Startups als heimliche Mittelständler

MittelständlerDas Startup Findbox aus Ettenheim, das Geräte zum besseren Auffinden von Waren im Laden herstellt, ist ein Vorzeigebeispiel. Screenshot: IdeenwerkBW

Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg  und die  Mittelständische Beteiligungsgesellschaft haben ihre Jahresbilanz vorgestellt. Die Zahlen sind solide, Startups im Land sind potenzielle Mittelständler – aber die Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut wirbt für mehr Dynamik.

Solide Fallzahlen, höheres Finanzierungsvolumen, niedrige Ausfallquoten und ein steigender Anteil von Gründungs- und Nachfolgefinanzierungen. Aus Sicht der Bürgschaftsbank und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG), die als Instrument der Wirtschaftsförderung des Landes insbesondere junge und mittelständische Unternehmen mit Bürgschaften und Kofinanzierungen unterstützen, ist das Jahr 2016 erfolgreich verlaufen.  Von „Kontinuität und Verlässlichkeit“ sprach Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank, bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Stuttgart.
Zwar ging die Zahl der unterstützten Unternehmen von 2271 auf 2172 zurück, gleichzeitig stieg aber das Kredit- und Beteiligungsvolumen von 516,5 Millionen Euro auf 526,8 Millionen. Die MBG beteiligte sich 2016 an 126 Unternehmen (Vorjahr 118). Dabei stieg der Anteil von Gründungen, Unternehmensnachfolgen und Risikokapital-Investitionen deutlich auf nun rund 40 Prozent. „Wir sind der größte Beteiligungskapitalgeber in Deutschland – vor Bayern“, sagte der MBG-Geschäftsführer Dirk Buddensiek und  betonte das  Ziel, solide, nachhaltige Firmen aufzubauen: „Existenzgründung ist wie ein Zehnkampf, um am Ende als Mittelständler im Ziel anzukommen.“

Mittelständler werden – reicht das?

Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Krautt warb allerdings darum, darüber hinauszublicken. „Ein Startup im Land will Mittelständler werden – und in Berlin sucht man nach zwei Jahren den Exit“, sagte die Ministerin. Das spreche für das Land: „Wir müssen aber eine größere Dynamik hineinbekommen.“ Baden-Württemberg liege bei der Zahl der Gründungen nicht in der deutschen Spitzengruppe. Man müsse neue Wege gehen und   schneller werden, sagte sie mit dem Verweis auf Gründungszentren wie Israel oder  Singapur. Die vielfältigen  Angebote im Land müsse man besser bündeln und vermarkten.
Der Fokus der Programme von Bürgschaftsbank und MBG liegt bisher auf Gründungen in einer frühen Phase und der Förderung von kleinen und mittelständischen Betrieben etwa bei der Nachfolgeregelung und bei Investitionen. Das  durchschnittliche verbürgte Kredit- und Beteiligungsvolumen liegt  bei der Bürgschaftsbank bei  für die Maßstäbe von expansionsbereiten Startups vergleichsweise niedrigen 178 000 Euro. Dies ist allerdings bereits ein Drittel mehr als  vier Jahre zuvor und damit ein Beleg dafür, dass Gründer einen wachsenden Kapitalbedarf haben. Auch an anderen Stellen beginnt das bisherige Förderkorsett offenbar eng zu werden.  MBG-Chef Buddensiek schlug seinerseits vor, die hier bisher geltende Obergrenze für Beteiligungen  auf eine Million Euro anzuheben.

Startfinanzierung wird aufgestockt

Bei der genannten Startfinanzierung 80, bei der das Ausfallrisiko der Hausbank zu achtzig Prozent von der Bürgschaftsbank übernommen wird, wird deshalb von April an das maximale Darlehensvolumen bei  Einzelgründern von 100 000 auf 125 000 Euro und bei Gründerteams  von 400 000 auf 500 000 Euro aufgestockt.  Hier vergibt die L-Bank als Partner ein zusätzliches, zinsvergünstigtes Förderdarlehen.
Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium arbeitet allerdings zurzeit an einem Landes-Risikokapitalfonds, der jenseits der bisherigen Förderprogramme dazu dienen soll, privates Kapital zu mobilisieren. Aus fünf Millionen an geplanten Landesmitteln sollen so am Ende 40 bis 50 Millionen Euro werden.   Details zu dem geplanten Fonds will die Ministerin in Kürze präsentieren. Auf die Frage, ob hier auch die bisherigen Förderinstitute Bürgschaftsbank und MBG im Boot seien, sagte die Ministerin nur, dass diese auch in Zukunft weiterhin wichtige Partner seien.

Ein Startup lobt die Förderung

Die baden-württembergischen Möglichkeiten, aber auch die Grenzen zeigte der badische Mehrfachgründer Michael Unmüßig auf. Er lobte die Unterstützung der MBG bei seinen bisherigen Gründungen: Für andere Banken sei dies ein Gütesiegel: „Baden-Württemberg steht für Vertrauen“. So baute er  zwischen 1990 und 2012 mit der K + U Printware GmbH einen der größten Hersteller von Tonerkartuschen und Tintenpatronen auf. Mit zuletzt 160 Mitarbeitern wurde das Unternehmen allerdings an einen amerikanische Investor verkauft, da die weitere Wettbewerbsfähigkeit Produktionsstandorte im Ausland nötig machte. Auch sein zweites, gleich im Anschluss gegründetes  Startup Findbox, dessen innovative Technik per Lichtsignal zu gesuchten Produkten im Laden leitet,  hat er vor einigen Monaten an einen französischen Eigentümer verkauft. An fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten habe dies allerdings jeweils nicht gelegen. „In Baden-Württemberg sind wir nicht immer  in der Lage,  amerikanischen Gepflogenheiten zu folgen“, sagt er. Die seien ja auch nicht unbedingt ein Vorbild: „In fünf Jahren ist vieles, was  angeblich disruptiv ist, nicht mehr als ein dünnes Schorle“.

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