Startup Weekend Stuttgart – #6/2015

Startup Weekend Stuttgart

Zum sechsten Mal haben kreative Teams ein  Startup Weekend  Stuttgart absolviert. Das weltweit in vielen Städten veranstaltete Event soll Mut zu kreativen Geschäftsideen machen und potenzielle Gründerteams zusammenschmieden. (Wer in Stuttgart das Rennen gemacht hat, steht am Ende des Textes. Ein wenig Spannung darf sein…).

Das Startup Weekend Stuttgart lebt davon, in  Teamarbeit, ganz ohne Chefs und Hierarchien,   kreative Ideen in Geschäftsmodelle zu verwandeln. Doch es hat auch seine Stars. In diesem Jahr hießen sie ganz klar Adrian und Samuel, die eigens aus dem bayerischen Traunstein nach Stuttgart gereist waren. „Wir sind Developer für Java Script“, sagten sie selbstbewusst auf die Frage, was sie bei dem Innovationswettbewerb einbringen wollten – und heimsten damit  zum Start den größten Beifall ein. Adrian und Samuel sind nämlich erst 14 und waren unter den 100 Teilnehmern an der Hochschule der Medien (HdM)  in Stuttgart mit Abstand die Jüngsten. Aber wegen ihrer Programmierkenntnisse  waren sie begehrte Mitstreiter.
Ein Teilnehmer hatte bei einer zufälligen Begegnung mit den Eltern  das Potenzial der Jungs erkannt, die seit dem zarten Alter von  elf Jahren sich das Programmieren selbst beigebracht haben – und lud sie nach Stuttgart ein.

Die beiden Schüler verkörpern die Offenheit und den Kooperationsgeist dieses zum sechsten Mal in Stuttgart und zum dritten Mal in Folge an der HdM veranstalteten Ideenwettbewerbs.   Ganz am Anfang steht der Mut, in 60 knappen Sekunden seine Idee zu präsentieren,  um sie mithilfe eines spontan zusammengestellten Teams in 54 Stunden harter Arbeit bis zu einem ersten Prototyp oder einem Geschäftsplan weiterzuentwickeln. Von 37 mit ein wenig Ermunterung durch die Moderatoren  aus dem Publikum herausgekitzelten Konzepten schafften es nach einer Vorauswahl am Ende 16 in den Wettbewerb, der am Sonntagabend mit der Kür der besten Konzepte endete.

Das Startup Weekend Stuttgart ist Teil einer globalen Gemeinschaft

Die Eventreihe der Startup Weekends, an der bisher 250 000  Menschen weltweit teilgenommen haben, ist eine der wichtigsten Veranstaltungen der globalen Gründerkultur und in Stuttgart  dank des Engagements des lokalen Vereins Startup Stuttgart fest verankert. Unterstützt wird es von privaten Sponsoren und der Wirtschaftsförderung von Stadt und Region. Am selben Wochenende wie in Stuttgart fanden beispielsweise  solche Ideen-Wochenenden auch  in Mali, der Mongolei und in Afghanistan statt. „Jeder der hier teilnimmt, wird Teil einer weltweiten Gemeinschaft“, sagt Johannes Ellenberg von Startup Stuttgart.
Auch Innovationsexperten von etablierten Unternehmen, wie Christian Bauer von Daimler, der während des Wochenendes als einer der zehn Berater und Mentoren für die  Teams agiert, suchen hier nach Innovationsgeist und Inspirationen. Es gehe ihm vor allem darum, mit in der Startup-Gemeinschaft dabei zu sein, sagt er: „Ich finde das Umfeld gut und mir macht es Spaß, mit Startups zusammenarbeiten. Die meisten Ideen sind aber noch in einem zu frühen Stadium, als dass sich für uns ganz konkret Anküpfungspunkte ergeben.“ Unter den Mentoren war auch Lester Golden, ein zurzeit in Riga als Wirtschaftsprofessor arbeitender New Yorker, der den Kontakt nach Stuttgart auf einer Entrepreneurship-Konferenz in Tel Aviv geknüpft hatte. „Kämpfe erst – dann mache ein Konzept“, so umschreibt er die auch dem Startup Weekend Stuttgart zugrunde liegende Philosophie, welche die Teilnehmer dazu bringen will, aus dem konkreten Tun heraus etwas zu lernen.

