Startups in Heidelberg: Zwischen Tradition und Hightech

Startups in HeidelbergAls Startup-Metropole ist die traditionsreiche Universitätsstadt Heidelberg weniger bekannt. Dabei gibt es am Neckar durchaus eine recht lebendige Gründerszene mit einigen spannenden Akteuren. Foto: Universität Heidelberg

Startups in Heidelberg? Die traditionsreiche Universitätsstadt ist keine typische Metropole für junge Unternehmen. Doch in den letzten Jahren hat sich rund um die diversen Hochschulen einiges entwickelt.

„Nein, Heidelberg ist keine typische IT-Tech-Startup-Hochburg“, meint Christian Wiens, Co-Founder des wohl höchstbewerteten Start-ups Heidelbergs Getsafe. Das InsureTech Startup  hat vor kurzem erst gut 15 Millionen Euro Finanzierungsmittel eingeworben. Dennoch hat er Getsafe in Heidelberg gegründet. „Die Lage zwischen Stuttgart, Karlsruhe und Frankfurt hat den Ausschlag gegeben. Wir können hier sehr gut Mitarbeiter mit IT- und Versicherungshintergrund finden.“ Und die braucht Getsafe, das als digitales Versicherungsunternehmen am Markt ist. „Wir haben alle Versicherungsprozesse digitalisiert“, so Wiens.

Ein leichter Weg war das nicht. Als Wiens, der schon Startup-Erfahrung hatte, im elterlichen Schrank 20 verschiedene Versicherungspolicen unterschiedlichster Versicherer entdeckte, die zahllose Aktenordner füllten, hatte er wieder eine zündende Idee. Mit der Vorstellung einer eigenen Versicherung hat dann alles begonnen. Regulatorische Hürden haben Getsafe zunächst zum Anbieter eines digitalen Versicherungsordners und zum Makler von Versicherungen gemacht. Damit wurde das Unternehmen groß genug, um selbst zum Versicherungsunternehmen zu werden.

Auf viel Startup-Infrastruktur konnte Wiens in Heidelberg nicht aufbauen. Auch wenn, so sagt er, Heidelberg heute sehr gut aufgestellt sei. Insbesondere Heidelberg Startup Partners e.V., unter deren Dach sich alle Gründungsunterstützer der Neckarstadt zusammengefunden haben, sei eine hervorragende Anlaufstelle für Startups in Heidelberg.

Startups in Heidelberg profitieren von zwei Acceleratoren des Landes

Dieser Eindruck verfestigt sich, wenn man mit Markus Bühler, einem der führenden Köpfe bei Heidelberg Startup Partners spricht. Er redet voller Begeisterung über die Vielfalt der Gründungen und die Unterstützung, die man diesen mittlerweile angedeihen lasse kann. „Wir haben hier sehr viele spannende Life-Science-Gründungen, insbesondere als Ausgründungen aus der Universität und den Forschungsinstituten“, zählt Bühler auf, „aber auch viel im Bereich Kreativwirtschaft.“ Auch er weiß, dass Heidelberg keinen IT-Startup-Fokus hat. Und ist stolz darauf. „Denn“, so Bühler, „wir wollen uns viel breiter aufstellen und sind sehr glücklich, dass das gelingt.“ So sind die Startup Weekends der Heidelberg Startup Partners mittlerweile immer ausgebucht.

Zwei der sieben vom Land Baden-Württemberg geförderten Acceleratoren sind auch in Heidelberg angesiedelt: Im Life-Science-Bereich (Life Science Accelerator BW) und im B2B-IT-Umfeld (Up2B-Accelerator) werden – jeweils in Kooperation mit anderen Städten und Regionen – Gründer in strukturierten Programmen auf dem Weg zur Marktreife begleitet. Diese Kooperationsfähigkeit ist das, was die Heidelberger Gründerszene so besonders zu machen scheint.

Raoul Haschke, für Gründungen aus der Universität Heidelberg heraus verantwortlich, seine Pendants Hannu Sparwald von der Pädagogischen Hochschule (PH) und Bernhard Küppers sowie Felix Kirschstein vom Gründer-Institut der privaten SRH Hochschule Heidelberg, stoßen ins gleiche Horn: Auch wenn die einzelnen Hochschulen sicher die eine oder andere Unterschiedlichkeit aufweisen – so wird doch konstruktiv zusammengearbeitet, wenn es um Gründungen geht.

Die Szene der Startups in Heidelberg ist noch voller weiterer Geschichten

Während Haschke darum bemüht ist, die Ausgründungen aus den Forschungseinrichtungen der Universität zu begleiten, freut sich Sparwald noch darüber, dass die PH vom BMBF als „Innovative Hochschule“ erst vor kurzem eine größere Summe an Fördermitteln erhalten hat. Sie fließen zu einem Teil in die Gründungsunterstützung. „Die Bereiche Bildung und Wissensvermittlung liegen uns dabei besonders am Herzen“, so Sparwald.

Nicht entscheiden zwischen den spannenden Gründungen im SRH-Umfeld können sich dagegen Küppers und Kirschstein. Sie nennen gleich mehrere Startups, mit denen man sprechen müsse. „Das“, so findet Küppers, der im März die Leitung des Gründer-Instituts von Professor Dr. Rüdiger Fischer übernommen hat, „ist eine Luxussituation.“ Dieser Luxus resultiert vermutlich auch aus dem umfangreichen Inkubationsangebot, das das Gründer-Institut zu bieten hat.

Eines dieser Startups ist Living Brain. Die Gründer Barbara Stegmann und Julian Specht haben sich im Psychologie- bzw. Wirtschaftspsychologiestudium bei einer gemeinsamen Hausarbeit kennengelernt. Dabei war ihnen aufgefallen, dass beide eine Idee zur Umsetzung im Kopf hatten. Am Ende kam mit Living Brain ein auf Virtual Reality (VR) gestützter Ansatz für die Neuro-Rehabilitation heraus. Dabei können einzelne kognitive Bereiche wie der Orientierungssinn oder das Gedächtnis mit Hilfe von VR-Brillen dreidimensional und viel realistischer trainiert werden, als das mit den bisherigen Therapieansätzen der Fall ist. Die beiden Gründer waren auf die Idee gekommen, als sich Specht wegen einer Hirn-Operation mit der Reha-Frage beschäftigte.

Die Szene der Startups in Heidelberg ist noch voller weiterer Geschichten und spannender Akteure. Deren Erzählung muss aber bis zu einem weiteren Besuch unterhalb des Schlosses warten…

Der Gastautor Moritz Meidert:

Moritz Meidert ist „Kapitän“ des bundesweit tätigen Gründerservice-Unternehmens Gründerschiff. Foto: privat

Meidert ist „Kapitän“ des bundesweit tätigen Gründerservice-Unternehmens Gründerschiff mit Sitz in Konstanz. Nach dem Studium in Konstanz und Friedrichs­hafen hat er nach einer gescheiterten Unternehmensgründung, mehreren weiteren Gründungen sowie einiger Erfahrung als Gründungs­berater 2014 das Gründerschiff gestartet.

Das Gründerschiff begleitet mit ­regionalen Gründerschiff-Lotsen neben Unternehmens­gründern auch kleine und mittlere Unternehmen bei Innovations­projekten sowie Vorhaben, die den Gründergeist der eigenen ­Mitarbeiter fördern sollen. ­Außerdem bestehen Koope­rationen mit ­Hochschulen, Kommunen und Landkreisen.

Ziel ist es, Angebote für ­Gründer im Land besser zu verbreiten. Das Gründerschiff macht nach eigenen ­Angaben mehr als 8000 Angebote im Jahr für Gründer und deckt Regionen abseits der Metropolen ab.

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