Uber Deutschland beklagt Regulierung

Uber DeutschlandGanz cool, aber dennoch brav - so will sich Uber in Deutschland präsentieren. Screenshot: IdeenwerkBW

Der Taxidienstleister Uber ist weltweit ein Gigant – doch in Deutschland nur ein Nischenspieler, der nur in München und Berlin vertreten ist. Christoph Weigler, Chef von  Uber Deutschland, erläutert, warum dies einer der schwierigsten Märkte weltweit ist.

„Was die Regulierung angeht, ist kein anderes Land in Europa komplexer,“ sagt Weigler. Er zählt eine ganze Reihe von Gründen auf, warum es nicht nur Uber, sondern innovative Taxidienstleistungen hier generell schwerer hätten als anderswo: „Gemessen an seiner Größe und seiner Bedeutung als Mobilitätsland bleibt Deutschland weit hinter den Möglichkeiten zurück.“

Die Hürden für Fahrer seien hoch und zeitraubend. Anbieter wie Uber hätten etwa die Pflicht, dass Fahrzeuge nach jeder Fahrt an den Betriebssitz zurückkehrten. Spontane innerstädtische Taxi-Fahrgemeinschaften, wie sie an etablierten Märkten – beispielsweise New York oder San Francisco – selbstverständlich seien, blieben in Deutschland verboten. Während Paris und London zu den erfolgreichsten Standorten gehörten, habe sich in Deutschland der Taximarkt abgeschottet. Die Guerillataktik, mit der Uber einst versuchte, manche Regel zu umschiffen, ist nach einigen juristischen Rückschlägen in Deutschland aber passé.

Uber Deutschland betont Respekt vor den Regeln

Das sei mehr als nur ein Imagewandel, sagt Weigler: „Unsere Strategie hat sich geändert, nicht nur die Kommunikation.“ So betonte Uber Deutschland beispielsweise in ihrer jüngsten Pressemitteilung, dass man in Berlin inzwischen mit 1500 Taxifahrern zusammenarbeite, die zusätzlich auch mit der Uber-App buchbar seien. Daneben ist Uber zurzeit nur in München präsent. So wie es in den USA funktioniert, geht es in Deutschland nicht, wir haben das verstanden“, sagt Weigler. Angesichts der von ihm als altertümlich bezeichneten Regulierung suche man nun den Konsens.

Doch das Unternehmen tut sich in Deutschland schwer, ein Aha-Erlebnis wie auf anderen Märkten zu erzeugen – wo der Nutzer oft verblüfft ist, dass ihn schon in kürzester Zeit ein Fahrzeug abholt. Die Wartezeiten in München und Berlin sind wegen des geringeren Pools an Fahrzeugen länger als auf entwickelten Märkten wie Paris oder London. Die augenblickliche Deutschlandstrategie sei deshalb nicht auf die rasche Expansion in weitere Städte gerichtet. Man wolle das vorhandene Angebot verbessern. Uber sei hier verstärkt zu Kooperationen bereit, etwa mit Taxiunternehmen oder Anbietern im öffentlichen Nahverkehr.

Das Unternehmen sucht ein neues Image – unter neuem Chef

Uber Deutschland steht stellvertretend für einen Strategiewechsel im gesamten Unternehmen. Der erst Ende August angetretene vom Reiseportal Expedia kommende, neue Chef Dara Khosrowshahi ist ein Gegenpol zum dem im Juni auf Druck der Kapitaleigener zurückgetretenen, polarisierenden Vorgänger und Uber-Gründer Travis Kalancik.

Zuvor war Uber in den USA unter anderem wegen einer sexistischen Macho-Kultur sowie schlechter Bezahlung und Behandlung der Fahrer in die Schlagzeilen gekommen. Ein von einer Fahrzeugkamera aufgezeichnetes Video, in dem Kalanick einen Uber-Fahrer abkanzelte, der ihm nach einer Tour sein Leid klagte, verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer. (Kalanick entschuldigte sich anschließend).

