Startups in Liechtenstein: Schwerpunkt Fintech

Startups in LiechtensteinLiechtenstein: Klein, aber für Startups aus dem Bereich Finanzen attraktiv. Foto: Pixabay/CC0

Startups in Liechtenstein? Das kleine Fürstentum versucht verstärkt, sich in der Szene zu vernetzen, insbesondere im Bereich der Finanztechnologie. Und man blickt hier auch verstärkt zum deutschen Nachbarn.

Die Zeiten, als Liechtenstein eine anrüchige Steueroase war, sind vorbei. Das Fürstentum setzt seit vielen Jahren auf eine konsequente Weißgeldstrategie. Viel früher als etwa die Schweiz schloss sich das kleine Land im Rheintal zwischen Österreich und der Schweiz dem automatischen Informationsaustausch an. Außerdem gehört der Ministaat dem Europä­ischen Wirtschaftsraum (EWR) an und hat damit freien Zugang zur EU.

Liechtenstein bemüht sich mehr denn je um Investoren und Gründer, gerade um Fintechs. Das mag erst einmal überraschen, denn das sechstkleinste Land der Welt liegt fernab von hippen Metropolen wie Tel Aviv, Berlin oder Paris. Doch neben dem großen Finanzsektor mit Banken, Versicherungen, Stiftungen und Treuhand­gesellschaften ist Liechtenstein ein wichtiger Industriestandort. Dieser Sektor trägt 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Startups in Liechtenstein finden kurze Wege und schnelle Antworten

Das Land wirbt um Investoren. „Wir rollen den Unternehmern den roten Teppich aus“, sagt Regierungschef Adrian Hasler, der im nahen St. Gallen Betriebswirtschaft studiert hat und seit 2013 an der Spitze der Regierung steht. Wirtschaftsfreundlichkeit ist hier kein Schimpfwort. Hasler hebt die liberale Wirtschaftspolitik und das „einfache Steuersystem mit attraktiver Unternehmensbesteuerung“ hervor. Die Ertragsteuern für Unternehmen liegen bei nur 12,5 Prozent und sind effektiv sogar noch niedriger. Auch der Spitzensteuersatz von acht Prozent kann sich sehen lassen. Dazu kommen „kurze Wege und schnelle Antworten“. So habe man bei der Finanzmarktaufsicht ein Regierungslabor geschaffen, „ein internes Kompetenzteam, das Start-ups und etablierte Finanzdienstleister bei Themen, die neue Finanztechnologien betreffen, begleitet“.

Einer derjenigen, die sich von den Vorteilen Liechtensteins überzeugen ließen, ist Yanislav Malahov. Der gebürtige Bulgare ist in Deutschland aufgewachsen. Mit seinem internationalen Team baut der Chef des Fintechs Aeternity eine neue Plattform für Blockchains auf. Ziel sei es letztlich, möglichst allen Menschen Zugang zu modernen Finanzsystemen zu verschaffen.

Wenn er und sein Team gerade einmal nicht zwischen den USA und Singapur unterwegs sind, arbeiten sie im nahen Triesen in einem Coworking Space und wohnen privat in einer Airbnb-Unterkunft. Malahov lobt die Finanzmarktaufsicht FMA, „die wirklich cool ist, weil die eher helfen, als Steine in den Weg zu legen. Und einen Handelsregisterauszug habe ich in 15 Minuten.“ Inzwischen sei eine für Startups in Liechtenstein eine Szene entstanden, die sich regelmäßig treffe. Außerdem komme man gut an Kapitalgeber heran, hebt Malahov, der in München Informatik und BWL  studiert hat, hervor. Wichtig sei auch die Fintech-Konferenz, die 2017 bereits zum dritten Mal stattfand.

Fintech-Verein im Umfeld der Universität

Eine zentrale Rolle bei deren Organisation spielt der im Umfeld der Universität Vaduz gegründete Fintech-Verein. Damit wollte man eine Plattform schaffen, auf der etablierte Unternehmen mit Fintechs zusammenkommen könnten, erklärt Mitorganisatorin Sina Reubelt. Das böte für beide Seiten neue Chancen, findet die deutsche Studentin. Ansprechpartner aus Ministerien, Aufsichtsbehörde, Unternehmen und Fintechs seien schnell greifbar.

Zwar kämen die meisten Anfragen aus dem deutschsprachigen Raum, berichtet Patrick Bont von der Finanzmarktaufsicht FMA, doch das Interesse auch von außerhalb, etwa aus Japan oder Skandinavien, wachse. Die jüngste Fintech-Konferenz fand auf Englisch statt. Das erleichtert auch manchem Deutschen das Verstehen. Den einheimischen Dialekt verstehen nicht alle.

