Startups in Sigmaringen – ein langer Weg

Startups in SigmaringenStartups in Sigmaringen: Zwischen Plänen und der Realität. Foto: Stadt Sigmaringen

Die Förderung von Startups in Sigmaringen ist in den vergangenen Jahren intensiver geworden – Sigmaringen hat erfolgreich Anträge für Fördergelder gestellt. Mit dem deutschen Gründerpreisträger Grillido gibt es immerhin ein Vorbildunternehmen, dessen Gründer Wurzeln in der  Region hat.

„Sigmaringen stellt die Weichen für die Zukunft“ – So steht es auf einem riesigen Banner vor einem Gebäude der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen. Das gesamte Gelände unterscheidet sich nicht von den zahlreichen anderen ehemaligen Standorten der Bundeswehr, die in den letzten 10 bis 15 Jahren von dieser aufgegeben wurden: Pragmatische Gebäude, die zumeist ziemlich in die Jahre gekommen sind. Viel Grün, das zum Teil auch die alten Betonstraßen bewächst. Und das Suchen der Städte und Gemeinden nach einer sinnvollen und vor allem gewinnbringenden Nachnutzung.

Zwischen Plänen und der Realität

So war auch bei der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen die Suche nach einer Nachnutzung der Anstoß für einige sehr gute Ideen. So überzeugend, dass gut sieben Millionen Euro an Fördermitteln für das Konzept „InnoCamp Sigmaringen“ eingeworben werden konnten. Damit soll neben einer Weiterbildungs­akademie für Innovationsthemen und dem Innovations- und Technologiezentrum ITZ auch eine Modellfabrik entstehen. In dieser will die benachbarte Fachhochschule Albstadt-Sigmaringen, aktuell nur durch eine Straße und Lärmschutzwände vom zukünftigen Innovationscampus getrennt, Produktions- und Verfahrensprozesse im Bereich Life Science entwickeln.

Die Skizzen sehen auch mehr als acht Monate nach der Förderzusage noch sehr innovativ und spannend aus.Ganz anders die Realität: Außer dem riesigen Banner vor der zukünftigen Modellfabrik sind keine Bauarbeiten zu sehen, weder für die Brücke, die Hochschule und Campus verbinden soll, noch für das Innovationszentrum oder die Modellfabrik selbst. Dazwischengekommen sind dabei mehrere Faktoren: So sind Bauvorhaben meist eben trotz toller Pläne und gutem Willen aller Beteiligten nicht in einem halben Jahr zu starten. Und aktuell ist immer noch ein großer Teil der ehemaligen Kaserne als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Bei der Suche nach einer Gründerszene und Startups in Sigmaringen findet sich noch nicht viel, was publikumswirksam erscheint.

Fachkräftemangel und fehlender Mut zum Risiko bremsen

Die Region um die Stadt mit ihren 18 000 Einwohnern ist nicht gerade das, was coole Gründungen hervorbringt, sollte man meinen. Vor wenigen Tagen wurde mit Grillido ein Startup mit dem Deutschen Gründerpreis 2017 ausgezeichnet, welches seine Wurzeln zum Teil an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen hat: Manuel Stöffler, einer der beiden Gründer von Grillido, hat hier studiert. Das erzählt Andreas ter Woort, Startup-Manager der School of Entrepreneurship, stolz. „Solche Vorbilder sind wichtig für unsere Studierenden,“ sagt ter Woort. „Noch zu wenige kommen auf die Idee, selbst ein Unternehmen zu gründen.“

Er meint die etwas risikoaverse Mentalität in der Region, gepaart mit dem hohen Fachkräftemangel. Absolventen der Hochschule haben nach dem Studium die Auswahl – eine Herausforderung für die Gründerszene wie vielerorts in Baden-Württemberg. Über 70 Unternehmen versuchen auf der jährlichen Karrierebörse der Hochschule im November einen Standplatz zu bekommen, um dort Studierende zu umwerben. Dies sei, so ter Woort, sehr erfreulich, aber für Startups in Sigmaringen nicht unbedingt förderlich. Deshalb wolle die Hochschule auch weitere eigene Initiativen ergreifen. Das Thema Entrepreneurship findet so an beiden Standorten der Hochschule, Albstadt und Sigmaringen, mehr Beachtung.