Aus einigen Ideen wird am Ende eine Firma

„Aus zwei bis drei, der in den Wettbewerb startenden Ideen, entwickelt sich am Ende tatsächlich ein Startup“, sagt Nils Högsdal, Professor für Unternehmertum an der HdM und zusammen mit einem Studenteam der Mitorganisator. So ist aus dem Sieger des Jahres 2013  die inzwischen auch vom High-Tech-Gründerfonds des Landes gefördete Stuttgarter Firma Virtual Q hervorgeangen, die mit inzwischen neun Angestellten  durch ein besseres Management der Anrufe dem lästigen Warten in Telefonwarteschleifen ein Ende macht. Dem Umfeld der Hochschule der Medien angemessen stammten auch in diesem Jahr viele der ursprünglich präsentierten 37  Ideen aus dem Bereich der Sozialen Apps: Sie reichten von einer Plattform die Kochbegeisterte zusammenbringen will, über  eine Erfahrungsplattform, die es per Video erlauben soll, die Lebenserfahrung anderer Menschen anzuzapfen, bis zu einer mobilen Anwendung, die nach dem Muster einer Dating App die Suche nach Mitbewohnern erleichtern soll. „Es gibt aber auch einen gewissen Trend zu mehr Hardware-Themen“, sagte HdM-Professor Högsdal: Verkaufsautomaten für Lebensmittel, die Vermietung von Oldtimern oder das Erstellen von Business-Shirts aus schweißresistenten Sportmaterialien gehörten ebenfalls dazu.
Die Teilnehmer auf dem Startup Weekend Stuttgart werden dabei auch immer ermuntert, vom Campus aus ins reale Leben einzutauchen und buchstäblich auf der Straße nach den Bedürfnissen ihrer Kunden zu fragen. Für das Team, das eine Vermietung von Oldtimern aufbauen will, war das durchaus erhellend. Nach dem Besuch eines Ausstellungshauses in Böblingen kam das Marktforschungsteams mit der Erkenntnis zurück, dass manche potenzielle Kunden, das Thema sehr schwäbisch-sparsam betrachteten: „Es gab da zum Teil unrealistische Preisvorstellungen, dass man für 150 Euro im Monat praktisch unbegrenzte Oldtimerfahrten haben kann“, sagte der HdM-Student Nino Müns, der bereits  seit einigen Jahren eine Webagentur betreibt. Grund genug, um  am Geschäftsmodell weiter zu feilen. „Das ist gerade das Faszinierende“, sagte sein Mitstreiter Oliver Siemes, der in Stuttgart Internationale Betriebswirtschaft studiert: „Du startest mit einer Idee – und dann kommt am Ende etwas ganz anderes heraus wie ein Oldtimer-Club oder ein Investmentfonds für alte Autos.“

DIE SIEGER DES STARTUP WEEKEND STUTTGART 2015
Den Gesamtpreis des Stuttgarter Startup Weekend hat das Projekt Klub der Klassiker (Classic Motors Club) gewonnen, das ein Angebot zum Mieten von Oldtimern etablieren möchte. Als das innovativste Team profilierte sich Navin, das mithilfe von GPS die Navigation innerhalb von Gebäuden verbessern will. Als bester Präsentator erwies sich die Gruppe Myflatmatch Flatmatch, die eine Art Dating-App für die Suche nach Mitbewohnern entworfen hat. Spothunt, eine Schnitzeljagd in Städten, die kleinen Läden Besucher bringen soll, hat sich am besten um potenzielle Kunden gekümmert. Den Preis für den guten Umgang mit Rechtsfragen erhielt Web2Apps, ein System, das Webseiten automatisch in Apps umwandeln soll.

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Bild: Die Teilnehmer des Startup Weekend Stuttgart 2015 im 360-Grad-Panorama.
Quelle: SWSTGT

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