„Das große Thema ist momentan die Blockchain-Technologie bzw. Anwendungen auf Basis dieser dezentralen Computernetzwerke“, sagt Bont. „2016 hatten wir eine Anfrage pro Woche. Inzwischen sind es zwei bis drei.“ Fünf bis zehn Prozent der vorgestellten Projekte würden realisiert. „Derzeit sind etwa 15 Fintech-Unternehmen im Land aktiv. Und einige weitere sind in der Pipeline“, meint er. Entscheidend sei die Einbettung der Fintech-Branche in den europäischen regulierten Rahmen: „Unser Heimatmarkt ist zu klein.“ Neben der nahen Schweiz und Österreich sei das kleine Land mit dem Start-up-freundlichen Klima vor allem auch für Gründer aus Bayern und Baden-Württemberg attraktiv.

Gleichzeitig EWR-Mitglied und Zollunion mit der Schweiz

„Dank der Mitgliedschaft im Europä­ischen Wirtschaftsraum und der Zollunion mit der Schweiz haben wir Zugang zu zwei Wirtschaftsräumen“, hebt Franz Wächter hervor. Zusammen mit zwei weiteren „traditionellen“ Unternehmern hat Wächter gerade in Vaduz einen Technologiepark „für Start-ups mit Potenzial“ gegründet. Aus Sicht der Verantwortlichen im Fürstentum sind Bayern und Baden-Württemberg natürlich Rekrutierungsbecken für Gründer, die mit den Marktzugangschancen, aber auch den günstigen Rahmenbedingungen gelockt werden sollen.

Über das Gründerstadium eines Start-ups ist die Tradico AG längst hinaus. Das Fintech des Bregenzers Manuel Hehle, der früher im Banken-Bereich gearbeitet hat, ist seit 2016 um jährlich 500 Prozent gewachsen. Er macht bereits 30 Millionen Franken Umsatz.

„Wir sind der schnellste Online-Finetrader Europas“, sagt Hehle. Tradico hat ein ausgefeiltes System entwickelt, dass mittelständischen Kunden bei der Finanzierung ihrer Waren hilft, indem sie verlängerte Zahlungsziele erhalten und ihre Lieferanten trotzdem schnell bezahlt werden.

Hehle ist voll des Lobes über den Standort. Durch die Universität gebe es „ein großes Potenzial an kompetenten Leuten“. Das Land sei mit seinen Banken, die nach Partnern suchen, „ein toller Finanzplatz“, die Finanzierung komme größtenteils aus dem Fürstentum. Startups in Liechtenstein seien im Fokus der Regierung. Ein weiteres Plus: „Die Lage im Zentrum Europas.“ Nach Zürich fährt man eine Stunde, nach München, Stuttgart und Mailand je zweieinhalb.

Liechtenstein – eines der kleinsten und reichsten Länder der Welt
Mit einer Fläche von 160 Quadratkilometern ist das Fürstentum Liechtenstein das sechstkleinste Land der Welt. Die Erbmonarchie, die seit 1806 souverän ist, liegt am Oberrhein. Der Fluss bildet die Grenze zur Schweiz. Der andere Nachbar ist Österreich. Mit dem damaligen Österreich-Ungarn war Liechtenstein bis 1919 in einer Zollunion verbunden. Seit 1923 gibt es einen Zollvertrag mit der Schweiz. Zahlungsmittel ist der Schweizer Franken.
Das einst arme Land ist heute eines der reichsten und am stärksten industrialisierten Länder der Welt. Die Industrie trägt 40 Prozent zur Wertschöpfung bei. Liechtenstein weist einen ausgeglichenen Haushalt auf und ist schuldenfrei. Hier sind bekannte Unternehmen wie Hilti, der Autozulieferer Thyssenkrupp Presta und Oerlikon Balzer daheim. Die Zollunion mit der Schweiz und die Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum sichern freien Zugang zu Märkten mit über 500 Millionen Verbrauchern.
Schon früh setzte das Land auf Informations­austausch. Banken, Versicherungen, Treuhandbüros und xxxx ungen tragen 24 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das Fürstentum wirbt mit diesem Know-how, attraktiven Rahmenbedingungen und kurzen Entscheidungs­wegen um die Ansiedlung von  Startups in Liechtenstein, vorzugsweise Fintechs.

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