Studenten als VCs? First Momentum Ventures wagt’s

First Momentum VenturesAus Karlsruhe kommt ein studentisches Team, das Gründern an Hochschulen Kapital verschaffen will. Foto: First Momentum Ventures

Risikokapital ist normalerweise eine Sache für erfahrene Finanziers. Fünf Studenten aus Karlsruhe haben aber jetzt mit ihrem VC-Fonds First Momentum Ventures Startups an Hochschulen im Blick – und die baden-württembergische L-Bank als Partner an Bord.

Die fünf Gründer von First Momentum Ventures wissen, worauf sie sich einlassen. Obwohl sie erst zwischen 23 und 28 Jahren alt sind, haben sie nicht nur einen technologischen Hintergrund, sondern haben auch selber Gründererfahrung gesammelt. Alle kommen sie vom Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) – und haben von der Startup-Infrastruktur profitiert, die in dessen Umfeld entstanden ist, etwa das Gründerzentrum Pioniergarage oder die  studentische Unternehmensberatung Fuks.

Der neue Risikokapitalfonds macht ein Angebot in einem Bereich, der bisher für private Investoren nicht so  lukrativ ist, und bietet eine Alternative zu öffentlichen Förderprogrammen. Der Vorteil für die Startups ist, dass die Vergabe weniger bürokratisch  ist als etwa beim Exist-Stipendium des Bundes für hochschulnahe Gründungen. Die Gründer erhalten eine professionelle Beratung und Begleitung, die ihnen anschließend weitere Finanzierungsrunden erleichtern soll.

First Momentum Ventures konzentriert sich auf die Frühphase

Finanzieren will man Startup-Ideen in der ganz frühen Phase („Pre-Seed“) und hat dafür bereits ein Netzwerk an Beratern und Finanziers aufgebaut. Genau diese frühe und intensive Kontaktpflege hat dann unter anderem die Landesförderbank L-Bank von einer Finanzierung überzeugt.

Die L-Bank steigt mit 250 000 Euro in den ersten Fonds von First Momentum Ventures ein.  Die entscheidende Säule sind aber zum Start solvente Privatpersonen, die ihr eigenes Vermögen in dem Fonds anlegen. Einzelne Startups werden mit 25 000 bis 100 000 Euro finanziert. Insgesamt werden für den ersten Fonds 30 Investments angestrebt.

Baden-Württemberg als Pionier

Mit einem solchen, auf Hochschulen ausgerichteten Fonds ist Baden-Württemberg nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit ein Pionier. Ähnliche Konstrukte nach einem ursprünglich amerikanischen Vorbild gibt es bisher nur in Finnland und in den Niederlanden, sowie in abgewandelter Form in London. „Wir haben hautnah miterlebt, wie schwer es ist, aus dem Elfenbeinturm namens Studium zu gründen – und was für eine teure Angelegenheit das ist“, sagt Mitgründer  Benedikt Stolz über die Motivation für den Fonds.

„Wir wollen vor allem dazu beitragen, dass mehr Startups von technisch orientierten Hochschulen kommen“, sagt er. Im Visier sind gerade Orte abseits der großen deutschen Startupmetropolen, nicht nur Karlsruhe, sondern auch technikorientierte Hochschulen wie in Aachen, Darmstadt oder Stuttgart. Karlsruhe ist aber ein guter Startpunkt: Das KIT liegt aktuell auf Platz 2 von 34 im aktuellen Hochschul-Gründerradar des Stifterverbands der Wissenschaft.

Studenten organisieren Kapital für Studenten

Der entscheidende Vorteil zu anderen Fonds sei die Augenhöhe zu den Gründern, sagt Stolz. Drei im Team studieren selber noch, zwei haben gerade abgeschlossen.  Gründerfahrung bringt man mit.

Stolz hat einmal ein Cafe gegründet, ein anderes Teammitglied war am Start einer Vermittlungsplattform  für internationale IT-Spezialisten nach Deutschland beteiligt. Auch die Teammitglieder sind in den Fonds investiert, aber im branchenüblichen, kleineren Maßstab. Entscheidend ist das Partnernetzwerk und sind die Kontakte zu Investoren. Ansonsten sei rechtlich alles genau so wie in jedem anderen von der Finanzaufsicht genehmigten Risikokapitalfonds, sagt Stolz.

Die L-Bank war von den Netzwerker-Fähigkeiten beeindruckt

„Das Team hat bereits sehr früh, sehr professionell und sehr ambitioniert  ein Netzwerk geknüpft – das hat positiv beeindruckt“, sagt L-Bank-Chef Axel Nawrath. Und First Momentum Ventures passt auch in das Konzept, einerseits als Förderbank auch Startups in der Frühphase in den Blick zu nehmen als auch die Gründerkultur an den Hochschulen zu unterstützen. „Viele Geschichten fangen gerade in Baden-Württemberg mit seiner Branchenstruktur klein an. Firmen hier werden Schritt für Schritt groß und wachsen organisch“, sagt Nawrath.

Man sieht dabei das Potenzial von Gründungen, die dank innovativer Technologien ein hohes Wachstumspotenzial haben:  „Unser Engagement ist aber kein Förderprogramm, sondern ein echtes Beteiligungsgeschäft.“ Das Risiko in dieser frühen Phase sei hoch, andererseits sei es insgesamt vom Volumen her für die L-Bank ein überschaubares Investment.

Der erste Fonds soll in Kürze lanciert werden. Angestrebt ist ein Startvolumen von 1,3 bis 1,4 Millionen Euro. Ingesamt möchte man dann binnen eines Jahres fünf Millionen Euro für  eine Laufzeit von zehn Jahren einsammeln. Damit wäre man dann in Europa der größte von Studenten gemanagte VC-Fonds, sagt Mitgründer Stolz.

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