Startups in Sigmaringen wünschen sich Austauschmöglichkeiten

In Sigmaringen starten erste fakultätsübergreifende Wahlvorlesungen zum Stichwort Entrepreneurship. Die Gründungskultur wird auch zusammen mit den Hochschulen in Biberach und Ravensburg-Weingarten im Rahmen eines geförderten Projekts angegangen, sagt der Startup-Manager, dessen School of Entrepreneurship von einem weiteren Fördertopf namens „Land(auf)Schwung“ finanziert wird. Spannende Anträge schreiben, das klappt also schon. Aber was davon kommt bei den Gründern in der Region an? Katharina Krauss, Gründerin des Unico Concept Store, ist nicht unzufrieden. „Der Gründer- und Jungunternehmertag Anfang Mai war schon sehr gut,“ sagt sie. „Für die Zukunft würde ich mir noch mehr informelle Austauschmöglichkeiten wünschen.“ Ihr Concept Store bietet online und auf Verkaufsabenden originelle Designprodukte aus Kolumbien, Brasilien und Argentinien, aber auch aus Deutschland und Österreich an. Krauss ist es dabei wichtig, nicht nur spannende, sondern auch verantwortungsvolle Produkte im Sortiment zu haben.

„Mir liegen Frauen und ihre Anliegen besonders am Herzen,“ beschreibt sie ihre Motivation.„Deshalb achte ich genau darauf, dass die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung für Menschen stimmen, welche die von uns vertriebenen Produkte herstellen.“Beim Regionalcup Sigmaringen des Elevator Pitch Baden-Württemberg, der Anfang Mai im Rahmen des Gründer- und Jungunternehmertags von IHK Bodensee-Oberschwaben, InnoCamp und School of Entrepreneurship stattgefunden hat, war Krauss eine von nur wenigen Gründern aus Sigmaringen. Die anderen Teilnehmer kamen unter anderem aus Friedrichshafen, Markdorf und Karlsruhe. Die mit 120 Gästen sehr gut besuchte Veranstaltung war die zentrale jährliche Veranstaltung der IHK für alle drei Landkreise ihrer Region. In Sigmaringen ist also durchaus einiges in Bewegung. Was die zahlreichen geförderten Projekte aber letztendlich bringen, das muss sich noch zeigen.

Eine interaktive Karte mit den Startup-Standorten in Baden-Württemberg gibt es hier.

 

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Gastautor Moritz Meidert
Meidert  ist „Kapitän“ des bundesweit tätigen Gründerservice-Unternehmens Gründerschiff mit Sitz in Konstanz. Nach dem Studium in Konstanz und Friedrichs­hafen hat er nach einer gescheiterten Unternehmensgründung, mehreren weiteren Gründungen sowie einiger Erfahrung als Gründungsberater im Jahr  2014  das Gründerschiff gestartet. Das Gründerschiff begleitet mit  ­regionalen, sogenannten  Gründerschiff-Lotsen neben Unternehmens­gründern auch kleine und mittlere Unternehmen bei Innovationsprojekten sowie  Vorhaben, die den Gründergeist der eigenen ­Mitarbeiter fördern sollen. ­Außerdem bestehen Koope­rationen mit ­Hochschulen, Kommunen und Landkreisen. Ziel ist es dabei, Angebote für  Gründer im Land   besser zu verbreiten. Das Gründerschiff macht nach eigenen Angaben mehr als  8000 Angebote im Jahr für Gründer in Baden-Württemberg. Man deckt.   Regionen abseits der Metropolen ab. Bisher  hat Meidert über Ravensburg und Lörrach geschrieben. Als Gastautoren werden lokale Experten für IdeenwerkBW   weitere  Orte präsentieren.

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