The Female Company löst ein Frauenproblem

The Female Company; Gründerinnen in Baden-WürttembergFrauen für Frauen: Der Namen "Female Company" von Ann-Sophie Claus (r.) und Sinja Stadelmaier ist Programm. Foto: Female Company

IdeenwerkBW-Schwerpunkt Frauen und Startups (3): Gründen mit einem echten Frauenthema: The Female Company aus Stuttgart entwickelt Bio-Tampons.

Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier sind die zwei Köpfe hinter The Female Company. Und wie der Namen schon sagt, lösen sie ein echtes Frauenproblem. Sie verkaufen pestizidfreie und fair produzierte Bio-Tampons, mit denen sie ganz nebenbei benachteiligte Frauen unterstützen.

Wie kommt man auf die Idee, Tampons zu verkaufen? In einem Marktsegment mitzuspielen, in dem allein o.b. 75 Prozent Marktanteil hat, ist sicher mutig. Aber schon nach ersten Recherchen hat sich gezeigt, wie wichtig das auch ist. „Die Welt der Bio-Tampons ist extrem klein“, sagt Anni. Viele Frauen wüssten gar nicht, welche Inhaltsstoffe in gewöhnlichen Tampons enthalten sind: Pestizide, Chlor, Polyester, synthetische Duftstoffe. Tamponhersteller müssen ihre Inhaltsstoffe kaum deklarieren. Und auch sind sich viele Nutzerinnen nicht darüber im Klaren, was mit ihren Körpern passiert.

Hier war es Anni und Sinja ebenfalls wichtig, sich vom Rest abzusetzen. „Wir können zu 100 Prozent nachweisen, was in unseren Bio-Tampons enthalten ist.“ Nämlich zertifizierte Bio-Baumwolle aus Spanien, dafür keine Duftstoffe, keine Pestizide, kein Kunststoff und kein Chlor.

The Female Company liefert direkt

Das Verkaufskonzept von The Female Company unterscheidet sich ebenfalls von ihren Mitstreitern. Denn der Gang zum Supermarkt wird den Nutzerinnen erspart. Stattdessen schließen sie ein Abonnement ab. Die Größen der Tampons und der Lieferzyklus lassen sich individuell einstellen und auch jederzeit ändern. Mit der ersten Lieferung erhalten die Kundinnen eine Aufbewahrungsbox.

Die Boxen mindern zum einen anfallenden Verpackungsmüll, zum anderen sollen sie mithelfen, das Thema Periode zu enttabuisieren. Statt die grünliche Packung Tampons im Badezimmerschrank zu verstecken, werden die Boxen von The Female Company ganz prominent ins Badezimmer gestellt. So die Idee.

Ein Abo für sechs Euro monatlich

Je nach Lieferzyklus belaufen sich die Kosten auf etwa sechs Euro monatlich. Ein Abonnement kann man sich auch mit seinen Freundinnen, Mitbewohnerinnen oder Kolleginnen im Büro teilen, um so die Kosten zu mindern. Zudem wollen Sinja und Anni Kooperationen mit Unternehmen und Gastronomie aufnehmen, damit sich Frauen immer und zu jeder Zeit bestens versorgt wissen.

Und nie wieder die unangenehme Frage an die Fremde in der Toilettenkabine nebenan gestellt werden muss: „Entschuldigung, hast du zufällig Tampons dabei?“ Die Juroren des Hubert Burda Bootcamps im Januar dieses Jahres jedenfalls fanden die Idee der beiden überzeugend.

Berlin oder Stuttgart – das ist noch die Frage

Und wie sind die Visionen für die Zukunft? Über kurz oder lang müssen sich Anni und Sinja für eine Stadt entscheiden. Denn Sinja wohnt in Berlin und bisher pendeln beide. Für den Anfang war es ganz klar Stuttgart. Denn hier hängt das Herz und sie wollen kein weiteres „Berliner Startup“ sein. Für die Hauptstadt sprechen dagegen die ausgeprägte Startup-Szene und die zahlreichen Unterstützungen von Stadt und ansässigen Unternehmen. „Stuttgart ist beim Thema Gründen nicht da, wo es sein könnte.“

Der Gedanke, ein Problem „von Frauen für Frauen“ zu lösen, ist zwar sehr stark ausgeprägt. Männer sollen sich aber nicht ausgegrenzt fühlen. „Ich nehme an, aufgrund des Themas werden in unserem Unternehmen immer mehr Frauen arbeiten. Wir wollen anderen Frauen etwas Gutes tun und wenn ein Mann da mithelfen möchte, dann ist er auf jeden Fall richtig bei uns.“

Die Geschichte von The Female Company
Kennengelernt haben sich die beiden Gründerinnen von The Female Company schon während ihrer Studienzeit an der Universität Hohenheim. 2016 ging es dann gemeinsam auf Reisen, das Thema Gründen begleitete sie schon eine ganze Weile. In Vietnam halfen sie einer Frau, ihre Laternen-Workshops online besser zu vermarkten – und wurden selbst inspiriert.
Der soziale Aspekt stand von Anfang an im Fokus des jungen Unternehmens. Aktuell werden Flüchtlingsheime in Stuttgart von The Female Company mit Hygieneprodukten für Frauen unterstützt. Weitere Projekte und Kooperationen stehen bereits in den Startlöchern.

Die ersten Folgen der Serie erschienen am 16.4. und am 19.4.

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