Gut gepolstert: Studie zu Stuttgart als Startup-Stadt

Stuttgart als Startup-StadtStuttgart als Startup-Stadt hat einen Lauf - wie Merkur am Alten Schloss. Das belegt eine aktuelle Studie. Foto: Pixabay/CC0

Stuttgart als Startup-Stadt – das bedeutet enge Beziehungen zu etablierten Firmen. Eine Studie der Beratungsgesellschaft PwC, deren Regionalauswertung IdeenwerkBW vorliegt, stellt fest, dass auch immer mehr vom insgesamt knappen Risikokapital aus dieser Quelle stammt.

Startups in Stuttgart profitieren mehr als anderswo in Deutschland von einer engen Beziehung zu etablierten Unternehmen. Auch beim Risikokapital werden solche Partner immer wichtiger. Dies hat eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft PwC herausgefunden. Für die Studie wurden in Deutschland 1000 Startups befragt. Stuttgart ist mit 56 Teilnehmern vertreten.

Gegenüber dem Jahr  2017 hat das von Unternehmen zur Verfügung gestellte Risikokapital in der Region enorm an Bedeutung gewonnen: Der Anteil ist von acht Prozent auf 20 Prozent gestiegen. Die Startups, die aus dieser Quelle Kapital erhielten, finanzierten sich dann auch zum größten Teil damit. Die Bankfinanzierung, die bisher im Vergleich mit anderen deutschen Regionen noch eine relativ große Rolle spielte, ist hingegen von 82 Prozent im Jahr 2017 auf nur noch 66 Prozent zurückgegangen.

Stuttgart als Startup-Stadt: Kapitalsuche ist nicht einfach

Trotzdem tun sich Startups in Stuttgart vergleichsweise schwer, Investoren zu finden. 57 Prozent hatten laut Studie Schwierigkeiten damit – knapp hinter Hamburg ist das der zweitschlechteste Wert einer deutschen Region. Im bundesweiten Durchschnitt war dies nur von 47 Prozent der Befragten zu hören.

Ein wenig kompensiert wird das dadurch, dass etablierte Firmen auch bei der Entwicklung von Technologie oder Geschäftsmodell für die Startups immer bessere Partner werden. 61 Prozent der Startups arbeiten mit ihnen heute zusammen – ein durchaus beeindruckender Zuwachs im Vergleich zu den 30 Prozent im Jahr 2017.  „Hier kommt ihnen die hohe Unternehmensdichte in der Region zugute: Denn auch immer mehr Mittelständler erkennen die Vorteile, die die Nähe zu jungen, technologiegetriebenen Firmen hat,“ sagt Minkus Fischer, Ansprechpartner der PwC-Start-up-Initiative NextLevel im Raum Stuttgart. Dies ist ein gutes Polster, um das Gründer in anderen Regionen  Stuttgart als Startup-Stadt beneiden dürften.

Startups in Stuttgart sind in der Region verwurzelt

Es verwundert deshalb nicht, dass die sowieso schon hohe Zufriedenheit mit dem Standort weiter gestiegen ist. 96 Prozent positive Rückmeldungen übertreffen sogar noch das Studienergebnis von 94 Prozent aus dem vergangenen Jahr. Als Pluspunkte gelten die inzwischen etablierte Startup-Szene mit inzwischen zahlreichen Veranstaltungen in der Stadt sowie die Infrastruktur.-

Dementsprechend zieht es die Unternehmen auch nicht weg: Keines der befragten Startups hat einen Standortwechsel im Visier. Dies lässt sich allerdings durchaus doppelbödig interpretieren: Keines hat demnach Expansionspläne, für die eher eine der großen Startup-Metropolen in Europa oder der Welt infrage kommt. Vor allem die enge Verflechtung mit etablierten Branchen hält die  Gründer in der Region.

Ist die Abhängigkeit von der Autoindustrie ein Nachteil?

Das heißt nach Meinung von Hartwig Welbers, dem Leiter des PwC-Standortes in Stuttgart, aber nicht, dass dies kreative Ideen behindere: „Auch ein Autozulieferer sucht heute nach neuen Geschäftsideen und versucht, ,außerhalb der Box‘ zu denken.“ Insgesamt habe die von der Studie noch einmal herausgestellte  Verknüpfung mit dem Bestehenden mehr Vorteile als Nachteile und sei innerhalb Deutschlands eine ideale Situation, sagt sein Kollege Fischer.

„Die Firmen, die heute das Rückgrat der Wirtschaft in der Region bilden, sind  hier entstanden. Auch von Stuttgart aus kann man die Welt erobern“, sagt Welbers.  Die Tatsache,  dass viele Startups um das Automobil kreisten, sei kein Problem: „Die Autobranche entwickelt sich doch zur Mobilitätsbranche. Wenn ein Unternehmen mit dem Auto zu tun hat, dann ist es deshalb nicht automatisch  Old Economy.“  Technologie-Schwerpunkte seien für Startups essenziell. Hier habe Stuttgart international immer mehr Anziehungskraft. „Sie sehen heute beispielsweise wie das etwa Startups aus Israel in die Region zieht,“ sagt PwC-Startup-Experte Fischer.

Nirgendwo in Deutschland ist die Mitarbeitersuche so schwierig

Die Bodenständigkeit in Stuttgart als Startup-Stadt gilt übrigens auch für die Mitarbeiter: Sie stammen zumeist aus der Region zu gewinnen – schwerer ist es schon, Talente von außerhalb ins Land zu holen. Ein Nachteil des Standorts ist neben hohen Lebenshaltungskosten und bürokratischen Hürden  allerdings, das Problem, qualifzierte Mitarbeiter zu rekrutieren. Für 59 Prozent der befragten Startups ist dies schwierig – der höchste Wert in Deutschland. Im Bundesdurchschnitt klagt nur die Hälfte darüber.

Die Gründe aus Sicht der Startups: Insgesamt zu wenig Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt (53 Prozent), zu hohe Gehaltsforderungen (53 Prozent) oder höhere Attraktivität etablierter Firmen (25 Prozent). „Die schwierige Mitarbeitersuche spiegelt nicht nur die ausgezeichnete Wirtschaftslage, sondern auch die hohe Dichte an Konzernen und großen mittelständischen Unternehmen in der Region Stuttgart wider“, sagt Welbers.

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER