Startups in Göppingen: Heimliche Champions

Startups in GöppingenKommunikative Stimmung beim Gründergrillen im Café Campus in Göppingen. Foto: Lukas Kauderer

Startups in Göppingen beginnen erst, sich zu finden. Dabei sind mit Teamviewer und Jaumo bereits globale Erfolgsgeschichten aus der Stadt hervorgegangen. Doch nun geht man das Thema mit Schwung an. 

Der Studententreff auf dem Campus für Wirtschaft und Umwelttechnik in Göppingen, einem Zweigstandort der Hochschule Esslingen,  ist frisch renoviert. Vom Tresen über die niedrigen Stühle und Hocker bis hin zur extracoolen Wandbemalung hat man alles getan, um in die ein wenig sterile Industriegebiets-Atmosphäre rund um die Hochschulgebäude etwas Farbe zu bringen. Das Göppinger Gründergrillen ist das passende Event um das frisch renovierte Café Campus wieder einzuweihen.

Das Startup-Veranstaltungsformat des so genannten Gründergrillens hat sich seit einigen Jahren in Baden-Württemberg immer weiter verbreitet. Auch in Göppingen gibt es draußen am Rost gegrillte Würstchen und Bier. Jeder ist aufgerufen, seine mehr oder weniger ausgereiften Startup-Ideen zu präsentieren. Hier kann man Gleichgesinnte treffen, die womöglich einmal zu Startup-Teammitgliedern werden könnten.

Initiator des Gründergrillens will etwas zurückgeben

Lukas Kauderer. Foto: Philipp Jonathan Schwarz

Lukas Kauderer, Mitgründer des eigentlich in Stuttgart beheimateten Startups Licili, das Unternehmen ein besseres Management ihres Kundenfeedbacks erlaubt,  kennt die Stuttgarter Startup-Szene. Als gebürtiger Göppinger will er etwas davon in seine Heimatstadt bringen. Das war der Impuls, warum er zusammen mit Fabian Diefenbach, dem Startup-Beauftragten der Hochschule im Sommer des vergangenen Jahres das Gründergrillen nach Göppingen brachte, das inzwischen ein halbes Dutzend Mal stattgefunden hat und jedesmal 30 bis 40 meist junge Teilnehmer anlockt. „Mir ist in der Stadt sehr viel ermöglicht worden“, sagt er: „Ich möchte einfach jetzt etwas zurückgeben.“

Noch braucht es ein paar Minuten, bis sich zu den so genannten „Pitches“, also den für Startups typischen Kurzpräsentationen, ein paar Teilnehmer nach vorne trauen.  Ein Informatiker, der gleichzeitig Wassersportler ist, will Leistungssportler mit Firmensponsoren vernetzen. Ein anderer will eine App anbieten, die mithilfe Künstlicher Intelligenz ein persönlicher Fitnesstrainer in der Hosentasche sein kann. Und ein anderer Gründer plant nach dem Vorbild des Stuttgarter Hobbyhimmels eine für jedermann frei zugängliche Werkstatt, in der man an Projekten basteln kann, für die man zu Hause nicht die passenden Werkzeuge hat.

Startups in Göppingen stehen für einen Trend im Land

Göppingen steht dabei für einen Trend der vielerorts in baden-württembergischen Städten zu beobachten ist. Über die traditionelle Gründerförderung hinaus, will man verstärkt auch Startups in Göppingen mit neuen, wachstumsträchtigen Ideen, innovativen Technologien und neuen Geschäftsmodellen fördern. Und hier sind insbesondere die Hochschulen ein wichtiges Reservoir an potenziellen Gründern.

Dies ist auch der Grund, warum an diesem Abend schon zum wiederholten Mal, Christine Kumpf, die Wirtschaftsfördererin von Göppingen, zum Gründergillen gefunden hat. Das Potenzial, das für Startups in Göppingen stecke wolle man besser ausschöpfen. Deshalb hat man auch an einem Wettbewerb für gründerfreundliche Kommunen des Landes Baden-Württemberg teilgenommen. „Das hat uns den Impuls gegeben, einmal unsere Vision für die Zukunft zusammenzufassen“, sagt Kumpf.

Bisher läuft die Finanzierung von Gründungen in der Stadt über die Banken. „Wir wollen den Leuten künftig auch erzählen können, wie Risikokapital funktioniert,“ sagt sie. Die Standortförderung intensiviert zurzeit den Kontakt mit der Hochschule. „Wir wollen eine jüngere Zielgruppe erreichen“, sagt Kumpf. Und nach einem aktuellen Beschluss des Gemeinderates wird es vom Herbst an  im bisherigen  kommunalen „Impuls- und Gründerzentrum“ im Stauferpark einen neu ausgebauten , so genannten Coworking-Space geben, der nicht nur Startups anlocken, sondern sie auch besser miteinander verknüpfen soll.

Startups in Göppingen docken an solider Gründerförderung an

Für Lukas Kauderer ist dies eine logische Weiterentwicklung der Gründerförderung in der Stadt. Er ist nämlich des Lobes voll über die Unterstützung, die er in der Stadt erhalten hat, als er vor drei Jahren mit seinem Unternehmen gestartet ist.  „Schon mein erstes Gespräch mit der IHK war sehr hilfeich. Es gibt hier in der Stadt ein ganz starkes Miteinander. Das ist nicht so abgekapselt wie in Stuttgart, wo manche ihre besten Kontakte gerne für sich behalten wollen.“

Und in Göppingen sind zudem schon erfolgreiche, international expandierende, innovative Unternehmen entstanden, bevor der durchschnittliche Bürgermeister im Land das Wort Startup überhaupt aussprechen konnte.  Das 2005 gegründete IT-Startup Teamviewer, das eine Fernwartungssoftware beispielsweise für Videokonferenzen und andere Formen der virtuelle Teamzusammenarbeit entwickelt hat, war nach SAP in den siebziger Jahren wieder das erste Milliarden-Startup aus Baden-Württemberg. Im Jahr 2017 wurde das in der Zwischenzeit  an ausländische Investoren verkaufte auf einen Wert von etwa 1,7 Milliarden Euro taxiert. Inzwischen steht womöglich ein milliardenschwerer Börsengang bevor.

Dass der Name Göppingen dadurch dennoch nicht so Recht auf die Startup-Landkarte kam, lag an der Zurückhaltung seines Gründers Tilo Rosmanith, der im Gegensatz zu Silicon-Valley-Erfolgsmenschen einerseits die Öffentlichkeit scheut, andererseits auch nicht die Neigung verspürtw, als Investor seine Heimatstadt so nach vorne zu bringen, wie dies etwa der Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit Heilbronn getan.

Bei der Dating-App Jaumo ist man etwas offener

Doch Benjamin Roth, der Mitgründer eines anderen Erfolgs-Startups aus Göppingen, der Dating-App Jaumo, ist an diesem Abend gerne zum Gründergrillen gekommen. Er erzählt locker, wie der Nachfolger einer einst regionalen Göppinger Verkuppelungs-Plattform zum Welterfolg wurde. „Ich war noch nie in meinem Leben in einem Angestelltenverhältnis“, sagt er. Im Gegensatz zu Teamviewer, das inzwischen mehrere Hundert Mitarbeiter in Göppingen  beschäftigt, ist man kein Arbeitsplatzwunder.

Das kleine Team von 25 Mitarbeitern ist weltweit verstreut, von „Faurndau und Spanien bis nach Mexiko und Hongkong“, wie Roth erzählt.   Er vermittelt etwas von der Lockerheit, der Unbefangenheit und dem Elan, die ein erfolgreiches Startup ausmachen. „Man fängt klein an, muss Abstriche machen und muss haushalten,“ sagt er: „Man freut sich über jeden ersten Euro. Und irgendwann einmal stellt man fest: Krass, es funktioniert!“

Die richtige Nische fürs Wachstum finden

Jaumo habe sich aus eigener Kraft finanziert und sich in dem überlaufenen Dating-Markt auf die richtigen Nischen konzentriert: „Wir haben einfach Märkte ausprobiert, wo die Akquise günstig ist. Du bekommst einfach die Vielfache Zahl an Nutzern in Indien für das gleiche Geld.“ Und so ist Jaumo inzwischen in 50 Ländern der Welt vertreten, wo man den nötigen Marktanteil für eine signifikante Präsenz erreichen kann.  Die Fragen an ihn nehmen nach seinem Vortrag  fast kein Ende. „Du brauchst unbedingt einen gewissen Idealismus, um selbstständig zu sein“, sagt Roth auf der Frage nach der entscheidenden Voraussetzung für einen Gründer.

Und Initiator Lukas Kauderer kann bereits von einem weiteren Highlight berichten: Für ein weiteres Gründergrillen öffnet auch das einst verschlossene Unternehmen Teamviewer sogar seine Bürotüren und seine Dachterrasse. „Man hat einfach erkannt, dass es auch unter dem Gesichtspunkt der Mitarbeitergewinnung wichtiger wird, in Göppingen noch sichtbarer zu werden.“

Eine interaktive Karte mit den Startup-Standorten in Baden-Württemberg findet sich hier.

Gründergrillen Nummer 6
Am 3.6. ab 18 Uhr ist das Gründergrillen Göppingen zu Gast beim Unternehmen Teamviewer in der Jahnstr. 30. Hier der Facebook-Link.

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