Startups beginnen in den Köpfen

StartupsSo sahen die Gründer des letzten Milliarden-Weltkonzerns aus dem Land aus (v.l.n.r): Die SAP-Väter Klaus Tschira, Hasso Plattner, Dietmar Hopp, Hans-Werner Hector. Foto: SAP

Es sind die  Menschen, die sich  außerhalb der bestehenden Strukturen bewegen, die Baden-Württemberg für die Umbrüche der Digitalisierung wappnen. Startups benötigen mehr als Förderung – es braucht ein neues Denken.

Baden-Württemberg hat seinen Gründern viel zu verdanken. Die Garagenfirmen von einst hießen einmal Bosch, Daimler und Benz. In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hießen die Gründer des heutigen IT-Weltkonzerns SAP etwa Hector, Hopp, Tschira, Plattner und Wellenreuther. Und auch hinter fast jedem mittelständischen Unternehmen im Land steht eine mutige Gründergeschichte. Diese  Firmen sind mit ihrer globalen Ausrichtung, ihrer Anpassungsfähigkeit und flachen Hierarchien tief drinnen auch immer noch etwas wie Startups einer speziellen schwäbisch-badischen Variante.
Wenn es deshalb eine Region gibt, die im globalen Wettbewerb um neue Ideen in Deutschland eine Chance hat, dann ist es der Südwesten. Doch eines steht einem neuen Gründungszeitalter im Weg. Es ist nicht ein Mangel an öffentlicher Förderung oder ein  viel zu schleppender Breitbandausbau. Es ist vielmehr das Gefühl von  Sattheit und Überlegenheit.

Selbstgewissheit ist des Startups Feind

Vor einer Weile schrieb ein schwäbisch-patriotischer Ingenieur in einem Leserbrief, dass man das mit dem Startup-Getue im Land doch nicht übertreiben solle: Man baue doch weltweit begehrte Maschinen, welche die Amerikaner nicht in hundert und die Chinesen nicht in zweihundert nachmachen könnten.
Doch genau diese Selbstgewisstheit ist das Grundproblem: Wirtschaftlicher Erfolg wird in den kommenden Jahren, im  fast schon im Überdruss beschworenen Zeitalter der Digitalisierung ein anderes Gesicht haben. Es geht nicht mehr um die besten Maschinen, es geht darum, den Kunden ein Rundumpaket anzubieten, Wartung, Dienstleistung, Vernetzung und alle Services inklusive. Dieser radikale Umbruch kann nicht aus den Unternehmen selbst heraus kommen, die oft das Reich der Bedenkenträger sind und damit beschäftigt sind, bestehende Strukturen und Hierarchien zu verteidigen.
Hierzu braucht es Gründer. Hier geht es nicht um das eine oder andere, womöglich auch noch staatliche Unterstützungsprogramm. Es braucht ein Umdenken, das schon im Bildungswesen und ganz unten in der Schule beginnt. Risikobereitschaft, Phantasie und Visionen sind genauso wichtig wie Technologiezentren. Ein Gründerland braucht deshalb  Gründergeist in allen Formen. Technologiefirmen, die mit den bestehenden etablierten Firmen kooperieren,  sind sicher ein Grundpfeiler für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes. Aber auch Gründer mit kreativen Ideen für Dienstleistungen oder Firmen mit ausgeprägtem sozialen oder ökologischen Kompass sind wichtig.

Zu viel Klein-Klein, zu wenige Visionen

Die Debatte um die Zukunft des Gründerlandes Baden-Württemberg darf sich sich deshalb nicht in technischen und politischen Details verlieren. Es geht natürlich um einen kritischen Blick auf die bisherige, durchaus umfangreiche, aber nicht immer auf mögliche Synergien abgeklopfte  Gründerförderung. Es geht um Deregulierung, Entbürokratisierung und bessere, auch steuerliche Anreize für Gründer und Investoren.  Man muss darüber nachdenken, wie man etwa an den Hochschulen den Gründergeist noch besser fördern kann. Aber es geht vor allem auch um das Bewusstsein, dass wir risikobereite, hungrige Gründerpersönlichkeiten brauchen – die übrigens auch mal scheitern dürfen.

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