Stay-Stiftung: Startups als Entwicklungshilfe

Stay-StiftungBenjamin Wolf bei der Besichtigung der Hirsepflanzungen eines kooperierenden Landwirts. Foto: Stay-Stiftung/Christoph Kalscheuer

Soziale Entrepreneure aus dem eigenen Land anstatt Entwicklungshelfer – das ist das Rezept der Stay-Stiftung in Stuttgart. In Uganda wird es bereits praktiziert.

Was hat Startup-Förderung mit Entwicklungshilfe zu tun?    „Sie sind  eine ganz wichtige Säule. Entrepreneure sind genau die Persönlichkeiten, die man braucht“, sagt Benjamin Wolf, Geschäftsführer der Stuttgarter Stay-Stiftung: „Wir suchen Visionäre, die nicht nur eine Schule aufbauen wollen, sondern zehn.“

Im Prinzip macht die 2013, wie Wolf es ausdrückt, „aus Frustration mit der klassischen Entwicklungshilfe“ ins Leben gerufene Stiftung nichts anderes als Startup- und Gründerförderer in Deutschland – mit sozialem Einschlag.  Im ostafrikanischen Uganda arbeiten die Stuttgarter seit dem vergangenen Jahr bereits auf diese Weise und haben dort einen Unternehmerverband gegründet.

Sozialunternehmer als Rückgrat der Entwicklung

„Das sind   Sozialunternehmer“, sagt Wolf – also Firmengründer, die nicht nur auf den Gewinn aus sind, sondern auch ihre gesellschaftliche Verantwortung sehen.  Doch auch das geht nur mit Firmen, die sich langfristig wirtschaftlich selber tragen können.

Ökonomisches Denken ist der Kern des Konzepts. Ohne Gewinne keine Nachhaltigkeit, lautet die Devise.  Es geht um ein sich selbst tragendes Startup-Netzwerk. Unternehmerische Vorbilder, Schulung, Fortbildung, Finanzierung – das soll nicht anders funktionieren als die Startup-Förderung in Deutschland.  In diesem Jahr rechnet der als Verein aufgezogene Gründerverband mit dem Rückfluss aus den an die erste Startup-Gruppe vergebenen Krediten.

Die Stay-Stiftung will keine Experten einfliegen

Mancher Spender würde nach dem Muster eines in der Startup-Frühphase involvierten, so genannten Business Angels allerdings wohl gerne selber anpacken. Doch  genau das will man bei Stay nicht. Das Geld für Flugticket und Aufenthalt im Land sei besser in den örtlichen Initiativen angelegt sagt Wolf: „Der Anreiz bleibt, dass sie bei uns in etwas  Unternehmerisches investieren können.“

Wenn der deutsche Experte mitrede, entstehe eine Hierarchie: „Nach unseren Maßstäben würden wir schnell sagen: Der bringt es nicht – etwa wenn er seine Zeitpläne ständig überschreitet.“ Nach ugandischen Maßstäben sei es weniger wichtig, ob man nun nach einem Vierteljahr oder einem halben Jahr fertig werde.

Formal fließt das Geld bisher als Spende. Doch Wolfs Vision ist es, einen richtigen Startup-Fonds aufzusetzen, wo  deutschen Anleger prinzipiell Rendite machen können. Doch dafür gibt es bisher noch rechtliche Hürden. Die Stiftung müsste für ein Fonds-Konzept einen separaten Zweig schaffen: „Aber wenn ein Partner in Deutschland mit uns so etwas aufziehen will, könnten wir das relativ schnell aufbauen.“ Zunächst soll aber das Konzept in die Nachbarländer Kenia und Ruanda gebracht werden.

Geschäftsführer der Stay-Stiftung hat Lektion in Ecuador gelernt

Der studierte Betriebswirt Wolf hat  eigene Erfahrungen mit der Entwicklungsarbeit in Ecuador. Dort erlebte er bei einem Krankenhausprojekt wie eine Dauer-Abhängigkeit entstand. Anstatt  dass eine Finanzierung aus eigener Kraft entwickelt wurde, blieb das Projekt am Tropf, weil es nie als genuines Projekt der Einheimischen wahrgenommen, sondern als Hilfe von außen.

Vorbild für die künftigen Projekte  ist die von Ugandern aus eigener Initiative ins Leben gerufene Firma „Golden Bees“, die seit 2008 besteht. Sie hat im Land ein Vertriebsnetz für den Honig von 2000 Imkerfamilien aufgebaut.  Zunächst will sich auch die Stay-Stiftung auf die Landwirtschaft konzentrieren: „Da können sie die meisten Leute sofort erreichen.“ Aber auch technologische Ideen hätten Potenzial: Smartphones seien inzwischen weit verbreitet. Eine Geschäftsidee könne auch eine App sein. Auf manche Gedanken würde kein Entwicklungshelfer kommen, sagt Wolf – und nennt als Beispiel etwa ein Startup-Konzept,  die bisher für viele Frauen zu teuren Tampons wiederverwendbar zu machen.

Potenzielle Gründer kennen die Theorie – aber Praxis fehlt

Das bisher brach liegende Potenzial für Gründer sei enorm. „Es gibt viele hochdynamischen Absolventen an den Unis. Die  waren teilweise auf internationalen Hochschulen. Doch es gibt keine angemessenen Jobs“, sagt Wolf:  „Theoretisches Wissen ist vorhanden. Aber der Schritt in die Praxis ist schwierig.“  Es fehle oft an Kapital – und das Vertrauen, das riskante Startup-Investments überhaupt erst möglich mache: „Es gibt keine Investorenkultur.“

Selbst aus unserer Sicht lächerlich kleine Beträge seien ein Problem. Wer etwas Geld verdiene, fühle sich verpflichtet, es in der Familie zu verteilen, anstatt es mit längerfristiger Aussicht auf Rendite zu reinvestieren. Eine ugandische Startup-Kultur werde sich aus kleinen Betrieben aufbauen:  „Das sind einfache Dienstleistungen oder Familienbetriebe in der Landwirtschaft. Sie müssen als Investor ganz unten anfangen.“  Um die potenzielle Rendite brauche man sich allerdings keine Sorgen machen: „Zehn Prozent im Jahr sind da realistisch.“ Ein Startup-Fonds mit ugandischem Geld? Wenn das aufgebaut ist, hätte man viel erreicht.

Steckbrief Stay-Stiftung
Seit 2013 ist die auf der Vorläuferorganisatin Südwerk fußende Organisation eine selbstständige Stiftung. Mit einer festen Stelle, Praktikanten und etwa 60 ehrenamtlichen betreut man zurzeit vor allem Projekte in Uganda.  Finanziert wird das Ganze durch Stiftungen und Spenden.
In Uganda vernetzt man zurzeit in einem Dachverband unter anderem 32 Sozialunternehmer, die sich Themen in den Schlüsselbereichen, Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft widmen.  Stay bleibt solange Partner einer Organisation, bis diese sich selbst tragen kann.

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER