Startups in Pforzheim: Sorgenkind wird kreativ

Startups in PforzheimStartups in Pforzheim finden immer bessere Anlaufpunkte. Foto: Hild/CC BY-SA 3.0

Bei Pforzheim denkt man an Begriffe wie Goldstadt, Tor zum Schwarzwald, Autobahnstau. Doch die Stadt liegt perfekt zwischen zwei Ballungsräumen. Startups in Pforzheim sind im Aufschwung.

Nachdem Pforzheim viele Jahre eines der – wirtschaftlich betrachtet – Sorgenkinder des Landes war, hat sich dort mittlerweile viel getan. So sitzt seit Kurzem nicht nur einer der DigiHubs in Pforzheim (gemeinsam mit Horb und ­Nagold), sondern es haben sich mit dem Innotec  und dem jüngeren Kreativzentrum Emma auch zwei sehr gut angenommene Gründungszentren entwickelt. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und ­haben doch ihr Gemeinsamkeiten: Beide sind auf Konversionsflächen entstanden, das Innotec nutzt ehemalige Räume eines großen Versandhauses, das Emma das frühere Emma-Jaeger-Bad.

Das Innotec ist ein „klassisches“ Zentrum für wissensintensive Hightechgründungen, für das sich „Pforzheim bei der Gründung sehr weit vorgewagt hat und – betrachtet man den Erfolg – dafür auch belohnt wurde“, so Kevin Lindauer, für das Innotec zuständiger Fachbereichsleiter von Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim: „Wir bieten hier repräsentative Büroflächen mit schneller Internetanbindung sowie Produktions- und Lagerflächen an.“

Startups in Pforzheim auch aus der Kreativwirtschaft

Das Emma bietet, fußläufig zur Fakultät für Gestaltung, auf 3000 Quadratmetern Raum für Gründer und junge Unternehmen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft. „Hier gibt es neben Werkstätten für Schmuck-, Mode- und Industriedesigner auch Büros, Ateliers, Besprechungs- und Veranstaltungsräume sowie einen Coworking-Space“, zählt Almut Benkert, für das Emma zuständige Fachbereichsleiterin, die Leistungen auf. Gemeinsam mit ihrem Team Fabian Jäger und Alexandra Vogt bespielt sie ein äußerst vielfältiges Gebäude. Die völlig unterschiedlichen Flächen haben jeweils ihren eigenen Charme – ob das die Minibüros sind oder die voll ausgestatteten Goldschmiedearbeitsplätze.

Entsprechend begeistert sind nicht nur Benkert und Lindauer, sondern auch deren Mieter. Während Benkert die Veranstaltungen wie Beratungs- und Vernetzungsangebote im Emma lobt, genießt ihr Mieter Kevin Danzer mit der Roboterfirma NOX Robots das dynamische Umfeld. Und während Lindauer sich über die bald 20-jährige Geschichte des Innotecs freut, in dem bereits über 50 Unternehmen Mieter waren, sind Alexey Pavlov und Ivan Alles von der uro­­­bots GmbH für die Unterstützung durchs Innotec dankbar.

Obwohl beide Unternehmen das Wort Roboter im Namen tragen, unterscheiden sie sich gravierend: NOX Robots entwickelt Veranstaltungsroboter, urobots arbeitet an selbstlernenden Systemen mit Schwerpunkt visueller Erkennung. „Unsere Roboter sind noch nicht intelligent“, erzählt Danzer von NOX Robots, „dafür machen sie jedes Event zum besonderen Event.“

Roboter und Veranstaltungsgäste interagieren

Besonders spannend sei, die Interaktion von Veranstaltungsgästen und Roboter zu beobachten. Langfristig sollen die Roboter, deren erste Entwicklung an der Fachhochschule begann, in der Lage sein, auch als interaktiver Produktvorsteller zu arbeiten. „Aber“, so Danzer, „bis dahin ist es noch ein langer Weg.“ Wie lang der Weg ist, demonstriert Pepper, der 1,20 Meter kleine Roboter: Viele der Interaktionen klappen schon, bei manchen braucht Pepper noch zwei Anläufe.

Auch Pavlov und Alles führen stolz ihre Entwicklungen vor. „Bei uns dreht sich alles um die Kombination aus visueller Erfassung und lernendem System,“ beschreibt Pavlov die Leistungen der Software von urobots. „Damit lösen wir Herausforderungen im Bereich von Verpackungs- oder Automatisierungstechnologien“, ergänzt sein Geschäftspartner Alles. Die beiden lernten sich bei Projekten als IT-Entwickler kennen und beschlossen, ihre Ideen gemeinsam zu verfolgen.

Hochschule treibt Startups in Pforzheim an

Im Innotec sitzt auch die Sternad Software GmbH. Gründer Kai Sternad und seine Frau Christine haben mit dem Büro im Innotec den Schritt vom Freelancer zum Unternehmertum vollzogen. Mittlerweile sind erste Mitarbeiter an Bord. „Es ist zwar nicht leicht, im IT-Bereich die passenden Mitarbeiter zu finden“, erzählt Sternad, „aber zwischen Stuttgart und Karlsruhe mit der Nähe zu zahlreichen Hochschulen finden wir in Pforzheim die Partner und Mitarbeiter, die wir brauchen.“ Ähnlich beschreiben Danzer und Pavlov die Fachkräftesituation.

Ein Highlight beim Thema Startups in Pforzheim entwickelte sich an der Hochschule. Dort wurde unter der Ägide von Professorin Katja  Puteanus-Birkenbach mit dem Gründerwerk ein besonderes Projekt entwickelt. Um in allen Studiengängen und dem generellen Hochschulangebot das Thema „Unternehmerisches Denken und Handeln“ zu platzieren, ziehen dort Professoren der ganzen Hochschule an einem Strang. Der brandneue Creative Space bietet beinahe unbegrenzt Platz zum Denken, Entwickeln und am Ende zum Gründen.

„Natürlich ist es klasse, wenn bei uns Gründungen entstehen“, sagt Puteanus-Birkenbach. „Noch wichtiger ist mir aber, mit den Studierenden zu erarbeiten, wie sie unter Unsicherheit Entscheidungen treffen können und wie sie zum Beispiel Kreativitätsmethoden für sich nutzen können.“ Denn, so hebt sie hervor, „in Zukunft wird es für jeden Einzelnen immer wichtiger werden, ähnlich einem kreativen Unternehmer denken und handeln zu können.“ Auch hier wird also ein Perspek­tivenwechsel nötig werden.

Der Gastautor Moritz Meidert

Moritz Meidert ist „Kapitän“ des bundesweit tätigen Gründerservice-Unternehmens Gründerschiff. Foto: privat

Meidert ist „Kapitän“ des bundesweit tätigen Gründerservice-Unternehmens Gründerschiff mit Sitz in Konstanz. Nach dem Studium in Konstanz und Friedrichs­hafen hat er nach einer gescheiterten Unternehmensgründung, mehreren weiteren Gründungen sowie einiger Erfahrung als Gründungs­berater 2014 das Gründerschiff gestartet.

Das Gründerschiff begleitet mit ­regionalen Gründerschiff-Lotsen neben Unternehmens­gründern auch kleine und mittlere Unternehmen bei Innovations­projekten sowie Vorhaben, die den Gründergeist der eigenen ­Mitarbeiter fördern sollen. ­Außerdem bestehen Koope­rationen mit ­Hochschulen, Kommunen und Landkreisen.

Ziel ist es, Angebote für ­Gründer im Land besser zu verbreiten. Das Gründerschiff macht nach eigenen ­Angaben mehr als 8000 Angebote im Jahr für Gründer und deckt Regionen abseits der Metropolen ab.

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