwesten sehr viel Geld in die Gründer-Unterstützung und hat in etwa bei Startups, die mit der bestehenden Wirtschaft kompatibel sind, einen guten Stand.

Das Umfeld zählt oft mehr als das Geld

Doch viele Gründer wünschen sich mehr Mut und Kreativität jenseits dieses Rasters. Ihre Verbesserungsvorschläge für Startups drehen sich um ein ingesamt gründerfreundlicheres Umfeld – nicht um einzelne Förderprogramme. „Baden-Württemberg fördert in keiner Weise innovativ und betreibt damit Evolution statt Revolution! Hier wird man erst unterstützt, wenn man schon auf eigenen Beinen stehen kann,  Umsatz und Kunden aufweisen kann und eigentlich schon Mittelständler ist – was völlig am Ziel vorbeigeht“, so zitiert die Studie einen Gründer.

Bessere steuerliche Rahmenbedingungen, funktionierende Infrastruktur vom Verkehrsnetz bis zum Breitbandangebot – und vor allem Bildungskonzepte, die Verständnis und Enthusiasmus fürs Unternehmertum wecken, stehen auf der Liste ganz oben. Zwar wird mit 22,14 Prozent der Problemnennungen das Thema Förderung als erstes genannt. Aber mit 17,86 Prozent steht das Stichwort Umfeld schon an zweiter Stelle – noch vor dem Thema Finanzierung 14,29 Prozent. Und wenn man die Problemfelder Netzwerke (12,14 Prozent) und Gründergeist (4,64 Prozent) hinzuzählen, ergibt sich der Schluss, dass ein Drittel der Startup-Probleme, letztlich auf „weichen“ beziehungsweise sozialen und mentalen Faktoren beruht und nicht auf  Fragen, die per Gesetz oder Förderprogramm zu lösen sind.

Eckdaten der Umfrage
810 Startup-Unternehmer wurden zu einer Onlinebefragung eingeladen, die gemeinsam mit IdeenwerkBW.de entwickelt wurde. Die Befragung wurde als Blitzumfrage in der Woche vom 15. Juli 2017 bis einschließlich 21. Juli 2017 durchgeführt und lieferte 193 verwertbare Antworten. Dies entspricht einer vergleichsweise hohen Antwortrate von 23,82 Prozent. Da die Umfrage Gründer individuell adressierte sind Rückschlüsse auf die Unternehmensebene nur bedingt möglich.

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