Uni Hohenheim und Startups: Grüne Trümpfe

Uni Hohenheim und StartupsWaagrechte Bäume an begrünten Fassaden - das ist das Konzept des Hohenheimer Startups Visioverdis. Foto: Lichtgut/Willikonsky

Uni Hohenheim und Startups – das bedeutet grüne Themen. Die jetzt bei einem Event in Stuttgart präsentierten Startup-Stories drehen sich um essbare Eislöffel, Trinkhalme aus Apfeltrester, Urban Gardening und einen vertikalen Garten, aus dem rotierende Bäume horizontal herauswachsen. 

Da möchte man doch glatt die Wand hochlaufen! Mitten hinein in diesen vertikalen Garten, durch den sich zwischen Moosen, Gräsern, grünen Stauden und  blühenden Feuernelken ein Weg schlängelt, auf dem einer sein Fahrrad abgestellt hat. Vielleicht, um eine Rast unter einem der drei waagrecht aus der Wand ragenden Ligusterbäumchen einzulegen, die sich permanent um die eigene Achse drehen.

Schöpferin dieser spektakulären grünen Installation ist Alina Schick, Diplom-Biologin, promovierte Agrarwissenschaftlerin  und Geschäftsführerin des Hohenheimer Startups Visioverdis. Dank ihrer zum Patent angemeldeten GraviPlant-Technik werden , Gebäudefassaden als neue Lebensräume sogar für Großpflanzen erschlossen. Sie steht stellvertretend für die Uni Hohenheim und Startups.

„Wir müssen die Welt mit anderen Augen sehen“, stellt beeindruckt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer fest, als sie diesen Fassaden-Garten an einer Mauer gleich hinter einem Gewächshaus in Hohenheim enthüllt. „In Großstädten mit beschränktem Raum“, so die Ministerin, „könnten solche Installationen künftig Smog bekämpfen und das Stadtklima verbessern.“

Uni Hohenheim und Startups – das ist Programm

Zwei Tag lang war ein Kranwagen beschäftigt,  72 Gitterkörbe mit Stauden  und Pflanzen sieben Meter hoch zwischen Stahlträgern zu stapeln. 15 Tonnen ist der Fassadengarten inklusive Wasser, Erde und Pflanzen schwer, 160 Kilo wiegt allein das System Graviplant mit Rotor und computergesteuertem Versorgungssystem der Pflanzen mit Wasser und Dünger. Die Kosten beziffert Alina Schick auf insgesamt 120 000 Euro.

„Wir bekommen zunehmend Anfragen aus Asien und dem arabischen Raum mit den dortigen Mega-Städten“, berichtet die 41-Jährige. Sie forscht seit 2009 an den waagrecht wachsenden Pflanzen, die durch die Rotation gleichmäßig von allen Seiten Licht und Sonne bekommen und daher ebenso gleichmäßig dicht bis ins Innere der Kronen belaubt sind. Inspiriert wurde Schick durch ihre Studienfächer Gravitationsbiologie und Schwerkraftwahrnehmung von Pflanzen. Mit dem Schwerpunkt-Interesse, wie man auf einer Raumstation wie der ISS Gemüse anbauen könnte.

Weihnachtssterne wollen nicht gerne gedreht werden

Aber eigentlich sei die Idee, rotiere Pflanzen in ungewöhnliche Richtungen wachsen zu lassen, schon 150 Jahre alt: „Erfunden wurde sie von Julius Sachs, der damals mit einem Uhrwerk arbeitete und diese Entwicklung als Klinostaten bezeichnete.“, erklärt Schick. Sie selbst machte erste Versuche mit einer Waschmaschinentrommel, hatte schöne Erfolge mit Sonnenblumen, aber auch Fehlschläge: Weihnachtssterne wollten nicht gern gedreht werden. „Die sind wohl nicht schwindelfrei“, kommentiert Theresia Bauer.

Die Ministerin war nicht nur nach Hohenheim gekommen, um diesem Fassadengarten und dem 200-Jahr-Jubiläum der Universität Hohenheim gebührende Bewunderung und Aufmerksamkeit zu erweisen. Nachdem das Wissenschaftsministerium die Förderlinie „Gründungskultur in Studium und Lehre“ aufgelegt hat, informiert sich Theresia Bauer  auf einer Tour durch die Hochschulen des Landes über „Startup Stories“.

Insgesamt 15 Startup-Geschichten werden  präsentiert

In Hohenheim können ihr 15 Startup-Geschichten präsentiert werden: Neben den essbaren Produkten, mit denen sich Plastikmüll vermeiden lässt – „don’t waste it, taste it“, eine App für Ernährungsberatung oder ein Recyclingprojekt für kaputte Regenschirme.

Alina Schick und ihre Firma haben von der Förderlinie ebenfalls profitiert „Vor allem“,  sagt sie, weil  wir die Infrastruktur der Universität nutzen können.“ Darüber hinaus wurden wissenschaftliche Stellen mit 20 000 Euro gefördert. Die Wissenschaftlerin hat einen Traum: In einer Stadt eine richtig große Fassade zu vertikal und begrünen. Sie entwickelt bereits neue Ideen und testet, wie sich Rotation und waagrechter Wuchs auf Medizinalpflanzen auswirken und ob die Keller in Wohnblöcken als Äcker genutzt werden können.

Bis zum Jahresende grünt und blüht die  Wunder-Wand in der Heinrich-Pabst-Straße. Eine Nordwand, die jetzt im Sommer erst am späten Nachmittag Sonne bekommt. Dafür leuchtet sie nachts umso mehr: Dank vieler Lämpchen. Wie in vielen anderen Gärten auch.

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