Das auf die USA zugeschnittene Modell stößt an Grenzen

Das auf die USA zugeschnittene Modell, – die Nutzung von Privatfahrzeugen und aggressive Expansion manchmal unter Missachtung lokaler Regularien – stößt an seine Grenzen. „Jeder lokale Markt ist anders“, sagt Weigler. Uber variiere inzwischen sein Geschäftsmodell.

Ob in China oder Großbritannien – überall versuchen regionale Konkurrenten unterdessen das Uber-Modell zu kopieren. Autokonzerne wie Daimler drängen auf den Markt der Mobilitätsdienstleistungen. In den USA versuchte der Rivale Lyft von Negativschlagzeilen über die Uber-Unternehmenskultur zu profitieren.

Kritiker wie der US-Technologiejournalist Steven Hill, der ein kritisches Buch über Ubers Umgang mit seinen Fahrern geschrieben hat, sprechen von einem nicht nachhaltigen Geschäftsmodell. Das Preisniveau sei zu niedrig: „Das Unternehmen verliert mehr Geld als je irgendeine andere Technologiefirma“, schrieb er in der New York Times angesichts von Verlusten von 3,1 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro)  im vergangenen Jahr und  bereits 1,3 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2017. Und: „Uber verbrennt Fahrer noch schneller als es Geld verbrennt.“

Weigler kontert: Die Loyalität der Fahrer sei für Uber inzwischen so wichtig wie die der Kunden – ganz besonders in Deutschland, wo sie nicht so leicht zu gewinnen seien. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich weltweit die Zahl der Fahrten verdoppelt. Der jüngste Quartalsverlust ist dennoch um neun Prozent auf 645 Millionen Dollar (rund 540 Millionen Euro) zurückgegangen.

Uber glaubt an seinen Kompetenzvorsprung

Doch auch wenn es inzwischen weltweit zahllose konkurrierende Mobilitäts-Apps gibt, glaubt Uber an seinen Kompetenzvorsprung. „Uber funktioniert durch bessere Auslastung von bestehenden Ressourcen“, sagt Weigler. Eine Kooperation mit Uber wie in Berlin komme deshalb auch der Taxibranche zu Gute: „Auch ein Taxi ist heute selbst in Städten höchstens zu 30 Prozent ausgelastet.“ Uber habe vor allem einen Vorsprung, wenn es um komplexere Aufgaben wie die Organisation spontaner, innerstädtischer Fahrgemeinschaften geht. „Unser Know-how ist da nicht ohne weiteres kopierbar“, sagt Weigler.

Er nennt ein praktisches Beispiel: „Bevor ein Fahrer aufgrund von Einbahnstraßen mehrfach ums Karree fährt, können wir den Mitfahrer bitten, einfach 50 Meter weiter an eine besser geeignete Straßenecke zu gehen und an einer sicheren Parkbucht einzusteigen.“ Die App könne auch berechnen, welcher Eingang eines Gebäudeblocks der beste sei. Viele solcher Effizienzgewinne addierten sich.

Technologietreiber – auch beim autonomen Fahren?

Der Chef von Uber Deutschland gibt sich auch beim Thema Autonomes Fahren selbstbewusst. Dies dürfte mittelfristig den größten Umbruch für das Geschäft von Uber bedeuten. „Wir werden hier sehr ernst genommen“, sagt er. Insbesondere in Bereich Künstliche Intelligenz habe man hohe Kompetenz und viele Topentwickler, sagt er im Hinblick auf Zweifler, die Ubers Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zu Autokonzernen oder IT-Giganten wie Google infrage stellen.

Doch nachdem Uber eigene Testläufe mit autonomen Fahrzeugen in den USA groß propagiert hatte, verweist Weigler nun auf Kooperationen etwa mit Daimler, dessen autonome Fahrzeuge mit der Uber-App vermittelt werden könnten.

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